Ap­pell an pri­va­te Wald­be­sit­zer

For­st­amt Je­na-Holz­land: So viel Kä­fer­holz wie mög­lich fäl­len, be­han­deln oder aus den Wäl­dern brin­gen

Ostthüringer Zeitung (Eisenberg) - - Saale-holzland - Von Frank Kal­la

.Im Voll­schutz­an­zug und mit Gas­mas­ke aus­ge­stat­tet macht sich Forst­wirt Andre­as Be­cker an die Ar­beit: Mi­nu­ten­lang be­sprüht er mit ei­ner lan­gen Lan­ze den gro­ßen Holz­pol­ter im St. Gang­lof­fer Re­vier mit ei­ner Pflan­zen­schutz­lau­ge. „Das über­ste­hen die Kä­fer nicht“, sagt Be­cker, nach­dem er sich wie­der aus dem Schutz­an­zug her­aus­ge­schält hat.

Gut 16 000 Fest­me­ter Fich­ten­holz hat Ko­or­di­na­tor Ma­ik Pösch­mann vom For­st­amt Jen­aHolz­land be­reits mit dem Pflan­zen­schutz­mit­tel be­han­deln las­sen, sei­ne Trup­pe, die ei­ne spe­zi­el­le Aus­bil­dung er­hal­ten hat und die die Zu­las­sung zur Be­hand­lung von Kä­fer­holz be­sitzt, ist stän­dig in den Re­vie­ren un­ter­wegs. Es ist der ver­zwei­fel­te Ver­such, der Bor­ken­kä­fer-In­va­si­on et­was ent­ge­gen­zu­set­zen und sie zum Stop­pen zu brin­gen.

„Im Staats­wald ha­ben wir das Pro­blem noch ge­ra­de so im Griff, was mir aber noch grö­ße­re Sor­gen be­rei­tet, sind die Kä­fer­nes­ter in den Pri­vat­wald-Flä­chen“, sagt For­st­amts­lei­ter Bern­hard Zeiss.

Schät­zungs­wei­se 1000 Wald­ei­gen­tü­mer gibt es im Saa­leHolz­land-Kreis so­wie im Raum Je­na, bei vie­len klei­nen Wald­par­zel­len wis­sen die zu­stän­di­gen Re­vier­förs­ter häu­fig gar nicht, wer der Ei­gen­tü­mer ist. Das macht es schwie­rig, die Pri­va­ten im Kampf ge­gen den Bor­ken­kä­fer zu mo­bi­li­sie­ren.

Da­bei wird je­de Hand ge­braucht, um die Kä­fer­in­va­si­on un­ter Kon­trol­le zu brin­gen. „Je­dem, den der Wald am Her­zen liegt, wä­re schon ge­hol­fen, wenn die pri­va­ten Wald­ei­gen­tü­mer Hand an­le­gen und be­fal­le­nes Holz so schnell wie mög­lich aus dem Wald schaf­fen wür­den“, sagt Ma­ik Pösch­mann. Klei­ne­re Holz­men­gen könn­te man ja auch mit dem Schä­lei­sen be­ar­bei­ten und im Wald dann lie­gen las­sen.

Das Prin­zip mit dem Schä­lei­sen, die es für 30 bis 60 Eu­ro das Stück im Fach­han­del zu kau­fen gibt, ist kräf­te­zeh­rend, aber nach­hal­tig bei der Bor­ken­kä­fer­be­kämp­fung: In­dem man die Rin­de vom Baum­stamm schält, ge­hen die dar­in le­ben­den Lar­ven des Gro­ßen Buch­dru­ckers oder des Klei­nen Kup­fer­ste­chers ka­putt.

„Man soll­te aber vor­her schau­en, ob sich die Kä­fer-Po­pu­la­ti­on bei den be­fal­le­nen Stäm­men noch im Lar­ven­sta­di­um be­fin­det. Sind be­reits Kä­fer un­ter der Rin­de zu fin­den, ist es schon zu spät“, er­klärt die St. Gang­lof­fer Re­vier­förs­te­rin An­na Ma­ria Grund. Sie hat das Pro­blem, dass gro­ße Men­gen Sturm­holz, das auf Pol­tern in ih­rem Re­vier liegt, nicht ab­ge­fah­ren wer­den kön­nen, weil es schlicht­weg an Un­ter­neh­men fehlt, die das Holz ab­trans­por­tie­ren könn­ten. „Die Kä­fer flie­gen na­tür­lich gern in das Pol­ter­holz ein.“

Des­halb, so die Re­vier­förs­te­rin, ap­pel­lie­re sie auch an die Pri­vat­wald­be­sit­zer, Kä­fer­holz zu fäl­len, wenn mög­lich an Ort und Stel­le zu Brenn­holz zu ver­ar­bei­ten und ab­zu­fah­ren oder we­nigs­tens die Stäm­me aus dem Wald zu ho­len. „Wird das Kä­fer­holz in ei­ner Ent­fer­nung von rund ei­nem Ki­lo­me­ter zum Wald ge­la­gert, stellt es kei­ne Ge­fahr mehr dar, selbst dann wenn die Kä­fer noch in der Rin­de sind.“

Die Dis­tanz für die neue Bor­ken­kä­fer-Ge­ne­ra­ti­on, neue Bäu­me zu be­fal­len, sei dann ein­fach zu groß. Be­kom­me man das ein­ge­schla­ge­ne Holz nicht aus dem Wald und hand­le es sich um grö­ße­re Men­gen, sei es sinn­voll, das Ge­spräch mit dem zu­stän­di­gen Förs­ter zu su­chen, wenn man ei­nen Be­förs­te­rungs­ver­trag ha­be. „Hier kann man auch den Ein­satz von Pflan­zen­schutz­mit­tel er­wä­gen.“An­na Ma­ria Grund kennt sich auch mit dem The­ma Bor­ken­kä­fer, aber „ein so ex­tre­mes Jahr ha­be ich noch nicht er­lebt.“

Die Schä­den durch Sturm­tief „Friedri­ke“, die ex­tre­me Tro­cken­heit und nun die Kä­fer: „Für die Forst­wirt­schaft ist 2018 ein ex­tre­mes Jahr“, schätzt auch For­st­amts­lei­ter Bern­hard Zeiss ein. Er wie auch vie­le an­de­re sei­ner Kol­le­gen hof­fen nun, dass ein nas­ser und kal­ter Win­ter die Kä­fer­po­pu­la­ti­on ein­däm­men wird. „Wir kön­nen nur hof­fen.“

Ein­fach wer­de es für die Forst­leu­te in Zu­kunft nicht. Nach dem Ex­trem­som­mer 2003 ha­be es 14 Jah­re ge­dau­ert, bis die Grund­was­ser­stän­de wie­der auf das ur­sprüng­li­che Ni­veau an­ge­stie­gen sei­en. „Die Bäu­me und ins­be­son­de­re die Fich­te lei­den un­ter Dau­er­stress.“Ob und wie es die Fich­ten­be­stän­de in Zu­kunft schaf­fen wer­den, mit den ver­än­der­ten Be­din­gun­gen klar zu kom­men, dies wer­de sich in den kom­men­den Jah­ren im­mer deut­li­cher her­aus­kris­tal­li­sie­ren. „Wir ste­hen am An­fang ei­ner Ent­wick­lung.“Ver­gli­chen mit an­de­ren Re­gio­nen stün­de man im Raum Je­na und dem Saa­leHolz­land noch gut da. „Es gibt Land­stri­che in Bay­ern, da sind gan­ze Wäl­der ab­ge­stor­ben.“

Forst­wirt Andre­as Be­cker vom For­st­amt Je­na-Holz­land be­sprüht am Mörs­dor­fer Weg ei­nen Sta­pel Fich­ten­stäm­me, die vom Bor­ken­kä­fer be­fal­len sind, mit ei­nem Pflan­zen­schutz­mit­tel. Fo­tos (): Frank Kal­la

Ma­ik Pösch­mann ent­fernt mit ei­nem Schä­lei­sen die Rin­de von ei­nem Fich­ten­stamm. Links: das Fraß­bild.

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