Un­ru­he im Ver­fas­sungs­ge­richt

Va­kanz an der Spit­ze des Thü­rin­ger Ge­richts­hofs sorgt nicht nur im Land­tag für Streit. Auch Rich­ter sind be­sorgt

Ostthüringer Zeitung (Bad Lobenstein) - - Thüringen -

die CDU-Op­po­si­ti­ons­frak­ti­on. Mit der AfD will kei­ner der Be­tei­lig­ten re­den.

Die Re­gie­rungs­frak­tio­nen ha­ben sich in­zwi­schen auf die Wei­ma­rer Ver­wal­tungs­ge­richts­prä­si­den­tin El­ke He­ßel­mann fest­ge­legt, die den Grü­nen zu­min­dest na­he steht – und die CDU wie­der­um auf den par­tei­an­ge­hö­ri­gen Bun­des­rich­ter Klaus-Die­ter von der Wei­den. Bei­de sind be­reits Mit­glie­der des Ge­richts­hofs, es geht in die­sem Fall so­zu­sa­gen um ih­re Be­för­de­rung. Kei­ne der bei­den Sei­ten rück­te bis­her in sechs Tref­fen von je­weils ih­rer Po­si­ti­on ab. Ge­gen­sei­ti­ge An­ge­bo­te, die lang­fris­ti­ge Per­so­nal­ab­spra­chen oder Ver­fas­sungs­än­de­run­gen im Be­reich der di­rek­ten De­mo­kra­tie be­tra­fen, wur­den eben­so ge­gen­sei­tig ab­ge­lehnt. Rot-Rot-Grün ver­weist dar­auf, dass es un­üb­lich sei, dass die Min­der­heit im Par­la­ment auf das Vor­schlags­recht be­ste­he, zu­mal die Op­po­si­ti­on ja schon den Land­tags­prä­si­den­ten stel­le.

CDU-Frak­ti­ons­chef Mi­ke Mohring be­steht hin­ge­gen auf Ab­spra­chen, die er mit dem da­ma­li­gen SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den Uwe Höhn ge­trof­fen ha­ben will – an die die­ser sich aber nicht mehr er­in­nern kann.

In­zwi­schen hat der Per­so­nal­streit auch den Ge­richts­hof in Wei­mar er­reicht. Es soll in­ter­ne Gut­ach­ten und Ge­gen­gut­ach­ten ge­ben, was die for­ma­le Eig­nung der Kan­di­da­ten be­trifft. So wird zum Bei­spiel von ko­ali­ti­ons­freund­li­chen Rich­tern mo­niert, dass Klaus-Die­ter von der Wei­den als Rich­ter am Leip­zi­ger Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nur schwer die Ge­schäf­te in Wei­mar füh­ren kön­ne. Au­ßer­dem dürf­te er, weil er Bun­des­recht spre­che, nicht im­mer mit der nö­ti­gen Au­to­no­mie an der Spit­ze des Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts agie­ren. Dies je­doch wird von der an­de­ren Sei­te be­strit­ten. Die Tä­tig­keit am Bun­des­ge­richt spre­che für die Kom­pe­tenz des Kan­di­da­ten, heißt es in der CDU. Au­ßer­dem woh­ne der Rich­ter ja in Thü­rin­gen.

Pi­kant: Weil von der Wei­den dienst­äl­tes­ter Be­rufs­rich­ter am Hof ist, ver­sieht er kom­mi­sa­risch die Prä­si­den­ten­ge­schäf­te – was der CDU ein Druck­mit­tel ver­schafft.

Wohl auch des­halb hat nun die Mehr­heit der Rich­ter in nach­ge­ord­ne­ten Ent­schei­dun­gen, die Kos­ten­fra­gen von Ver­fah­ren be­tref­fen, ei­nen Pas­sus ein­ge­fügt. Dar­in heißt es sinn­ge­mäß, die Va­kanz an der Spit­ze dür­fe nur vor­über­ge­hend be­ste­hen, um ei­ne ord­nungs­ge­mä­ße Recht­spre­chung zu ge­währ­leis­ten. Ei­nigt sich der Land­tag al­so auch in den nächs­ten Ta­gen oder Wo­chen nicht auf ei­nen mehr­heits­fä­hi­gen Kan­di­da­ten, lei­det die Le­gi­ti­ma­ti­on des Ver­fas­sungs­ge­richts.

Die Ur­tei­le sind bis­her nicht ver­öf­fent­licht. Ein Spre­cher des Ge­richts woll­te sich am Mon­tag auf An­fra­ge noch nicht da­zu äu­ßern.

An­ge­bo­te ge­gen­sei­tig ab­ge­lehnt Le­gi­ti­ma­ti­on des Ge­richts lei­det

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