Mit ei­nem Cu­ba Lib­re wur­de es nichts

Mie­ter und Wir­te in der Saal­stra­ße in Saal­feld be­schwe­ren sich über die Bar „La Guan­tan­ame­ra“

Ostthüringer Zeitung (Rudolstadt) - - Landkreis Saalfeld-rudolstadt - Von Gui­do Berg

Saal­feld. Sie ist Aschen­put­tel am Tag und Prin­zes­sin in der Nacht. Die un­te­re Saal­stra­ße er­scheint et­was ab­ge­hängt von üb­ri­gen Saal­fel­der Stadt­zen­trum, was er­staunt bei zwei Ho­tels, dem „Welt­rich“und der „Tan­ne“. So­gar die SB-Fi­lia­le ei­ner Bank fin­det sich dort. Wenn die Son­ne un­ter­geht, wird das häss­li­che Ent­lein zum Schwan, dann öff­nen die Clubs ih­re Tü­ren und zie­hen die Rol­los hoch und schal­ten ih­re ne­on­strah­len­de Wer­be­schil­der an, die kund­tun, wel­ches Bier be­vor­zugt wird, „Saal­fel­der“oder „Becks“. Drei von vier Lä­den ha­ben „Nacht­be­trieb“, wie es ein Wirt aus­drückt. Stolz sagt er, dass seit 17 Jah­ren, seit er am Zapf­hahn zieht, we­gen ihm, sei­ner Lo­ca­ti­on und sei­nen Gäs­ten, nicht ein Mal die Po­li­zei kom­men muss­te. Nicht ein ein­zi­ges Mal.

Das ist beim „La Guan­tan­ame­ra“an­ders. Und des­halb sind die Wir­te in der un­te­ren Saal­stra­ße et­was ver­schnupft. Im Prin­zip ha­ben sie nichts ge­gen die ku­ba­ni­sche Bar, die auch Gas­tro­no­mie an­bie­tet. Sol­len sie doch ma­chen, ist der li­be­ra­le Te­nor, es er­höht die Viel­falt. Doch sie sind es leid, we­gen der exo­ti­schen Bar un­weit des Saal­to­res so häu­fig in den Po­li­zei­mel­dun­gen zu ste­hen. Dort heißt es häu­fig et­wa: „Streit es­ka­liert in Saal­fel­der Gast­stät­te“; häu­fig wird noch die Saal­stra­ße er­wähnt. Nicht er­wähnt wird, um wel­chen La­den es sich da­bei han­delt, was die Wir­te als ge­schäfts­schä­di­gend an­se­hen. Schließ­lich frag­ten doch vie­le Gäs­te, „was bei Euch schon wie­der los ge­we­sen ist“.

Das „La Guan­tan­ame­ra“, spa­nisch für ei­ne Frau, die aus Gu­an­tá­na­mo stammt, war nicht im­mer in der Saal­stra­ße an­säs­sig, son­dern auch in Gorn­dorf und so­gar auch mal am Markt. „Und das hät­te so blei­ben kön­nen“, heißt es bei den Mie­tern des Hau­ses Saal­stra­ße 52. Sie wen­den sich mit ei­nem Hil­fe­ruf an die OTZ, denn die ku­ba­ni­sche Bar im Haus sei ei­gent­lich ei­ne Dis­ko­thek mit sehr lau­ter, zu­meist ku­ba­ni­scher Mu­sik. Die „Be­schal­lung“star­te am Frei­tag­abend um 22 Uhr und en­de mor­gens um fünf Uhr, Sonn­tag gern auch mal um halb 8. „Wir sind kom­plett um­schallt!“lau­tet der Kla­ge­ruf. Und auch die Mie­ter be­stä­ti­gen die häu­fi­gen Schlä­ge­rei­en in und vor der Bar. „So gut wie je­des Wo­che­n­en­de kommt die Po­li­zei.“Ei­ni­ge Mie­ter sei­en schon aus­ge­zo­gen, weil sie es nicht mehr aus­ge­hal­ten hät­ten. Noch woh­nen auch Kin­der in dem Haus. Ein Mie­ter er­klärt, es fal­le ihm schwer weg­zu­zie­hen: „Man ist ja froh, wenn man in Saal­feld ei­ne Woh­nung fin­det...“Der Ei­gen­tü­mer der Saal­stra­ße 52 ist nach Aus­kunft der Mie­ter ei­ne Ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts in Lu­xem­burg na­mens Lu­des & Wa­gner. Re­cher­chen er­ge­ben: Die GbR ist im In­ter­net nicht auf­find­bar. Nicht zu er­rei­chen ist auch der Im­mo­bi­li­en­ver­wal­ter in Pößneck .

Längst ha­ben die Mie­ter we­gen ru­he­stö­ren­den Lärms An­zei­ge beim Land­rats­amt er­stat­tet, Ab­tei­lung Öf­fent­li­che Ord­nung. Das Land­rats­amt be­stä­tig­te der OTZ ein noch nicht ab­ge­schlos­se­nes Ver­fah­ren in der Sa­che. Von der Stadt Saal­feld heißt es: „Das Ord­nungs­amt der Stadt Saal­feld hat Kennt­nis da­von, dass es im Um­feld der Saal­stra­ße 52 im ers­ten Halb­jahr zu nächt­li­chen Ru­he­stö­run­gen ge­kom­men ist. In die­sem Zu­sam­men­hang gab es auch meh­re­re Po­li­zei­ein­sät­ze.“In die­sem Zu­sam­men­hang sei­en die An­woh­ner ge­be­ten wor­den, ein Lärm­pro­to­koll zu füh­ren, um die Zei­ten, in de­nen es zu Ru­he­stö­run­gen ge­kom­men ist, zu do­ku­men­tie­ren. Und wei­ter: „Al­ler­dings muss in die­sem Zu­sam­men­hang mit­ge­teilt wer­den, dass seit Ju­ni kei­ne wei­te­ren An­zei­gen und Lärm­pro­to­kol­le im Zu­sam­men­hang mit Ru­he­stö­run­gen im Be­reich der Saal­stra­ße 52 bei der Stadt­ver­wal­tung ein­ge­gan­gen sind.“

Was nun aber sagt der Wirt des „La Guan­tan­ame­ra“zu den Vor­wür­fen? Meh­re­re An­läu­fe für ei­nen Di­enst-Cu­bra-Lib­re – mit wei­ßem Rum, wie die Schau­fens­ter-Wer­bung ver­spricht – schei­tern. Die Bar hat sel­ten auf; an­ge­ge­be­ne Öff­nungs­zei­ten sind Ma­ku­la­tur. Ei­ne te­le­fo­ni­sche Ver­ab­re­dung in der Bar schei­tert. Der Wirt er­scheint ein­fach nicht. An sei­ner Wohn­adres­se her­aus­ge­klin­gelt, tritt er mit Frau und Toch­ter vor die Tür und spricht von Miss­ver­ständ­nis­sen. Es ent­steht ei­ne recht ein­sei­ti­ge De­bat­te, der Wirt weist die Vor­wür­fe wort­schwall­ar­tig zu­rück, wo­bei die Im­pul­si­vi­tät und Lei­den­schaft­lich­keit auch Zü­ge la­ten­ter Ag­gres­si­vi­tät trägt. Er tritt sehr nah an den Ge­sprächs­part­ner her­an, ges­ti­ku­liert fuch­tig mit den Hän­den und er­höht die Laut­stär­ke. Er sei ge­lern­ter Koch, sagt er; die Vor­wür­fe wei­se er zu­rück. Er und sei­ne Bar sei­en selbst ein­mal Op­fer ei­ner Atta­cke ge­wor­den und zwar von der „An­ti­fa“, was nach­denk­lich stimmt bei ei­ner ku­ba­ni­schen Bar mit ei­nem Che-Gue­va­ra-Por­trät im Schau­fens­ter.

Der Bar­be­trei­ber ist ein Mann von viel­leicht 55 Jah­ren, er er­klärt mit lau­ter Stim­me, wenn ihn je­mand ver­ar­schen will, wer­de er „zum Si­zi­lia­ner“. Das muss si­cher nicht be­deu­ten, dass sei­ne Wi­der­sa­cher für ge­wöhn­lich ein Saa­le-Bad mit Be­ton­schu­hen an den Fü­ßen neh­men müs­sen oder ein An­ge­bot be­kom­men, dass sie nicht ab­leh­nen kön­nen. Viel­leicht guckt er nur zu vie­le Fil­me. Sei­ne Toch­ter, 30 Jah­re alt nach ei­ge­ner Aus­kunft, ver­sucht ih­ren Va­ter an Im­pul­si­vi­tät zu über­tref­fen. Im­mer­hin drückt sie auf ih­re Art ihr tie­fes Ver­trau­en zum Rechts­staat aus: Soll­te ein Ar­ti­kel ent­ste­hen, der ge­schäfts­schä­di­gend sei für die Bar, wer­de der Au­tor ver­klagt.

Wir ver­ta­gen uns auf den nächs­ten Tag, 12.30 Uhr im „La Guan­tan­ame­ra“. Doch die Bar ist wie­der ge­schlos­sen, es ist nie­mand da. So wird es auch die­ses Mal nichts mit ei­nem ori­gi­na­len Cu­bra Lib­re mit wei­ßem Rum in Saal­feld. Sehr scha­de.

gra­tu­lie­ren wir An­ne­ro­se Böh­me aus zum 70., Ve­ra Flu­cke aus zum 90., Il­se Fran­ke aus

zum 90., Pe­tra Schö­ler aus zum 70., Karl Ru­dolph aus

zum 85. und Ur­su­la Ja­kob aus zum 82. Ge­burts­tag und wün­schen al­les Gu­te.

Das Schau­fens­ter der Bar „La Guan­tan­ame­ra“. Fo­to: Gui­do Berg

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