Pro­zess we­gen Can­na­bi­s­an­bau

Vier An­ge­klag­te sol­len im Land­kreis Greiz auf  Ki­lo­gramm Ma­ri­hua­na als Ern­te ge­hofft ha­ben

Ostthüringer Zeitung (Schleiz) - - Erste Seite - Von Ti­no Zip­pel

Ge­ra. Mit ei­ner pro­fes­sio­nel­len Auf­zucht­an­la­ge sol­len vier Män­ner im Land­kreis Greiz ei­ne um­fang­rei­che Pro­duk­ti­on von Can­na­bis be­trie­ben ha­ben. Das geht aus der An­kla­ge­schrift her­vor, die zum Auf­takt des Pro­zes­ses ge­gen die Be­schul­dig­ten am Frei­tag vor dem Land­ge­richt Ge­ra ver­le­sen wur­de. Ei­nem 43 Jah­re al­ten Kroa­ten wirft die Staats­an­walt­schaft vor, den An­bau und spä­te­ren Ver­trieb der Dro­ge ge­plant und or­ga­ni­siert und da­für die drei 43, 49 und 60 Jah­re al­ten Hel­fer aus Süd­ost­eu­ro­pa en­ga­giert zu ha­ben.

Ge­mein­sam sol­len die aus Ser­bi­en, Kroa­ti­en und Mon­te­ne­gro stam­men­den Be­schul­dig­ten­fas­t6500Pflan­zen­in­Har­t­hPöll­nitz ge­züch­tet und für den Ver­kauf des Rausch­mit­tels vor­be­rei­tet ha­ben.Das Land­ge­richt hat für das Ver­fah­ren wei­te­re 15 Ver­hand­lungs­ta­ge an­ge­setzt.

Ge­ra. Ein gro­ßes Auf­ge­bot an Wacht­meis­tern si­chert den al­ten Schwur­ge­richts­saal des Land­ge­rich­tes Ge­ra: Hier hat am Frei­tag der Pro­zess ge­gen ei­ne mut­maß­li­che Dro­gen-Ban­de be­gon­nen. Ge­mein­sam sol­len die Män­ner ei­ne Hanf­plan­ta­ge im Land­kreis Greiz auf­ge­baut und be­trie­ben­ha­ben–ei­neder­größ­ten, die in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren in Ost­thü­rin­gen ent­deckt wur­de.

Die Staats­an­walt­schaft sieht ei­nen 43-jäh­ri­gen Mann aus Wup­per­tal als Draht­zie­her. Der Kroa­te und zwei­fa­che Fa­mi­li­en­va­ter ist als ein­zi­ger der Män­ner vor­be­straft. Er soll die Plan­ta­ge auf dem ihm zu­gäng­li­chen Grund­stück in Birk­hau­sen, ei­nem klei­nen Ort in der Ge­mein­de Harth-Pöll­nitz, ge­plant ha­ben. In dem Ob­jekt wa­ren nicht nur Räu­me für den An­bau in­klu­si­ve Spe­zi­al­be­leuch­tung und Be­lüf­tung her­ge­rich­tet, son­dern auch Wohn­räu­me in­klu­si­ve Sau­na.

Dem An­kla­ge­satz zu­fol­ge, ha­be der Mann Kom­pli­zen aus Süd­ost­eu­ro­pa zur Be­treu­ung der Plan­ta­ge nach Deutsch­land ge­holt. Der An­bau er­folg­te ab En­de Fe­bru­ar 2017. Er selbst sei in re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den nach Ost­thü­rin­gen ge­fah­ren, um die Ar­bei­ter an­zu­lei­ten und die Ab­läu­fe zu kon­trol­lie­ren. Ein 49-Jäh­ri­ger und ein 31-Jäh­ri­ger sol­len die Plan­ta­ge für ei­nen län­ge­re Zei­t­raum be­treut ha­ben und auch am Ge­winn be­tei­ligt ge­we­sen sein. Ein 60-Jäh­ri­ger hin­ge­gen soll erst seit vier Ta­gen im Ein­satz ge­we­sen sein, als am 4. Mai 2018 die Hand­schel­len klick­ten. Er trug 10.000 Eu­ro bei sich.

Was die An­ge­klag­ten nicht wuss­ten: Sie stan­den schon seit ei­ni­ger Zeit im Fo­kus des Zoll­fahn­dungs­am­tes Dres­den. Die Er­mitt­ler hat­ten das Ob­jekt in ei­nem an­de­ren Ver­fah­ren in Au­gen­schein ge­nom­men und da­bei zu­fäl­lig die vie­len Can­na­bis­pflan­zen ent­deckt. Sie ob­ser­vier­ten das Ge­bäu­de und über­wach­ten die Te­le­fo­ne, be­vor am 4. Mai der Zu­griff er­folg­te.

Die Fahn­der ent­deck­ten Pflan­zen in ver­schie­de­nen Wachs­tums­sta­di­en, die et­wa im Ab­stand von zwei Wo­chen die Ern­ter­ei­fe er­rei­chen soll­ten. In Sum­me sol­len seit dem An­bau­start fast 5600 Pflan­zen auf der Plan­ta­ge ge­wach­sen sein. Wei­te­re 877 Setz­lin­ge stan­den be­reit. Zu ei­nem Teil der Ern­te la­gen Sta­tis­ti­ken vor, wie viel Dro­gen die Pflan­zen er­ge­ben hat­ten. Dar­aus er­gibt sich die Hoch­rech­nung der Staats­an­walt­schaft, dass die Pflan­zen das Po­ten­zi­al für über 100 Ki­lo­gramm Ma­ri­hua­na hat­ten – auf dem Schwarz­markt liegt der Wert bei et­wa ei­ner Mil­li­on Eu­ro. Die Staats­an­walt­schaft geht da­von aus, dass die An­ge­klag­ten mit den be­reits ver­kauf­ten Dro­gen min­des­tens 215.000 Eu­ro er­wirt­schaf­tet ha­ben und for­dern die­se Sum­me als Wert­er­satz.

Zum Auf­takt der Ver­hand­lung, für die es drei Dol­met­scher braucht, wol­len sich die An­ge­klag­ten noch nicht zu den Tat­vor­wür­fen äu­ßern. Zu­nächst möch­ten die Ver­tei­di­ger prü­fen, ob es im Ge­spräch mit der Staats­an­walt­schaft zu ei­ner Ver­stän­di­gung kommt.

Der Straf­rah­men für die an­ge­klag­ten De­lik­te ist be­trächt­lich: Die Min­dest­stra­fe be­trägt fünf Jah­re Frei­heits­ent­zug, bis zu 15 Jah­re Haft sind mög­lich. Rechts­an­walt Thomas Ul­rich be­an­tragt, auf­grund der schlech­ten Akus­tik im Saal die Ver­hand­lung auf­zu­zeich­nen oder zu­min­dest wört­lich zu pro­to­kol­lie­ren, was nor­ma­ler­wei­se bei Straf­pro­zes­sen am Land­ge­richt un­üb­lich ist. Staats­an­wäl­tin Ja­na Bö­se sieht kei­ne Ver­an­las­sung für ei­ne sol­che Maß­nah­me. Nun muss die elf­te Straf­kam­mer un­ter Vor­sitz von Andrea Höfs ent­schei­den.

Die Kam­mer hat für den Pro­zess be­reits 13 wei­te­re Ver­hand­lungs­ta­ge an­ge­setzt. Mög­li­cher­wei­se sind die vier Män­ner, die in Thü­rin­ger Ge­fäng­nis­sen in Un­ter­su­chungs­haft sit­zen, der Teil ei­nes in­ter­na­tio­nal agie­ren­den Dro­gen­rin­ges. Das Zoll­fahn­dungs­amt hat Ak­ten über­mit­telt, wo­nach die tsche­chi­schen Be­hör­den ei­ne ähn­lich auf­ge­bau­te Plan­ta­ge in Prag aus­ge­ho­ben ha­ben.

FO­TOS (): TI­NO ZIP­PEL

Mit Hand­schel­len ins Ge­richt: Die An­ge­klag­ten sit­zen seit Mai  in Un­ter­su­chungs­haft.

Der mut­maß­li­che Draht­zie­her der Ban­de be­rät sich mit sei­nem Ver­tei­di­ger Pe­ter Kin­der­mann.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.