Das Le­ben ist schön

Ostthüringer Zeitung (Rudolstadt) - - Kultur & Freizeit - Tho­mas Spa­nier über Schick­sa­le, die ihn be­we­gen

Wie lebt man rich­tig? Was ist wich­tig im Le­ben und was we­ni­ger? Wenn man als Jour­na­list sei­nen Be­ruf mit Herz­blut aus­übt und nicht den be­que­men Weg geht, kommt man im­mer wie­der mit Ge­schich­ten in Be­rüh­rung, die das ei­ge­ne Ko­or­di­na­ten­sys­tem in Fra­ge stel­len. Schick­sa­le, die et­was mit ei­nem selbst ma­chen, Wer­te ver­schie­ben, zum Nach­den­ken zwin­gen, auch wenn es mit­un­ter schmerz­lich ist.

Be­son­ders nah ge­hen mir im­mer die Ge­schich­ten von Kin­dern, die – wie al­le Men­schen – un­schul­dig auf die Welt kom­men, mehr oder we­ni­ger be­hü­tet in Frie­den­auf­wach­sen und dann aus dem Le­ben ge­ris­sen wer­den. „Der hells­te Stern ist un­se­re Ma­rie“, war die Ge­schich­te ei­ner Ru­dol­städ­ter Fa­mi­lie über­schrie­ben, die bei ei­nem Brand ih­re klei­ne Toch­ter ver­lor. Fast nicht aus­zu­hal­ten die Sit­zung der Selbst­hil­fe­grup­pe „Ver­wais­te El­tern“in Saal­feld, in der der Ver­lust des ei­ge­nen Kin­des ge­mein­sam be­trau­ert und ver­ar­bei­tet wird. Oft sind es Un­fäl­le, die den Men­schen das Liebs­te neh­men.

Auch das Schick­sal von Ju­lia Gru­ner, über das wir in die­ser Aus­ga­be be­rich­ten, hat bei mir Spu­ren hin­ter­las­sen. Ein klei­nes schwa­ches Bün­del, das die Ärz­te schon auf­ge­ge­ben ha­ben und das sich mit un­bän­di­gem Wil­len ins Le­ben kämpft, an­de­ren Mut macht, Lie­be gibt und Freu­de aus­strahlt. Je­der Be­hin­de­rung zum Trotz. Und dann, als sie nach ei­ner Odys­see in den Kli­ni­ken des Lan­des end­lich oh­ne Ein­schrän­kung le­ben kann, kommt ei­ne be­trun­ke­ne Frau im Au­to da­her und fährt sie um. Ein­fach so. Kei­ne zwei Wo­chen spä­ter stirbt sie ge­nau in der Stadt, in der man ihr 34 Jah­re zu­vor kein Jahr zum Le­ben ge­ge­ben hat­te. Wie grau­sam kann das Schick­sal sein?!

Die Schlüs­se aus den Ge­schich­ten muss je­der für sich selbst zie­hen. Mir hat Ju­lia Gru­ner, die ich nie ken­nen­ler­nen durf­te, aus ih­rem Gr­ab in Zwi­ckau-Pla­nitz zwei Bot­schaf­ten ge­schickt, die ich künf­tig noch mehr be­her­zi­gen will: Gib nicht auf, auch wenn die La­ge noch so aus­sichts­los ist! Und: Das Le­ben ist schön! Ge­nie­ße es, so­lan­ge du Ge­le­gen­heit da­zu hast. Es kann so schnell vor­bei sein.

Schö­nes Wo­che­n­en­de!

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