SED, bes­ser lie­gen blei­ben

Ostthüringer Zeitung (Eisenberg) - - Erste Seite -

Nicht al­les, was es in der Ver­gan­gen­heit schon ein­mal gab, muss man wie­der ha­ben. Ei­ne lin­ke Samm­lungs­be­we­gung, an­ge­sto­ßen von den Links­po­li­ti­kern Sa­rah Wa­genk­necht und Os­kar La­fon­tai­ne, will un­ter dem Mot­to „Auf­ste­hen“po­li­ti­sche Mehr­hei­ten für Deutsch­land er­rei­chen. Mit der Grün­dung ei­ner So­zia­lis­ti­schen Ein­heits­par­tei Deutsch­lands wird zwar nicht ge­droht. Aber das Gan­ze rich­tet sich ge­gen die „herr­schen­de Li­nie bei Grü­nen, SPD und Lin­ken“. Von Sys­tem­än­de­rung ist die Re­de.

Bei den ge­nann­ten Par­tei­en ist die Re­so­nanz mehr als ver­hal­ten, denn die meis­ten Mit­glie­der der ge­nann­ten Grup­pie­run­gen ha­ben of­fen­bar aus­ge­rech­net, dass ein Zu­sam­men­schluss al­lein kei­ne Mehr­hei­ten ga­ran­tiert. Da SPD und Grü­ne auch in ei­ni­gen Bun­des­län­dern mit der CDU ko­alie­ren, wer­den sie sich zu­dem auch nicht ge­ra­de dem La­ger der Sys­tem­ver­än­de­rer zu­rech­nen wol­len. Die Link­s­par­tei selbst ge­stal­tet in ei­ni­gen Bun­des­län­dern auch nur des­halb mit, weil Re­al­po­li­ti­ker pro­tes­tie­ren­den Fun­da­men­ta­lis­ten in den ei­ge­nen Rei­hen erfolgreich na­he ge­bracht ha­ben, dass Re­gie­ren mehr bringt als Op­po­nie­ren.

In Thü­rin­gen ha­ben es die Lin­ken auf die­se Wei­se so­gar ge­schafft, den Mi­nis­ter­prä­si­den­ten zu stel­len, die Re­gie­rung an­zu­füh­ren. Hier im Frei­staat gab es ei­ne lin­ke Samm­lungs­be­we­gung. De­ren rot-rot-grü­nes Zu­sam­men­wir­ken ist auf min­des­tens fünf Jah­re kon­zi­piert. Und es gibt so­gar ei­nen Fach­be­griff da­für: Ko­ali­ti­on.

Lin­ke Mehr­hei­ten las­sen sich nicht her­bei­be­ten. Die Wan­de­rung ei­ni­ger ih­rer Wäh­ler zur AfD macht der Link­s­par­tei Angst. In Thü­rin­gen hat die lin­ke Ko­ali­ti­on ge­ra­de des­halb noch ei­ne Stim­me Mehr­heit, weil ein AfD-Ab­ge­ord­ne­ter zur SPD floh. Im Speck­gür­tel von Os­na­brück in Nie­der­sach­sen wech­sel­te frisch ei­ne Kreis­tags­ab­ge­ord­ne­te der AfD di­rekt in die Frak­ti­on der Link­s­par­tei. Al­so denkt sich die Samm­lungs­be­we­gung, man müs­se sich auch für AfD-Wäh­ler öff­nen. Das al­ler­dings ist das Pro­blem von Wa­genk­necht und La­fon­tai­ne. Par­tei­po­li­tik wird auf die­se Wei­se be­lie­big. Pro­gram­ma­tik der Link­s­par­tei? Pro­gram­ma­tik der AfD? Ist das wirk­lich egal?

Das Par­tei­en­sys­tem in Deutsch­land braucht ei­ne ideo­lo­gi­sche Dis­tanz zwi­schen den Par­tei­en. Es ist ge­ra­de wich­tig, dass sich Lin­ke und AfD von­ein­an­der un­ter­schei­den. Frei­wil­li­ge oder er­zwun­ge­ne Ein­heits­par­tei­en pas­sen nicht zur De­mo­kra­tie. Und Ko­ali­tio­nen auf Zeit sind im Sys­tem seit Jah­ren eta­bliert. Die SED soll­te nicht wie­der auf­er­ste­hen, son­dern bes­ser lie­gen blei­ben.

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