Hun­der­te Zie­gel vom Brehm-Haus ka­putt

Re­gen und an­de­re Um­welt­ein­flüs­se ha­ben Fas­sa­de stark zu­ge­setzt – Mit­ar­bei­ter ei­ner Spe­zi­al­fir­ma müs­sen St­ei­ne per Hand aus­wech­seln

Ostthüringer Zeitung (Stadtroda) - - Lokales - Von Frank Kal­la

Ren­t­hen­dorf. Von der Wei­te aus be­trach­tet sieht das eins­ti­ge Wohn­haus von Al­f­red Brehm in Ren­t­hen­dorf ganz pas­sa­bel aus. Das Dach ist neu ge­deckt, die Fas­sa­de leuch­tet in ei­nem an­sehn­li­chen Zie­gel­rot.

Tat­säch­lich ist es um die Fas­sa­de je­doch schlecht be­stellt. Tau­sen­de Zie­gel – oder bes­ser ge­sagt Back­stei­ne – sind in ei­nem er­bärm­li­chen Zu­stand. ns­be­son­de­re auf der West- und Nord­sei­te des Hau­ses ha­ben Re­gen und an­de­re Um­welt­ein­flüs­se den Zie­geln arg zu­ge­setzt. „Man­che Zie­gel sind bis auf die Hälf­te ih­rer ur­sprüng­li­chen Grö­ße ver­wit­tert“, schil­dert Mau­rer Rainer Micha­el von der be­auf­trag­ten Fir­ma Re­stau­rie­rung Sven Bo­de­wald aus Mühl­hau­sen die Ist-Si­tua­ti­on. Ge­mein­sam mit an­de­ren Mit­ar­bei­tern der Spe­zi­al­fir­ma wech­selt der er­fah­re­ne Mau­rer die ka­put­ten Zie­gel in der Fas­sa­de aus. Stel­len­wei­se müs­sen da­bei groß­flä­chig gan­ze Wand­be­rei­che aus­ge­stemmt und neu auf­ge­mau­ert wer­den. „Wir spre­chen von ei­ner Grö­ßen­ord­nung von 38 Qua­drat­me­tern“, er­klärt Ar­chi­tekt Die­ter Mül­ler vom Bad Ber­ka­er Bü­ro Mül­ler &Leh­mann. „In der Sum­me müs­sen 1400 Zie­gel aus­ge­tauscht wer­den – ei­ne be­acht­li­che Men­ge.“

Kopf­zer­bre­chen be­rei­te­te Jo­chen Süß, dem Lei­ter der Brehm-Ge­denk­stät­te, und dem Ar­chi­tek­ten, wo man die pas­sen­den Zie­gel für das Brehm-Haus or­dern kann. „Uns war wich­tig, dass die Zie­gel in ei­ner Zie­ge­lei her­ge­stellt wer­den, die noch über Koh­le­brand­ö­fen ver­fügt. Schließ­lich sind wir in Po­len fün­dig ge­wor­den“, sagt Mül­ler. So wür­den die in Koh­le­brand­ö­fen her­ge­stell­ten Zie­gel die glei­che Ober­flä­chen­struk­tur auf­wei­sen wie je­ne, mit de­nen das Brehm-Haus in den Jah­ren 1864/65 und spä­ter der so­ge­nann­te „Spa­ni­sche An­bau“1870 er­rich­tet wur­den.

Auf­wän­dig war aber nicht nur die Be­schaf­fung von Zie­geln, die den Ori­gi­nal-Zie­geln na­he kom­men. So be­merk­te man bei der Ver­mes­sung der Back­stei­ne, dass bei der Er­rich­tung des Brehm-Hau­ses Zie­gel mit un­ter­schied­li­chen Ma­ßen ver­mau­ert wor­den wa­ren. „Nach un­se­rem Wis­sens­stand wur­den die Zie­gel in oder bei Ren­t­hen­dorf her­ge­stellt, mit den Ma­ßen nahm man es wohl nicht so ge­nau“, er­klärt Mül­ler. Gän­gi­ge Zie­gel hät­ten ei­ne Län­ge von 24 Zen­ti­me­tern, ei­ne Brei­te von 12,5 Zen­ti­me­tern und ei­ne Stär­ke von 7,5 Zen­ti­me­tern. „Die in Ren­t­hen­dorf ver­wen­de­ten Zie­gel­stei­ne sind bis zu 28 Zen­ti­me­ter lang“, ver­deut­licht der Ar­chi­tekt.

Süß ist in­des froh, dass auch die Zie­gel ge­wech­selt wer­den, in die man in jüngs­ter Ver­gan­gen­heit gro­ße Lö­cher boh­ren ließ, da­mit ein im Keller des Hau­ses mon­tier­tes Ent­feuch­tungs­sys­tem an­geb­lich rich­tig funk­tio­nie­ren kann. „Die Schand­fle­cken sind bald weg.“Neu auf­ge­mau­ert wur­de auch der Trep­pen­auf­gang zum Haus. „Die al­ten Sand­stein­stu­fen sind vor­her neu ge­rich­tet wor­den.“Auch bei den Fens­ter­sim­sen, die eben­falls aus Sand­stein be­ste­hen, will man es beim Ori­gi­nal be­las­sen. „Die Sim­se wer­den re­stau­riert.“

130 000 Eu­ro wur­den für die Re­stau­rie­rung der Fas­sa­de des Brehm-Hau­ses ver­an­schlagt, das Geld kommt vom Frei­staat Thü­rin­gen und dem Bund. „Die Ar­bei­ten sind sehr auf­wen­dig“, ver­deut­licht Süß.

Ges­tern dis­ku­tier­te man in gro­ßer Run­de, wie nach Ab­schluss der Sa­nie­rung mit der Fas­sa­de wei­ter ver­fah­ren wird. So fa­vo­ri­siert man der­zeit, die Back­stein-Fas­sa­de wie­der mit ei­ner ro­ten La­sur zu ver­se­hen. Die­ses Ver­fah­ren wur­de nach den Be­fun­den wohl schon zu Zei­ten des be­rühm­ten Tier­for­schers Al­f­red Brehm an­ge­wandt. „Die Fas­sa­de mit den Back­stei­nen, die teil­wei­se ei­ne un­ter­schied­li­che Fär­bung ha­ben, be­kommt so ei­ne na­he­zu ein­heit­li­che Farb­ge­bung“, er­klärt Süß.

„Es läuft auf ei­nen si­li­ka­ti­schen An­strich mit Rot­pig­men­tie­rung hin­aus“, meint auch Ar­chi­tekt Mül­ler.

130 000 Eu­ro für die Re­stau­rie­rung der Fas­sa­de

Rainer Micha­el mau­ert ei­ne Ecke des Spa­ni­schen An­baus des Brehm-Hau­ses in Ren­t­hen­dorf wie­der hoch. Vie­le Zie­gel müs­sen auch ge­wech­selt wer­den, weil un­fach­män­ni­sche Lö­cher in die Wän­de ge­bohrt wur­den.

Ar­chi­tekt Die­ter Mül­ler be­gut­ach­tet ei­ne aus­ge­bes­ser­te Ecke. Fo­tos (): Frank Kal­la

Tau­sen­de Zie­gel der Fas­sa­de des Brehm-Hau­ses in Ren­t­hen­dorf müs­sen ge­wech­selt wer­den.

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