Ita­li­ens Hoch­burg der Pro­test­wäh­ler

Im si­zi­lia­ni­schen Prio­lo hol­te die Fünf-Ster­ne-Be­we­gung  Pro­zent. Ein Orts­be­such

Ostthüringer Zeitung (Bad Lobenstein) - - Politik -

und den neo­fa­schis­ti­schen Fra­tel­li d’Ita­lia wur­de mit 37 Pro­zent das stärks­te Bünd­nis. Bis heu­te ver­hin­dert der Streit bei­der Sei­ten die Re­gie­rungs­bil­dung in Ita­li­en.

In ganz Sü­dita­li­en fin­det die Fünf-Ster­ne-Be­we­gung mit ih­rem Ver­spre­chen ei­ner Ab­sa­ge an bis­he­ri­ge po­li­ti­sche Re­zep­te viel Zu­stim­mung. In der Stadt am Golf zwi­schen Ca­ta­nia und Sy­ra­kus mit ih­ren kri­sen­ge­schüt­tel­ten Raf­fi­ne­ri­en und ei­ner sehr ho­hen Ar­beits­lo­sig­keit von 24 Pro­zent set­zen be­son­ders vie­le Bür­ger ih­re Hoff­nun­gen auf Ve­rän­de­rung in die noch un­ver­braucht wir­ken­de Par­tei des Ex-Ko­mi­kers Bep­pe Gril­lo. Egal ob sie bis­lang eher links oder rechts ge­wählt ha­ben, Haupt­sa­che, et­was Neu­es.

„Oh­ne sie ha­ben wir kei­ne Zu­kunft“, be­grün­det der jun­ge Mann hin­ter der The­ke ei­ner klei­nen Bar, war­um er die Fünf­Ster­ne-Be­we­gung ge­wählt hat. „Wir brau­chen Ar­beit und we­ni­ger Steu­ern“, sagt der 25-Jäh­ri­ge, wäh­rend an ei­nem gro­ßen Tisch al­te Män­ner und jun­ge zahn­lo­se Ar­beits­lo­se den Vor­mit­tag mit Kar­ten­spie­len ver­brin­gen.

„Ei­gent­lich bin ich rechts­ex­trem“, meint ei­ne Frau. Sie wähl­te die Fünf-Ster­ne-Be­we­gung, weil sie al­le üb­ri­gen Par­tei­en für kor­rupt hält. „Sie ha­ben uns un­se­re Wür­de ge­raubt“, er­klärt sie mit kal­ter Wut in der Stim­me.

Die Stadt­ver­wal­tung von Prio­lo wur­de we­gen Kor­rup­ti­ons­ver­dacht vom In­nen­mi­nis­te­ri­um in Rom ab­ge­setzt. Der 12 000-See­len-Ort wird seit­her kom­mis­sa­risch ver­wal­tet. „Ich bin nicht für de­ren Pro­gramm, aber ich ha­be sie ge­wählt, um Bas­ta zu sa­gen“, er­klärt die Frau vor dem Rat­haus mit dem stol­zen Schrift­zug „Stadt für den Frie­den und die Men­schen­rech­te“. Bis­lang hät­ten sich al­le Po­li­ti­ker hier der Ma­fia un­ter­wor­fen und in die ei­ge­ne Ta­sche ge­wirt­schaf­tet, da­mit müs­se Schluss sein.

Der Fünf-Ster­ne-Spit­zen­kan­di­dat Lu­i­gi Di Maio. Foto: Reuters

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