Bjørn­da­len lobt Ober­hof

Die Bi­ath­lon-Le­gen­de hat die Rol­len ge­tauscht und ar­bei­tet jetzt für das nor­we­gi­sche Fernsehen. Er meint: Der Welt­cup ge­hört nach Thü­rin­gen

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Erste Seite - Von Su­sann Eber­lein

Ober­hof. Ein­ma­lig. Die­ses Ur­teil fäll­ten vie­le Ath­le­ten über die Zu­schau­er in Ober­hof, die aus al­len Bun­des­län­dern nach Thü­rin­gen kom­men, wo­bei die Ein­hei­mi­schen na­tür­lich in der Über­zahl sind. Nicht sel­ten neh­men sie schon St­un­den vor den Wett­kämp­fen ih­re Plät­ze ein, har­ren ei­sern aus, tan­zen und schun­keln sich bei Stim­mungs­hits warm – und feu­ern ih­re Lieb­lin­ge auf Ski­ern un­ent­wegt an. Egal wie das Wet­ter ist. Sie wol­len nichts ver­pas­sen und stel­len sich auch Fra­gen.

Ist er es, oder ist er es nicht? Die Müt­ze tief ins Ge­sicht ge­zo­gen, oh­ne Ski und Ge­wehr un­ter­wegs, ist Ole-Ei­nar Bjørn­da­len nicht für je­den leicht zu er­ken­nen. Den ein­ge­fleisch­ten Fans in Ober­hof, die meis­ten ste­hen am Grenz­ad­ler, kommt er aber nicht so leicht da­von. Sie be­ju­beln ihn wie zu ak­ti­ven Zei­ten, wenn er in der Mi­xed-Zo­ne In­ter­views mit den Ak­ti­ven führt. „Sie sind sehr nett zu mir. Das kann man nur ge­nie­ßen“, sagt der Nor­we­ger und er­füllt Au­to­gramm­wün­sche.

Bjørn­da­len hat in sei­ner Kar­rie­re al­les ge­won­nen: Er ist 20fa­cher Welt­meis­ter, hat bei Olym­pi­schen Spie­len acht Gold­me­dail­len ge­sam­melt und konn­te den Ge­samt­welt­cup sechs­mal für sich ent­schei­den. We­gen sei­ner zahl­rei­chen Er­fol­ge trägt er den Spitz­na­men „Kan­ni­ba­le“, da­bei ist er ge­ra­de nach sei­nem Rück­tritt zu­ge­wandt und al­les an­de­re als bis­sig. Nach ei­nem Vier­tel­jahr­hun­dert im Welt­cup be­en­de­te er im April 2018 sei­ne sport­li­che Kar­rie­re. Sein gro­ßer Traum, die Teil­nah­me bei den Olym­pi­schen Spie­len in Pyeong­chang, ging kurz zu­vor nicht in Er­fül­lung.

Sein letz­tes of­fi­zi­el­les Ren­nen lief er, zu­sam­men mit sei­ner Ehe­frau Dar­ja Dom­rat­sche­va, kurz vor dem Jah­res­wech­sel beim Bi­ath­lon auf Schal­ke. „Ich war zu Weih­nach­ten krank, und des­we­gen war es für mich sehr an­stren­gend“. In Ober­hof ist die ehe­ma­li­ge Spit­zen­ath­le­tin nicht da­bei. „Sie sind zu Hau­se in Minsk“, sagt der 44-Jäh­ri­ge über sei­ne Frau und die ge­mein­sa­me zwei­jäh­ri­ge Toch­ter.

Viel Zeit hät­te die Bi­ath­lonLe­gen­de so­wie­so nicht für sie ge­habt. Er ist neu­er­dings der Ex­per­te für ei­nen nor­we­gi­schen Fern­seh­sen­der, so wie der Ober­ho­fer Sven Fi­scher für das ZDF. Er mag den Rol­len­tausch: „Ich bin vie­le Jah­re als Ath­let ge­lau­fen. Jetzt ist es in­ter­es­sant, den Sport von der an­de­ren Sei­te zu se­hen.“Die Feu­er­tau­fe er­leb­te er beim Sai­son­auf­takt in Po­klju­ka, auch in Ruh­pol­ding und Ant­holz wird er da­bei sein. „Die drei Welt­cups im Ja­nu­ar sind die größ­ten. Die Stim­mung in Ober­hof ist su­per“, sagt Ole-Ei­nar Bjørn­da­len.

Lang­wei­lig wird es ihm nach sei­nem Kar­rie­re­en­de nicht. Er trai­niert noch fast je­den Tag, auch in Ober­hof stand er auf dem Ski. In vier Jah­ren, wenn die Bi­ath­lon-WM am Grenz­ad­ler statt­fin­det, wür­de er ger­ne wie­der in die Stadt am Renn­steig kom­men. Der Welt­cup dort ist für ihn „Kul­tur und Tra­di­ti­on“.

Und für Tau­sen­de Fans ist er ein Er­eig­nis, das sie lie­ben.

FO­TOS (): SA­SCHA FROMM

Ein­lauf in die Are­na: Nicht nur bei der Her­ren-Ver­fol­gung über , Ki­lo­me­ter war die­ser Mo­ment beim Welt­cup in Ober­hof für die Sport­ler ei­ner mit Gän­se­haut-Ef­fekt. Mehr als . Zu­schau­er sorg­ten da­für.

So man­che Zu­schau­er putz­ten sich für Ober­hof be­son­ders her­aus – so wie die­se als Pin­gu­in ver­klei­de­te Per­son. Mehr Fo­tos un­ter www.thue­rin­ger-all­ge­mei­ne.de

Ein Fo­to mit Bi­ath­lon-Star Ole-Ei­nar Bjørn­da­len: Auch nach En­de sei­ner sport­li­chen Kar­rie­re ist der -Jäh­ri­ge ein Lieb­ling der Fans – ob hier am Grenz­ad­ler oder bei an­de­ren Wett­kämp­fen.

Auch Tho­mas Bach, Prä­si­dent des In­ter­na­tio­na­len Olym­pi­schen Ko­mi­tees, war in Ober­hof und schrieb Au­to­gram­me.

Die­se Bi­ath­lon-Freun­de wuss­ten, wem sie für ih­re tol­len Er­leb­nis­se beim Welt­cup zu dan­ken hat­ten: ih­rem Chef und ih­rer Chefin.

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