Deut­sche ster­ben bei La­wi­nen­ab­gang

Min­des­tens drei deut­sche Ur­lau­ber ster­ben durch ei­ne La­wi­ne. Sie wa­ren auf ei­ner ge­sperr­ten Pis­te un­ter­wegs

Ostthüringer Zeitung (Schleiz) - - Front Page - Von Mat­thi­as Rö­der

Drei Ski­fah­rer aus Süd­deutsch­land sind im ös­ter­rei­chi­schen Lech un­ter ei­ner La­wi­ne ums Le­ben ge­kom­men. Ein vier­ter Mann der Grup­pe wird noch ver­misst. Die vier Freun­de wa­ren am Sams­tag auf ei­ner ge­sperr­ten Ski­rou­te un­ter­wegs. Am Abend wur­den sie als ver­misst ge­mel­det. Laut Po­li­zei fan­den die Ret­ter die Lei­chen von drei Män­nern aus dem Raum Bi­be­rach in Ober­schwa­ben im Al­ter von 32, 36 und 57 Jah­ren kurz vor Mit­ter­nacht. Die Su­che nach ei­nem 28-Jäh­ri­gen muss­te we­gen gro­ßer La­wi­nen­ge­fahr vo­r­erst ab­ge­bro­chen wer­den.

Das Schild ist ei­gent­lich ein­deu­tig. „Stop. La­wi­nen­ge­fahr“steht dar­auf. Und doch wa­gen sich die vier Freun­de aus Schwa­ben mit ih­ren Ski­ern auf die ge­sperr­te Pis­te. Viel­leicht ist es die Her­aus­for­de­rung, die sie lockt: Die Rou­te „Lan­ger Zug“am Rüfi­kopf im ös­ter­rei­chi­schen Lech gilt als ei­ne der zehn steils­ten der Welt. Am Start geht es auf rund 850 Me­tern Stre­cke 400 Hö­hen­me­ter berg­ab. Schon un­ter bes­ten Be­din­gun­gen ist das nur Kön­nern zu emp­feh­len. Trü­ge­risch ist das Wet­ter am Sams­tag­nach­mit­tag: Die ta­ge­lan­gen Schnee­fäl­le ha­ben auf­ge­hört.

Doch dann rollt ei­ne La­wi­ne die Pis­te hin­un­ter und be­gräbt die Män­ner im Al­ter von 28, 32, 36 und 57 Jah­ren un­ter sich. Ver­mut­lich aus­ge­löst durch die Ski­fah­rer selbst. Drei kön­nen nur noch tot ge­bor­gen wer­den. Die Su­che nach ei­nem 28 Jah­re al­ten Ver­miss­ten wur­de bis auf Wei­te­res ein­ge­stellt. Auf­grund des hef­ti­gen Schnee­falls wä­re es für die Ret­tungs­kräf­te viel zu ge­fähr­lich, sag­te Lechs Bür­ger­meis­ter Ludwig Mu­xel am Sonn­tag­mit­tag.

Ski-Air­bags lös­ten zwar aus, hal­fen aber nicht

Dass die Män­ner ver­mut­lich genau wuss­ten, wel­ches Ri­si­ko sie ein­gin­gen und er­fah­re­ne Ski­fah­rer wa­ren, zeigt ihr Ma­te­ri­al. Al­le vier hat­ten laut Be­hör­den ei­ne kom­plet­te Not­fall­aus­rüs­tung da­bei. Da­zu ge­hört ein Peil­sen­der für Ver­schüt­te­te, ei­ne Son­de zur et­wai­gen Su­che im tie­fen Schnee, ei­ne Schau­fel und vor al­lem ein Ruck­sack mit La­wi­ne­n­air­bag. Der Air­bag soll da­für sor­gen, dass bei ei­nem La­wi­nen­ab­gang Ski­fah­rer nicht all­zu­tief ver­schüt­tet wer­den, son­dern an der Ober­flä­che prak­tisch mit den Schnee­mas­sen mit­schwim­men kön­nen. In die­sem Fall war der Air­bag je­weils auf­ge­gan­gen – aber oh­ne ret­ten­de Wir­kung. Die Män­ner wur­den so tief un­ter den Schnee­mas­sen be­gra­ben, dass sie er­stick­ten.

Dass War­nun­gen igno­riert wer­den und Ski­fah­rer trotz Sper­run­gen auf die Pis­ten ge­hen, ist nicht sel­ten. Nach Ein­schät­zung des Bür­ger­meis­ters von Lech, Ludwig Mu­xel, trägt das Ver­trau­en in die Aus­rüs­tung da­zu bei. Aber auch die bes­te Aus­rüs­tung ist bei die­sen Na­tur­ge­wal­ten nicht im­mer in der La­ge, Men­schen­le­ben zu ret­ten. Un­ter­schätzt wird vor al­lem La­wi­nen­warn­stu­fe 3 (er­heb­li­che Ge­fahr) auf der fünf­stu­fi­gen Ska­la. Stu­fe 3 herrsch­te am Sams­tag am Arl­berg in Lech.

Die deut­schen Ur­lau­ber wa­ren nicht die ein­zi­gen To­des­op­fer an die­sem Wo­che­n­en­de in den Al­pen. So star­ben am Sonn­tag bei ei­ner La­wi­nen­spren­gung in Frank­reich zwei Pis­ten­ar­bei­ter. Die Män­ner han­tier­ten mit Spreng­stoff, als es aus un­ge­klär­ter Ur­sa­che zur Ex­plo­si­on kam.

Noch im­mer sorgt der vie­le Schnee im Al­pen­raum für Pro­ble­me. Sol­da­ten so­wie meh­re­re Tau­send Hel­fer von Feu­er­weh­ren und wei­te­ren Or­ga­ni­sa­tio­nen schau­feln seit Ta­gen Dä­cher frei, räu­men Stra­ßen und si­chern Bäu­me. Der Bahn­ver­kehr in Bay­ern ist er­heb­lich ein­ge­schränkt. Für Au­to­fah­rer ist der Fern­pass, ei­ne der wich­ti­gen Tran­sit­stre­cken zwi­schen Deutsch­land und Ös­ter­reich, bis min­des­tens Di­ens­tag­abend ge­sperrt. Als Er­satz­rou­te sei nur ein Aus­wei­chen über die Inn­tal­au­to­bahn (A12) mög­lich. Dar­über hin­aus wur­de Men­schen, die in Ge­bäu­den in der Nä­he von Wald­rän­dern woh­nen, ein Über­nach­ten im Erd­ge­schoss ih­rer Häu­ser emp­foh­len.

1300 Men­schen in Ort im All­gäu ein­ge­schlos­sen

Nach ei­nem La­wi­nen­ab­gang auf ei­ne Kreis­stra­ße sit­zen rund 1300 Ein­woh­ner und Tou­ris­ten in dem Win­ter­sport­ort Bal­der­schwang im All­gäu fest. Die Ver­sor­gung für die Ge­mein­de ist vo­r­erst ge­si­chert. „Ei­ne Eva­ku­ie­rung ist der­zeit nicht ge­plant“, hieß es. Das Ski­ge­biet Gras­geh­ren wur­de je­doch ge­räumt, 40 Men­schen wur­den in Si­cher­heit ge­bracht. Die Kreis­stra­ße aus Ös­ter­reich nach Bal­der­schwang wer­de laut Po­li­zei­an­ga­ben erst an die­sem Mon­tag wie­der frei­ge­ge­ben – wenn das Wet­ter es zu­lässt. (dpa)

FO­TO: REU­TERS

Ein Schild warnt vor ei­ner ge­sperr­ten Pis­te.

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