Nur we­nig ge­ziel­te Kon­trol­len

Über­la­de­ne Holz­trans­por­ter wer­den sel­ten auf­ge­grif­fen. Holz­in­dus­trie emp­fin­det Vor­fall als un­er­freu­lich.

Ostthüringer Zeitung (Bad Lobenstein) - - Kultur & Freizeit -

40 Ton­nen.“

„Si­cher­heit wird bei uns groß ge­schrie­ben“, be­ginnt Cars­ten Mer­forth, Ge­schäfts­füh­rer der Mer­cer Tim­ber Pro­ducts in Frie­sau. Über­la­de­ne Hol­trans­por­tLast­wa­gen sei­en ihm bei sei­nem Sä­ge­werk nicht be­kannt. „Ein Über­la­den der Trans­por­te ist viel zu ge­fähr­lich, so­wohl auf der Stra­ße als auch auf dem Werks­ge­län­de.“Das Über­la­den von Holz­trans­por­tern nüt­ze ei­gent­lich kei­nem et­was. Durch die ho­hen Achs­las­ten wür­den die Stra­ßen be­schä­digt und Rü­cke­we­ge im Wald zer­stört, das ge­fähr­de den ge­sam­ten Ver­kehr, gibt er zu be­den­ken.

Dass die Über­la­dung des in Ei­sen­berg auf­ge­grif­fe­nen Holz­trans­por­ters auch ein Miss­ge­schick sein könn­te, meint hin­ge­gen Dirk Meis­gei­er von der Wald­be­sit­zer Ser­vice Gm­bH Remp­ten­dorf – ein Un­ter­neh­men, dass auf den Ver­kauf von Holz spe­zia­li­siert ist. Tro­cke­nes Fich­ten-Kä­fer­holz ha­be ein Ge­wicht von 500 Ki­lo­gramm bis 550 Ki­lo­gramm pro Ku­bik­me­ter, kom­me ge­nü­gend Feuch­tig­keit hin­zu, kön­ne sich das Ge­wicht auch auf bis zu ei­ner Ton­ne pro Ku­bik­me­ter er­hö­hen. Auch die La­ger­zeit des Hol­zes spie­le ei­ne Rol­le. Das seit Ju­ni oder Ju­li her­un­ter­ge­kom­me­ne Kä­fer­holz ha­be ein Ge­wicht zwi­schen 600 Ki­lo­gramm bis 750 Ki­lo­gramm pro Ku­bik­me­ter, wer­de aber da­von aus­ge­gan­gen tro­cke­ne­res Holz zu la­den, kön­ne ei­ne Über­la­dung irr­tüm­li­cher­wei­se vor­kom­men.

All­ge­mein ha­be Meis­gei­er vor den Spe­di­teu­ren, die noch im Holz­ge­wer­be tä­tig sind, viel Re­spekt: „Es ist für die Un­ter­neh­mer nicht ein­fach. Die Holz­trans­por­ter sind teu­er, der Kraft­stoff ist teu­er, der An­ge­stell­te muss von sei­nem Ge­halt le­ben kön­nen und die Holz­prei­se sind im Kel­ler. Doch am En­de des Ta­ges soll trotz­dem noch et­was Geld in die Kas­se ge­flos­sen sein“, merkt Meis­gei­er an. Der Preis für Kä­fer­holz sei auf et­wa 50 Eu­ro bis 52 Eu­ro pro Ku­bik­me­ter ge­fal­len. Im Vor­jahr ha­be die­ser noch zwi­schen 75 Eu­ro und 77 Eu­ro ge­le­gen.

Die Au­to­bahn­po­li­zei ist sich hin­ge­gen si­cher, dass die 50-pro­zen­ti­ge Über­la­dung Vor­satz war. „Die Po­li­zis­ten wis­sen, wie es aus­sieht, wenn ein Holz­trans­por­ter ord­nungs­ge­mäß be­la­den ist“, sagt Pres­se­spre­cher Chris­ti­an Cohn . Die­se sei­en dann nur et­was mehr als halb voll. Die Po­li­zis­ten, die den Holz­trans­por­ter stopp­ten, ge­hör­ten kei­ner spe­zi­el­len Kon­troll­grup­pe an, hät­ten das Ver­ge­hen aber auf An­hieb be­merkt. Des­halb ha­be den Trans­por­ter ih­nen zur nächs­ten Waa­ge fol­gen müs­sen. „Das kann je­de Waa­ge ei­ner Ge­nos­sen­schaft oder ei­nes Ab­schlepp­un­ter­neh­mens sein, die ge­eicht ist“, er­zählt er. Ge­ziel­te Kon­trol­len von Holz­trans­por­ten ge­be es durch die Lkw-Kon­troll­grup­pe. In die­sem Jahr ha­be es ei­ne im Fe­bru­ar und ei­ne im Mai im hie­si­gen Be­reich ge­ge­ben. „Wir zie­hen dann schon grö­ßer raus, aber die Fah­rer war­nen sich un­ter­ein­an­der. So stel­len Dirk Meis­gei­er

wir dann plötz­lich im­mer an den Stra­ßen­rän­dern ab­ge­leg­te Baum­stäm­me fest“. Die Lan­des­po­li­zei­in­spek­ti­on Saal­feld teilt auf An­fra­ge mit: „Von Sei­ten der LPI Saal­feld fin­den in un­se­rem Schutz­be­reich ge­le­gent­li­che Kon­trol­len von Lkw mit Holz­la­dung statt. Dies wird je­doch nicht sta­tis­tisch er­fasst.“Auf­grund des be­nö­tig­ten spe­zi­el­len Fach­wis­sens im Hin­blick auf Schwer­last­kon­trol­len sei die Au­to­bahn­po­li­zei für ge­ziel­te Schwer­last­kon­trol­len

Zu­stän­dig für die Holz­lo­gis­tik der Mer­cer Grup­pe ist Wolf­gang Beck, Ge­schäfts­füh­rer von Mer­cer Holz. „Wir ha­ben zwar ei­nen ei­ge­nen Fuhr­park, ver­ge­ben aber die meis­ten Trans­port­auf­trä­ge an Drit­te“, be­rich­tet er. Die Be­la­dung von Last­wa­gen mit Rund­holz ge­sche­he in der Re­gel im Wald. „Ein Lkw-Fah­rer weiß nicht, wie viel sein Fahr­zeug wiegt, al­ler­dings ist es ab­schätz­bar“, sagt er. Heut­zu­ta­ge hät­ten zu­stän­dig. die meis­ten Be­la­dungs­krä­ne ei­ne Wie­ge­vor­rich­tung, die­se sei in der Re­gel zwar nicht eich­fä­hig, al­ler­dings kön­ne die Be­la­dung da­mit gut ein­ge­schätzt wer­den. Zu­dem kön­ne die Be­la­dung an den Fe­der­bal­ken des An­hän­gers un­ge­fähr ab­ge­le­sen wer­den. Für ge­naue Schät­zun­gen müss­ten die An­hän­ger da­für ab­so­lut gleich­mä­ßig be­la­den sein und auf ge­ra­dem Un­ter­grund ste­hen. Und den­noch: „Ich kann von dem Fah­rer er­war­ten, dass er halb­wegs rich­tig lädt. Die­se Er­war­tungs­hal­tung ha­ben wir in un­se­re Ver­trä­ge mit den Spe­di­teu­ren ste­hen.“Zu­dem ver­an­stal­te Mer­cer re­gel­mä­ßig Spe­di­teurs­schu­lun­gen, in de­nen die­se Er­war­tungs­hal­tung un­ter­stri­chen wer­de. In re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den wer­de auch über­prüft, ob die Ver­gü­tungs­sät­ze für die Spe­di­teu­re aus­rei­chend sind. „Die Kos­ten­struk­tur kön­nen wir durch un­se­ren ei­ge­nen Fuhr­park leicht er­mit­teln.“Soll­te ein deut­lich über­la­de­ner Rund­holz-Last­wa­gen ein Werk er­rei­chen, wür­de Mer­cer die­sen nicht ab­wei­sen. „Wenn ich den dann nicht ins Werk zum Ent­la­den las­se, wür­de ich mich mit­schul­dig ma­chen, wenn auf der Rück­fahrt et­was pas­siert.“Al­ler­dings neh­me Mer­cer bei sol­chen Vor­fäl­len den Kon­takt zum Spe­di­ti­ons­un­ter­neh­men auf. „Bei der Wie­der­ho­lung ei­nes sol­chen Vor­falls ist die letz­te Kon­se­quenz, dass wir un­se­ren Ver­trag mit dem Spe­di­teur auf­kün­di­gen“, schließt Beck ab.

Uwe Lutz, Stand­ort­lei­ter vom Sä­ge­werk Ret­ten­mei­er in Hirsch­berg sagt, es kam im­mer mal wie­der in der Ver­gan­gen­heit vor, dass mut­maß­lich über­la­de­ne Rund­holz­trans­por­ter das Werk er­reich­ten. Al­ler­dings wer­de nicht das Ge­wicht, son­dern das Vo­lu­men zu Abrech­nungs­zwe­cken er­fasst. Bei ei­nem Na­tur­pro­dukt wie Stamm­holz sei es schwer, das Ge­wicht rich­tig ein­zu­schät­zen. Ein tro­cke­ner Ku­bik­me­ter Kie­fern­holz, der so­gar un­ter 500 Ki­lo­gramm wie­gen kann, kön­ne bei ho­her Feuch­tig­keits­zu­fuhr auch schnell um die Hälf­te sei­nes Ei­gen­ge­wichts auf­neh­men. So könn­ten der­ar­ti­ge Über­la­dun­gen wie bei Ei­sen­berg fest­ge­stellt ent­ste­hen. Stel­le Ret­ten­mei­er je­doch ei­ne mut­maß­lich ab­sicht­li­che Über­la­dung fest, wer­de das Trans­port­un­ter­neh­men zum Ge­spräch ge­be­ten.

„Die Holz­trans­por­ter sind teu­er, der Kraft­stoff ist teu­er, der An­ge­stell­te muss von sei­nem Ge­halt le­ben kön­nen und die Holz­prei­se sind im Kel­ler.“

Po­li­zei­kon­trol­le ei­nes Holz­trans­por­ters an der Brü­cke bei Saal­dorf. Fo­to: Au­to­bahn­po­li­zei

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