Fah­re­rin stirbt bei Un­fall

Ostthüringer Zeitung (Greiz) - - Thüringen -

Ho­hen­stein. Ei­ne 41 Jah­re al­te Au­to­fah­re­rin ist bei ei­nem Un­fall in der Ge­mein­de Ho­hen­stein (Land­kreis Nord­hau­sen) ums Le­ben ge­kom­men. Wie die Po­li­zei mit­teil­te, kam die Frau am Sams­tag mit ih­rem Wa­gen von der Stra­ße ab und über­schlug sich auf ei­nem Feld. Die schwer ver­letz­te Au­to­fah­re­rin starb we­nig spä­ter. (dpa) Ul­la. Fi­nan­zi­ell kei­ne gro­ßen Sprün­ge ma­chen zu kön­nen, dar­an ist Hel­mut Kauf­mann aus Ul­la bei Wei­mar schon lan­ge ge­wöhnt: Schließ­lich hat der Di­plom­in­ge­nieur für Ver­fah­rens­tech­nik nie wie­der ei­ne Ar­beit ge­fun­den, seit die Fir­ma, in der er seit 1990 ge­ar­bei­tet hat­te, im Jahr 2000 In­sol­venz an­mel­den muss­te. Da­bei hät­te der heu­te 73-Jäh­ri­ge da­mals so gut wie je­den Job an­ge­nom­men, selbst als Kraft­fah­rer hät­te er sich ver­dingt. Doch mit über 50 hat­te ei­nem der Ar­beits­markt in je­nen Jah­ren nichts mehr zu bie­ten.

Hel­mut Kauf­mann und sei­ne Frau, die eben­falls in die­sem Be­trieb be­schäf­tigt ge­we­sen war, muss­ten des­halb zu­nächst vom Ar­beits­lo­sen­geld le­ben, kurz vor ih­rem vor­zei­ti­gen Ren­ten­ein­tritt so­gar nur noch von Hartz IV. Trotz­dem schaff­ten es bei­de, ih­re 1995 ent­stan­de­ne Neu­bau­woh­nung in Ul­la, die sie in bes­se­ren Zei­ten mit Blick auf ih­ren Ru­he­stand er­wor­ben hat­ten, voll­stän­dig ab­zu­zah­len.

Ih­re Al­ters­be­zü­ge, die bei­de – sie nach dem 60. und er nach dem 62. Ge­burts­tag – er­hiel­ten, wa­ren zwar al­les an­de­re als üp­pig, doch zu zweit ka­men sie da­mit hin. Die Kauf­manns ge­nos­sen ih­re hüb­sche und auch hübsch ge­le­ge­ne Drei­raum­woh­nung mit Süd­bal­kon, die sie seit 2000 auch selbst be­wohn­ten, lie­ßen vor ein paar Jah­ren so­gar vor­aus­schau­end das Bad al­ters­ge­recht um­bau­en.

Doch als im Fe­bru­ar 2017 Hel­mut Kauf­manns Frau ganz plötz­lich mit 69 Jah­ren ver­starb, kam zur gro­ßen Trau­er bei ih­rem Mann die Sor­ge ums Geld. Schließ­lich hal­bie­ren sich die Le­bens­kos­ten nicht mit ei­nem Schlag, nur weil nun ei­ner nicht mehr da ist. Ob die Hei­zung für zwei oder für ei­nen läuft, die Lam­pe für zwei oder ei­nen brennt – es kos­tet im­mer das­sel­be. Da auch die Wit­wer­ren­te, die Hel­mut Kauf­mann nun zu­sätz­lich zu sei­ner ei­ge­nen Ren­te be­an­tra­gen konn­te, mit rund 200 Eu­ro un­er­war­tet ma­ger aus­fiel, be­gann der Wit­wer nach ei­nem Kas­sen­sturz nach ei­ner Al­ter­na­ti­ve zu su­chen. „Schließ­lich will ich sehr, sehr alt wer­den“, sagt der ge­bür­ti­ge Ru­dol­städ­ter, der als jun­ger Mann drei Jah­re als Hoch­see­fi­scher auf den Welt­mee­ren un­ter­wegs war, la­chend.

So recht fün­dig sei er da­mals im In­ter­net al­ler­dings nicht ge­wor­den. Doch vor ei­nem Jahr un­ter­nahm Hel­mut Kauf­mann dann ei­nen er­neu­ten Ver­such und stieß auf das An­ge­bot der Im­mo­bi­li­en-Lei­b­ren­te. De­ren Funk­ti­ons­wei­se ist schnell er­klärt: Der Ei­gen­tü­mer ei­ner Woh­nung oder ei­nes Hau­ses ver­kauft die selbst ge­nutz­te Im­mo­bi­lie, er­hält aber im Ge­gen­zug vom Käu­fer ein kos­ten­lo­ses Wohn­recht und ent­we­der ei­ne Ein­mal­zah­lung oder ei­ne mo­nat­li­che Ren­te bis an sein Le­bens­en­de. Er selbst kommt nur für die Be­triebs­kos­ten auf.

Da Hel­mut Kauf­mann un­be­dingt in sei­ner Woh­nung woh­nen blei­ben woll­te, er sich auch fit ge­nug fühlt, um mit dem Au­to im na­hen Wei­mar sei­ne Ein­käu­fe und Be­sor­gun­gen zu er­le­di­gen, schien ihm das das Rich­ti­ge: Er nahm Kon­takt zur Deut­schen Lei­b­ren­ten Grund­be­sitz AG in Frank­furt – dem Markt­füh­rer un­ter den An­bie­tern – auf, ließ sich zu­nächst In­fo­ma­te­ri­al zu­schi­cken und ver­ein­bar­te dann ei­nen Ter­min mit ei­nem Mit­ar­bei­ter in sei­ner Woh­nung: „Wir ha­ben das dann ganz in Ru­he bei mir zu Hau­se be­spro­chen“, er­zählt der 73-Jäh­ri­ge.

Der Ex­per­te hat sich da­bei auch ein Bild von der Woh­nung ge­macht, die im ers­ten Ober­ge­schoss liegt und ei­ne von sie­ben in die­sem Haus ist, und Hel­mut Kauf­mann füll­te ei­ne Voll­macht aus, da­mit ein Gut­ach­ter des Tüv Süd mit der Wer­ter­mitt­lung be­auf­tragt wer­den konn­te. Ei­ne Ver­pflich­tung zum spä­te­ren Ver­trags­ab­schluss er­gab sich dar­aus aber nicht. Hel­mut Kauf­mann hät­te zu die­sem Zeit­punkt im­mer noch aus­stei­gen kön­nen, le­dig­lich ei­nen Teil des Gut­ach­tens hät­te er un­ter be­stimm­ten Be­din­gun­gen be­rap­pen müs­sen, wenn es nicht zum Ver­trag ge­kom­men wä­re.

Par­al­lel stimm­te sich der Wit­wer mit sei­nen drei Töch­tern ab – et­was, wo­zu ihm auch der Ver­triebs­mit­ar­bei­ter ge­ra­ten hat­te. Schließ­lich wä­re ih­nen die Woh­nung nach dem Tod des Va­ters als Er­be zu­ge­fal­len. „Aber mei­ne Töch­ter ha­ben ge­sagt: „,Pa­pa, mach das! Dann ha­ben wir spä­ter auch kei­nen Grund, uns dar­um zu strei­ten‘“, er­zählt Hel­mut Kauf­mann. Mit dem Se­gen sei­ner Töch­ter un­ter­schrieb er schließ­lich den Kauf­ver­trag: Sei­ne Woh­nung ging da­mit an den An­bie­ter der Lei­b­ren­te über, er selbst be­hielt ein le­bens­lan­ges miet­frei­es Wohn­recht und ei­ne le­bens­lan­ge zu­sätz­li­che Ren­te, bei­des im Grund­buch an ers­ter Stel­le ab­ge­si­chert. Al­so in dem öf­fent­li­chen Ver­zeich­nis, in dem dar­ge­legt ist, wer Ei­gen­tü­mer wel­cher Grund­stü­cke ist. „Zieht Herr Kauf­mann aus, kann er die Woh­nung pro­blem­los ver­mie­ten“,

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