Lack statt Feu­er­zan­gen­bow­le

Ostthüringer Zeitung (Pößneck) - - Kultur & Freizeit -

Jetzt ist es so­weit, lie­be Le­se­rin­nen und Le­ser, ich ou­te mich. Ich ha­be ge­hei­ra­tet und ei­nen Na­mens­wech­sel voll­zo­gen.

Der Herr Pfeif­fer ist nun der Herr Cis­lak. Die­ser Na­me steht ab heu­te über mei­nen Tex­ten und un­ter mei­nen Fo­tos.

Ja, ich bin so frei, den Na­men mei­ner Frau an­zu­neh­men, weil er mir so gut ge­fällt (Punkt 1). Er ist vor al­lem in die­ser Schreib­wei­se sehr sel­ten im deutsch­spra­chi­gen Raum (Punkt 2).

Der Nach­na­me Cis­lak ist pol­ni­schen Ur­sprungs. In un­se­rem öst­li­chen Nach­bar­land und den USA ist er wei­ter ver­brei­tet. Ur­sprüng­lich wur­de er üb­ri­gens Cies­lak ge­schrie­ben. Das E ging dann ir­gend­wie bei der Re­gis­trie­rung ver­lo­ren, als die Vor­fah­ren mei­ner Frau aus Po­len hier­her ka­men. Ei­ne tol­le Sto­ry, wie ich fin­de (Punkt 3).

„Pfeif­fer mit drei F wie in der Feu­er­zan­gen­bow­le“– der Spruch ge­hört nun der Ver­gan­gen­heit an. Jetzt muss ich mei­nen Nach­na­men meist kom­plett buch­sta­bie­ren. Macht nichts, der Na­me ist ein­fach cool!

Kol­le­ge Pe­ter Cis­sek ver­riet mir ei­ne wit­zi­ge Esels­brü­cke: Cis wie in der Ton­lei­ter und

SEK wie Son­der­ein­satz­kom­man­do, sagt er oft. Viel­leicht pro­bie­re ich es nun mit Cis und Lack oh­ne C.

In Deutsch­land gibt es wohl kei­ne of­fi­zi­el­le Sta­tis­tik mit Aus­sa­gen über die Zahl der Män­ner, die den Nach­na­men ih­rer Frau an­neh­men. Glaubt man Um­fra­gen, kön­nen es nicht vie­le sein – et­wa fünf Pro­zent sei­en es. In der Schweiz hin­ge­gen wird Sta­tis­tik ge­führt, ob­gleich die Na­mens­än­de­rung dort erst seit 2013 mög­lich ist – und dort tun es le­dig­lich zwei Pro­zent der Män­ner.

In der DDR durf­te der Mann den Na­men sei­ner Frau schon seit 1966 an­neh­men. Die BRD war da noch lan­ge nicht so­weit. Erst 1991 gab es ein weg­wei­sen­des Ur­teil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts: „Mit dem Grund­satz der Gleich­be­rech­ti­gung ist es nicht ver­ein­bar, dass der Man­nes­na­me von Ge­set­zes we­gen Ehename wird, wenn die Ehe­gat­ten kei­nen ih­rer Ge­burts­na­men zum Ehenamen be­stim­men“.

So denn, Män­ner – traut euch! Eu­re Frau­en wer­den es euch si­cher dan­ken.

Mar­cus Cis­lak traut sich – den Nach­na­men sei­ner Frau an­zu­neh­men

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