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Ostthüringer Zeitung (Eisenberg) - - Zeit -

as für Eu­ro­pa der Fuß­ball, ist für Mau­ri­ti­us das Se­geln: Na­tio­nal­sport. An je­dem Wo­che­n­en­de tref­fen sich die Men­schen rund um die In­sel zu Re­gat­ten. Es ist ein gro­ßes Er­eig­nis, auch für Tou­ris­ten. Die ein­fach ge­bau­ten Boo­te ha­ben ei­ne lan­ge Tra­di­ti­on: Schon die frü­hen Fi­scher fuh­ren mit den Pi­ro­gen raus. Ir­gend­wann star­te­te je­mand Ren­nen, Zu­schau­er ka­men, so ent­stan­den Fes­te mit Markt­trei­ben, Kunst, Kul­tur – und Mu­sik. Se­ga, wie sie hier heißt, ist ent­stan­den, als sich Skla­ven heim­lich tref­fen muss­ten, um Re­li­gi­on und Mu­sik aus­zu­le­ben. Er­geb­nis die­ser Ge­schich­te ist ei­ne mul­ti­kul­tu­rel­le Ge­sell­schaft mit ei­ner Viel­zahl an Re­li­gio­nen und Tra­di­tio­nen. Al­le Mit­glie­der fei­ern ge­mein­sam das mus­li­mi­sche Op­fer­fest, ge­nau­so wie das chi­ne­si­sche Neu­jahrs­fest und das in­di­sche Lich­ter­fest Di­wa­li.

Auf dem Markt bei der Se­gel­re­gat­ta wird der kul­tu­rel­le Mix auf kleins­tem Raum be­son­ders deut­lich. Rei­se­füh­rer Sa­meer Takun geht durch Rei­hen mit Markt­stän­den und bleibt vor gro­ßen Schüs­seln ste­hen. Wir ent­schei­den uns für ei­ne Art Ret­tich, der in klei­nen Schei­ben im Saft des Ta­mar­in­den­baums ein­ge­legt wur­de, so­wie Riz frit – ge­bra­te­nen Reis mit Ro­si­nen. „Und jetzt müs­sen wir zum In­der“, sagt Takun und zeigt auf ei­ne im­pro­vi­sier­te Gar­kü­che, in der acht Men­schen auf drei Qua­drat­me­tern schar­fe Sa­mo­sas bra­ten und das Brot für Dholl pu­ri ba­cken. Das in Fla­den ge­wi­ckel­te Lin­sen­ge­richt ist so et­was wie das Na­tio­nal­ge­richt von Mau­ri­ti­us.

Die Kü­che wird oft als Fu­si­ons­kü­che be­schrie­ben. Nicht un­be­dingt auf den Märk­ten und Fes­ten, wohl aber in den ge­ho­be­nen Re­stau­rants wer­den auch noch die fran­zö­si­sche und eng­li­sche Kü­che der Ko­lo­ni­al­her­ren an­ge­bo­ten – und ger­ne al­le Ein­flüs­se kom­bi­niert. Man spricht auch von kreo­li­scher Kü­che.

Die­se In­di­vi­dua­li­tät ent­de­cke Mau­ri­ti­us der­zeit, sagt Fa­bio de Po­lo, In­ha­ber des Re­stau­rants am Châ­teau de La­bour­don­nais.

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