Wie fin­de ich ei­ne Hil­fe für den Haus­halt?

Mi­ni­job-Zen­tra­le hilft bei der An­mel­dung zur So­zi­al­ver­si­che­rung. Schwarz­ar­beit kann ho­he Geld­bu­ße nach sich zie­hen

Ostthüringer Zeitung (Eisenberg) - - Thüringen - Von Ju­lia Löff­ler

Trip­tis/Ge­ra. Das biss­chen Haus­halt ist doch kein Pro­blem. Für vie­le ist Staub­sau­gen, Fens­ter­put­zen und Wi­schen aber trotz­dem ei­ne un­lieb­sa­me Ar­beit, weil ne­ben dem Be­ruf und dem stres­si­gen All­tag kaum noch Zeit da­für bleibt. Oder weil man im Al­ter ein­fach nicht mehr al­le Ar­bei­ten selbst ver­rich­ten kann. Ge­nau­so geht es ei­nem OTZ-Le­ser aus Trip­tis. Er schrieb un­se­rer Re­dak­ti­on und bat um Hil­fe. Der Mann ist seit ei­nem Jahr ver­wit­wet und sucht nach ei­ner Haus­halts­hil­fe, die ihm stun­den­wei­se un­ter­stüt­zen kann. Die Ar­beits­äm­ter hät­ten ihm bis­her lei­der kei­ne In­for­ma­tio­nen ge­ben kön­nen, schreibt der Trip­ti­ser.

Wo kann man nach Haus­halts­hil­fen su­chen?

Es gibt un­zäh­li­ge Mög­lich­kei­ten, nach Men­schen oder Un­ter­neh­men zu su­chen, die Rei­ni­gungs­diens­te an­bie­ten. Beim Bun­des­ver­band Haus­halts­na­her Di­enst­leis­tungs­un­ter­neh­men kann man nach ent­spre­chen­den Fir­men su­chen – oder per Bran­chen­buch oder Goo­gleSu­che. Ei­ne wei­te­re An­lauf­stel­le ist haus­halts­job-bo­er­se.de. Die In­ter­net­sei­te wird von der Mi­ni­job-Zen­tra­le ge­führt. Je­ne Bun­des­be­hör­de ist die zen­tra­le Ein­zugs­und Mel­de­stel­le für ge­ring­fü­gi­ge Be­schäf­ti­gun­gen. Im In­ter­net gibt es au­ßer­dem un­zäh­li­ge Por­ta­le, die sich di­rekt auf die Ver­mitt­lung von Haus­halts­hil­fen spe­zia­li­siert ha­ben. Ei­ne sol­che Platt­form ist „Hel­pling“. Hier sind die Putz­hil­fen je­doch nicht an­ge­stellt, son­dern als Selbst­stän­di­ge tä­tig. Das Por­tal „Book a Ti­ger“stellt mitt­ler­wei­le Putz­kräf­te an. Was bei­de Platt­for­men al­ler­dings ge­mein ha­ben: Für Thü­rin­gen fin­den sich kaum An­ge­bo­te. Nicht ein­mal für die gro­ßen Städ­te Erfurt, Je­na und Ge­ra konn­ten (Ab­fra­ge Frei­tag, 14. Sep­tem­ber) ent­spre­chen­de Putz­hil­fen ge­fun­den wer­den. Auch der Trip­ti­ser Le­ser wür­de bei der Su­che nach ei­ner Haus­halts­hil­fe auf bei­den Por­ta­len leer aus­ge­hen.

Bes­ser ist es – ge­ra­de, wenn man im länd­li­chen Raum lebt –, nach An­zei­gen Aus­schau zu hal­ten, ent­we­der eben­falls auf On­li­nePlatt­for­men wie ebay-klein­an­zei­gen.de oder klas­sisch in Zei­tun­gen und An­zei­gen­blät­tern. Dort kann man Ge­su­che per An­zei­gen schal­ten. Noch klas­si­scher: sich bei Freun­den und Be­kann­ten um­hö­ren.

Was muss bei der Be­schäf­ti­gung ei­ner Haus­halts­hil­fe be­ach­tet wer­den?

Stellt man ei­ne Haus­halts­hil­fe privat ein, soll­te sie bei der Mi­ni­job-Zen­tra­le an­ge­mel­det wer­den. Ein For­mu­lar, der so­ge­nann­te Haus­halt­scheck, muss von Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­ge­ber aus­ge­füllt wer­den. Die Mi­ni­job-Zen­tra­le über­nimmt dann die An­mel­dung bei den So­zi­al­ver­si­che­run­gen. Au­ßer­dem er­teilt der Ar­beit­ge­ber da­mit der Be­hör­de die Ein­zugs­er­mäch­ti­gun­gen für al­le fäl­li­gen Ab­ga­ben. Vor der Ein­stel­lung soll­te man sich den Per­so­nal­aus­weis zei­gen und ko­pie­ren las­sen. Ein Po­li­zei­li­ches Füh­rungs­zeug­nis zeigt die Se­rio­si­tät des Ar­beit­neh­mers. Au­ßer­dem soll­ten der St­un­den­lohn und die Ein­satz­häu­fig­keit der Di­ens­te ver­ein­bart wer­den. Auch der Auf­ga­ben­be­reich soll­te ge­nau ab­ge­steckt wer­den. Die­se we­sent­li­chen Ver­ein­ba­run­gen soll­ten in ei­nem Ar­beits­ver­trag fest­ge­hal­ten wer­den. Mus­ter­ver­trä­ge gibt es auf den Sei­ten der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer und der Mi­ni­job­Zen­tra­le.

Wel­chen St­un­den­lohn soll­te ei­ner Haus­halts­hil­fe ge­zahlt wer­den?

Der St­un­den­lohn va­ri­iert je nach Re­gi­on. Bei haus­halts­na­hen Di­enst­leis­tungs­un­ter­neh­men liegt die­ser oft­mals zwi­schen 17 und 22 Eu­ro. Selbst­stän­di­ge Putz­hil­fen ver­lan­gen meist ei­nen St­un­den­lohn von 12 bis 19 Eu­ro. Wer ei­ne Haus­halt­hil­fe als Mi­ni­job­ber be­schäf­tigt, zahlt we­ni­ger, näm­lich Min­dest­lohn bis 13 Eu­ro. Hin­zu kom­men hier al­ler­dings noch die So­zi­al­ab­ga­ben.

War­um soll­te man ei­ne Haus­halt­hil­fe nicht schwarz be­schäf­ti­gen? Nach An­ga­ben des In­sti­tuts der deut­schen Wirt­schaft sind ver­gan­ge­nes Jahr über 88 Pro­zent der Haus­halts­hil­fen in Deutsch­land nicht an­ge­mel­det ge­we­sen. Ei­ne schwarz be­schäf­tig­te Haus­halts­hil­fe ist nicht ver­si­chert. Bei schwe­ren Ver­let­zun­gen kom­men auf den Ar­beit­ge­ber so mög­li­cher­wei­se ho­he For­de­run­gen zu, zum Bei­spiel für die Kran­ken­be­hand­lung. Au­ßer­dem win­ken ho­he Stra­fen, denn Schwarz­ar­beit ist ei­ne Ord­nungs­wid­rig­keit. Laut Ver­brau­cher­zen­tra­le kön­nen Zu­wi­der­hand­lun­gen, zum Bei­spiel wenn miss­traui­sche Nachbarn An­zei­ge er­stat­ten, mit ei­ner Geld­bu­ße von bis zu 300 000 Eu­ro be­legt wer­den. Be­schäf­tigt man ei­ne an­ge­mel­de­te Haus­halts­hil­fe, er­ge­ben sich steu­er­li­che Vor­tei­le. 20 Pro­zent der Kos­ten – bis zu 510 Eu­ro jähr­lich – kön­nen Ar­beit­ge­ber von der Steu­er ab­set­zen.

Gibt es Zu­schüs­se für die Be­schäf­ti­gung ei­ner Haus­halts­hil­fe, zum Bei­spiel bei Krank­heit oder im Al­ter?

Bei schwe­rer Krank­heit kön­nen Ver­si­cher­te das Recht auf ei­ne Haus­halts­hil­fe ha­ben. Vor­aus­set­zung da­für ist aber, dass die selbst­stän­di­ge Wei­ter­füh­rung des Haus­halts durch die Krank­heit nicht mehr mög­lich ist oder dass ei­ne im Haus­halt le­ben­de Per­son den Kran­ken nicht pfle­gen oder den Haus­halt füh­ren kann. Wer ei­ne Haus­halts­hil­fe be­nö­tigt, kann vom be­han­deln­den Arzt ei­ne me­di­zi­ni­sche Not­wen­dig­keits­be­schei­ni­gung er­hal­ten. Trotz­dem wer­den ge­setz­li­che Zu­zah­lun­gen fäl­lig. Laut Ver­brau­cher­zen­tra­le wer­den in der Re­gel höchs­tens vier Wo­chen pro Krank­heits­pe­ri­ode ge­währt.

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