Wann der Ver­mie­ter in die Woh­nung darf

Un­ge­be­te­ne Be­su­che sind grund­sätz­lich ta­bu – es sei denn, es lie­gen wich­ti­ge Grün­de vor. Ei­ne Aus­wahl an Ge­richts­ur­tei­len

Ostthüringer Zeitung (Bad Lobenstein) - - Ratgeber -

Ber­lin. Mie­ter ha­ben ein Recht dar­auf, un­ge­stört woh­nen zu kön­nen. Der Ver­mie­ter muss be­rech­tig­te In­ter­es­sen vor­wei­sen kön­nen, da­mit er oder von ihm au­to­ri­sier­te Per­so­nen in die Woh­nung dür­fen. Be­su­che sind min­des­tens 24 St­un­den vor­her an­zu­kün­di­gen. Ei­ne Aus­wahl gu­ter Grün­de.

Ab­le­se-Ter­mi­ne: In der Re­gel muss ein­mal im Jahr der Ver­brauch von Hei­zungs­en­er­gie und Was­ser ge­mes­sen wer­den. Die Mit­ar­bei­ter der vom Ver­mie­ter oder Ver­wal­ter be­auf­trag­ten Ab­le­se-Fir­ma muss der Mie­ter in die Woh­nung las­sen. Beim Ter­min hat der Mie­ter kein Mit­spra­che­recht, er muss aber we­nigs­tens zehn Ta­ge vor­her in­for­miert wer­den. Ei­ne Rou­ti­ne­kon­trol­le, et­wa des Zu­stan­des der Hei­zung, ist dem Ver­mie­ter al­le zwei Jah­re zu­zu­ge­ste­hen.

Ge­fah­ren­ab­wehr: Gab es im Haus oder in ei­ner Woh­nung z.B. ei­nen Was­ser­rohr­bruch, muss der Ver­mie­ter je­der Zeit die Ge­le­gen­heit be­kom­men, wei­te­re Schä­den zu ver­hin­dern. Ei­ne Ter­min­ver­ein­ba­rung ist in die­sem Fall na­tür­lich nicht not­wen­dig. Stellt sich der Mie­ter in sol­chen Not­fäl­len stur, macht er sich mög­li­cher­wei­se scha­den­er­satz­pflich­tig. Wenn es et­wa aus der Woh­nung we­gen Ver­wahr­lo­sung stinkt, darf der Ver­mie­ter eben­falls hin­ein. Fotos von dem Zu­stand der Woh­nung sind wäh­rend der Dau­er des Miet­ver­hält­nis­ses aber ta­bu.

Woh­nungs­ver­kauf: Läuft ein Miet­ver­hält­nis aus, so be­steht ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se des Ver­mie­ters dar­an, dass er im An­schluss ei­nen neu­en Mie­ter be­kommt. Mie­t­in­ter­es­sen­ten und Mak­ler müs­sen da­her in die Woh­nung ge­las­sen wer­den (u.a. Land­ge­richt Ham­burg, Az.: 307 S 349/93). Mie­ter müs­sen al­ler­dings kei­ne täg­li­chen Be­su­che zu­las­sen. Ein bis zwei Be­sich­ti­gungs­ter­mi­ne pro Wo­che sind laut Recht­spre­chung ge­nug (u.a LG Kiel, WM 93, S. 52). An­de­rer­seits: Ei­ne Auf­wands­ent­schä­di­gung kann der Mie­ter da­für nicht for­dern (AG Lands­berg, Ur­teil v. 6.2.2017, 3 C 701/16).

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat wei­te­re Gren­zen ge­zo­gen (Az.: 1 BVR 2285/03). So muss der Mie­ter dem­nach we­der ak­tiv mit­wir­ken, dass Ter­mi­ne mit Kauf­in­ter­es­sen­ten zu­stan­de kom­men, noch muss er ex­tra sei­ne Woh­nung auf­räu­men oder es dul­den, dass Kauf-In­ter­es­sen­ten fo­to­gra­fie­ren. (ftx)

Bei Ge­fahr brau­chen Ver­mie­ter kei­nen Ter­min. Foto: dpa/PA

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