Durch­schnitt­lich drei bis vier Straf­ta­ten pro Tag

In Pößneck lebt man ziem­lich si­cher, lau­tet die Bot­schaft von Po­li­zei­ober­rat Tho­mas Lenk nach ei­nem Vor­trag im Stadt­rat

Ostthüringer Zeitung (Pößneck) - - Kultur & Freizeit - Von Ma­ri­us Koi­ty

Pößneck. „In Pößneck lebt man si­cher. Wer aber ein­mal Op­fer ei­ner Straf­tat wur­de, wird die Din­ge aus der per­sön­li­chen Be­trof­fen­heit her­aus an­ders se­hen.“Mit die­sen Wor­ten fass­te Po­li­zei­ober­rat Tho­mas Lenk, Lei­ter der Po­li­zei­in­spek­ti­on Saa­le-or­la, ge­gen­über OTZ sei­nen Auf­tritt vom Don­ners­tag­abend im Pößne­cker Stadt­rat zu­sam­men, wo er zur „Si­cher­heits­la­ge“in der Stadt sprach.

Das soll­te so et­was wie das Grund­la­gen­re­fe­rat für ein städ­ti­sches „Si­cher­heits- und Ord­nungs­kon­zept“sein, das sich die Bür­ger­initia­ti­ve für Recht und Si­cher­heit Or­la (Bir­so) wünscht. Al­ler­dings ließ sich am Don­ners­tag­abend – ei­ner lan­gen Dis­kus­si­on zum Trotz – nicht je­de Haupt- und Ne­ben- und Zu­satz­fra­ge der kom­mu­na­len Par­la­men­ta­ri­er er­schöp­fend be­ant­wor­ten, auch weil Zeit mit Haar­spal­te­rei­en zum po­li­zei­sta­tis­ti­schen Be­griff „nicht­deut­scher Tat­ver­däch­ti­ger“ver­tan wur­de. Au­ßer­dem darf Lenk in der Öf­fent­lich­keit nicht über Po­li­zei­stär­ken re­den. Und so wird es An­fang des nächs­ten Jah­res ei­nen neu­en Ter­min mit dem Po­li­zei­ober­rat ge­ben – dann al­ler­dings nicht öf­fent­lich. Po­li­zei­ober­rat Tho­mas Lenk

Lenk brei­te­te zu­nächst ver­schie­de­ne Zah­len aus und dem­nach wur­den von 2013 bis 2017 jah­res­durch­schnitt­lich 1247 Straf­ta­ten in Pößneck er­fasst. Im ver­gan­ge­nen Jahr lag die Zahl der Straf­ta­ten mit 1140 deut­lich un­ter dem Mit­tel­wert.

An Tat­ver­däch­ti­gen hat die Po­li­zei im ge­nann­ten Zei­t­raum jah­res­durch­schnitt­lich 476 Män­ner und Frau­en re­gis­triert. Auch in die­sem Fall lag der 2017er Wert mit 424 deut­lich un­ter dem Mit­tel.

„Wie passt die ge­rin­ge­re Zahl der Ver­däch­ti­gen mit der hö­he­ren der Straf­ta­ten zu­sam­men?“, frag­ten sich Stadt­rä­te. Gibt es et­wa In­ten­siv­tä­ter? „Was ist ein In­ten­siv­tä­ter?“, frag­te Lenk zu­rück und er­klär­te, dass das kein klar de­fi­nier­ter Be­griff sei. „Aber na­tür­lich gibt es ei­nen klei­nen Per­so­nen­kreis, der ei­ne gro­ße Zahl an Straf­ta­ten be­geht. Das war schon im­mer so, so­wohl bei deut­schen als auch bei nicht­deut­schen Tat­ver­däch­ti­gen.“Dar­über hin­aus er­ge­be sich es oft, dass ein Sach­ver­halt gleich meh­re­re Straf­ta­ten um­fas­se.

Die Zahl der nicht­deut­schen Tat­ver­däch­ti­gen in Pößneck liegt im ge­nann­ten Fünf­jah­res­zeit­raum durch­schnitt­lich bei 29 Per­so­nen. In die­sem Fall ist der 2017er Wert von 38 hö­her als das Mit­tel. Im ver­gan­ge­nen Jahr wa­ren land­kreis­weit 10,8 Pro­zent al­ler Tat­ver­däch­ti­gen nicht­deutsch. In Pößneck ist die­se Quo­te ge­rin­ger und liegt bei 9,0 Pro­zent. Was schließt man dar­aus? „Na­tür­lich gibt es in Pößneck Sach­ver­hal­te mit Aus­län­dern, aber nicht in ei­nem über­durch­schnitt­li­chen oder auf­fäl­li­gen Um­fang“, be­ant­wor­te­te Lenk nach der Stadt­rats­sit­zung die­se Otz-fra­ge.

In der Sit­zung selbst hat­te er er­läu­tert, dass bei den nicht­deut­schen Tat­ver­däch­ti­gen nicht nur Asyl­be­wer­ber mit wel­chem An­er­ken­nungs- oder Nicht­an­er­ken­nungs­sta­tus auch im­mer er­fasst sei­en, son­dern auch hier le­ben­de Eu-bür­ger, aus­län­di­sche Ehe­frau­en oder -män­ner Ein­hei­mi­scher, Durch­rei­sen­de und Tou­ris­ten. Wolf­gang Klein­dienst (Bir­so) be­kann­te, dass er gern „Aus­län­der“statt „Nicht­deut­sche“le­sen wür­de. Wo ge­nau das hilft, ließ er of­fen, sah bei den Be­griff­lich­kei­ten aber ei­ne „Sprach­po­li­zei“am Werk.

„War­um gibt es kei­ne Sta­tis­tik für Asyl­be­wer­ber?“, hak­te En­ri­co Klee­busch von der SPD nach. „Weil das für uns nicht re­le­vant ist“, ant­wor­te­te Lenk. Und wäh­rend die De­bat­te so da­hin plät­scher­te, rech­ne­te Klee­busch mit Zah­len, die auf der In­ter­net­sei­te des Land­rats­am­tes ste­hen, hin und her, um dann mehr oder we­ni­ger nach­voll­zieh­bar zu ver­kün­den, dass pro Asyl­be­wer­ber im Saa­le-or­la-kreis sehr viel mehr Straf­ta­ten an­fal­len wür­den als pro Ein­woh­ner. „Es ist ge­nau Blöd­sinn, was Herr Klee­busch er­rech­net hat“, re­agier­te da Marc Roß­ner, eben­falls von der SPD, un­ge­hal­ten.

„Es ist für mich scheiß­egal, wel­che Art Aus­län­der, ob Asyl­be­wer­ber oder nicht, ei­ne Straf­tat be­geht, denn je­de Straf­tat ist ei­ne zu viel“, er­klär­te Ste­ve Rich­ter (Grü­ne). Ihm war auf­ge­fal­len, dass sich 2017 et­wa ein Vier­tel der land­kreis­weit an­ge­fal­le­nen Ge­set­zes­ver­stö­ße in Pößneck er­eig­net ha­ben, und so frag­te er, ob in der Stadt dann auch et­wa 25 Pro­zent von Lenks Leu­ten ein­ge­setzt sei­en. Das kön­ne man so nicht ins Ver­hält­nis set­zen, stell­te der Po­li­zei­ober­rat in den Raum und ver­si­cher­te, dass die Pößne­cker Po­li­zei­sta­ti­on das gan­ze Jahr über rund um die Uhr be­setzt sei.

„Wann pas­sie­ren die meis­ten Straf­ta­ten?“, lau­te­te ei­ne an­de­re Fra­ge im Stadt­rat. Frei­tagund sams­tag­abends und -nachts, ant­wor­te­te Lenk. Am ru­higs­ten sei es sonn­tags. Das Ge­setz bre­chen eher jün­ge­re Leu­te als äl­te­re. Der Po­li­zei­ober­rat ver­hehl­te nicht, dass es ne­ben den er­fass­ten Straf­ta­ten auch ei­ne Dun­kel­zif­fer gibt. Und wer ihm ge­nau zu­ge­hört hat, wird er­kannt ha­ben, dass sich Kri­mi­na­li­tät nicht an Zah­len­rei­hen oder ein­zel­nen Fäl­len fest­ma­chen lässt, so trau­rig die­se auch sind, son­dern das Er­geb­nis ei­ner Viel­zahl von Um­stän­den ist.

Im Sep­tem­ber in der ers­ten De­bat­te zum „Si­cher­heits- und Ord­nungs­kon­zept“spiel­te die Vi­deo­über­wa­chung öf­fent­li­cher Be­rei­che ei­ne gro­ße Rol­le – in der ziem­lich aus­län­der­fi­xier­ten Dis­kus­si­on vom Don­ners­tag­abend nun gar nicht. Was ist aber von Über­wa­chungs­ka­me­ras auf Stra­ßen und Plät­zen zu hal­ten? „So et­was muss man sich von Fall zu Fall an­schau­en“, be­ant­wor­te­te Lenk nach der Sit­zung die­se Otz-fra­ge. „In Pößneck gibt es, wie ich den­ke, kei­ne Be­rei­che, wo sich ein sol­cher Auf­wand loh­nen wür­de. Wie will man bei­spiels­wei­se den Lutsch­gen­park vi­deo­über­wa­chen?“Die Pro­ble­me im Got­tes­acker­kir­chen­park ha­be man auch so in den Griff be­kom­men.

Et­was ver­wun­dert war Lenk im Ge­spräch mit der OTZ, dass kein Stadt­rat et­wa nach der stei­gen­den Ag­gres­si­vi­tät ge­gen­über Po­li­zis­ten ge­fragt ha­be. Da neh­men sich Deut­sche und Nicht­deut­sche näm­lich nichts.

„Was von den er­fass­ten Straf­ta­ten tat­säch­lich an­ge­klagt wird, ist ei­ne an­de­re Fra­ge.“

Po­li­zei­ober­rat Tho­mas Lenk, hier im erns­ten Ge­spräch mit Bir­so­chef Wolf­gang Klein­dienst, öff­ne­te im Pößne­cker Stadt­rat ge­wis­ser­ma­ßen das Tor der Pößne­cker Po­li­zei­sta­ti­on, die das gan­ze Jahr über rund um die Uhr per­so­nell be­setzt sei. Fo­tos (): Ma­ri­us Koi­ty

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