Die Pla­ge mit den Te­e­nie-Ge­burts­ta­gen

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Kultur & Freizeit - Frank Qui­litzsch fragt sich, was jun­gen Leu­ten heu­te Freu­de macht

Ich ge­be zu, dass ich manch­mal Hil­fe brau­che. Ei­gent­lich schon im­mer, doch mit zu­neh­men­dem Al­ter noch ein biss­chen öf­ter. Oder keh­ren sich, wenn man die 60 über­schrit­ten hat, man­che Din­ge auch ein­fach bloß um?

Als ich jung war, wuss­te ich zum Bei­spiel nie, was ich mei­nen Eltern schen­ken soll­te. Topf­lap­pen, Tra­bi-Wasch­schwamm, Schlüs­sel­an­hän­ger, FKKS­kat­blatt, Wein­fla­schen­hal­ter, Bü­cher­stop­per, Ro­sentha­ler Ka­dar­ka...? All das hat­ten sie schon zur Ge­nü­ge. Heu­te weiß ich nicht, was ich jun­gen Leu­ten schen­ken soll. Die ha­ben – von Lap­top, Smart­pho­ne und di­ver­sen Flat­rates ein­mal ab­ge­se­hen – zwar fast nichts, aber wor­über wür­den die sich wirk­lich freu­en?

Lei­der gibt es in un­se­rer Zei­tung kei­nen Rat­ge­ber für zeit­ge­mä­ße Te­enagerGe­schen­ke. Al­so ver­su­che ich es auf ei­ge­ne Faust: He, Al­ter, wor­auf hast du Bock? („Al­ter“ist ge­schlechts­los, be­zieht sich auf Mäd­chen und Jun­gen glei­cher­ma­ßen.) Al­so, Al­ter, sag, was soll ich dir schen­ken?

Ein gu­tes Buch?

Nein, sie le­sen nicht.

Ein Zei­tungs-Abo?

Nein, sie ha­ben doch bald gar kei­nen fes­ten Wohn­sitz mehr.

Ei­nen schö­nen Stift?

Ach, sie pfle­gen die Schreib­schrift nicht.

Ein Ta­ge­buch?

Sie pos­ten das, was sie schrei­ben, doch eh gleich ins Netz.

Ei­nen Fo­to­ap­pa­rat?

Sie fo­to­gra­fie­ren lie­ber mit ih­rem Smart­pho­ne.

Ein Vi­deo?

Sie schau­en täg­lich Hun­der­te bei YouTu­be.

Ei­ne CD?

Wo sol­len sie die rein­ste­cken? Sie ha­ben kei­nen Play­er, brau­chen sie auch nicht. La­den sich eh al­les run­ter. Viel­leicht ei­ne Thai-Mas­sa­ge?

Oh ja, sie las­sen sich gern ver­wöh­nen! Ei­ne se­pa­ra­te Fest­plat­te?

Pri­ma, sie brau­chen viel Spei­cher für ih­re Fo­tos.

Coo­le Kopf­hö­rer?

Ja, denn die ver­schwin­den al­le paar Wo­chen.

Ei­nen Ruck­sack?

Ja, denn sie rei­sen stän­dig in der Welt her­um.

Na­ja, ist doch nicht so hoff­nungs­los, wie ich an­fangs dach­te. Wahr­schein­lich zer­mar­tern sie sich ge­nau so den Kopf, wenn ih­re Eltern Ge­burts­tag ha­ben: Was hät­test du’n gern, Al­ter?

Tja. Wenn ich das wüss­te. Wor­über ha­ben wir uns als Te­enager ei­gent­lich am meis­ten ge­freut? Klar, über West­jeans, ei­nen Karl-May-Ro­man oder ei­ne Sto­nes-Plat­te. Und wenn’s das al­les nicht gab? Na, dann über das, was wir nie ge­nug hat­ten, aber stän­dig brauch­ten.

Oh, ich glau­be, ich muss noch mal rasch zur Bank...

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