Ei­ne Par­tei schwe­re­los im Wel­tall

Ostthüringer Zeitung (Stadtroda) - - Erste Seite - Von Jörg Rie­bartsch

We­ni­ge Land­tags­wah­len in Deutsch­land ha­ben ei­nen so ho­hen bun­des­po­li­ti­schen Stel­len­wert wie je­ne in Bay­ern. Die dort der­zeit noch al­lein­re­gie­ren­de CSU ist die ein­zi­ge Par­tei, die auf ein Bun­des­land be­schränkt ist, den­noch aber in Ber­lin mit­re­gie­ren darf. Da­mit sind die­sen Sonn­tag auch bun­des­po­li­ti­sche The­men in den bay­ri­schen Wahl­lo­ka­len über­prüf­bar.

Die für die CSU de­sas­trö­sen Um­fra­gen sind noch sehr un­ge­nau. Man darf aber da­von aus­ge­hen, dass die Al­lein­herr­schaft ein En­de fin­det. Ei­ne ge­rech­te Stra­fe!

Sel­ten näm­lich hat sich ei­ne Par­tei so un­ge­schickt, tö­richt und fahr­läs­sig in ei­nem Wahl­kampf an­ge­stellt wie die CSU. In Hand­bü­chern, die den Ti­tel tra­gen könn­ten „So nicht!“, wird die CSU des Jah­res 2018 ei­nen Eh­ren­platz in der Ab­tei­lung für Un­rühm­lich­kei­ten be­kom­men. Ei­ne Pra­xis­stu­die für Wahl­for­scher und Po­li­to­lo­gen.

Lan­des- und bun­des­po­li­ti­sche The­men wur­den ver­mengt. Der Ver­such, die AfD rechts zu über­ho­len, ist der CSU eben­so we­nig be­kom­men, wie das Auf­hän­gen von Kru­zi­fi­xen oh­ne Sinn und Ver­stand. Das öf­fent­li­che Krau­len von Kat­zen in Tier­hei­men, vor­ge­führt von Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Sö­der (CSU) per­sön­lich, sorgt für Er­hei­te­rung beim Wäh­ler statt für ernst­haf­te Zu­stim­mung. Sö­ders Raum­fahrt­plä­ne, be­ti­telt mit „Ba­va­ria One“, be­rei­chern je­des Come­dy-Pro­gramm. Die Flug­hö­he Wel­tall zeigt über­deut­lich das Pro­blem der CSU: Wei­ter weg von der Gras­nar­be, auf der die Men­schen zu Hau­se sind, geht es nicht.

Dort, wo die CSU in der Bun­des­po­li­tik Un­heil an­rich­ten kann, tut sie es wa­cker. Die­sel-Grenz­wer­te gibt es zwar, aber das der­zeit von CSU-Mi­nis­ter Andre­as Scheu­er ge­führ­te Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um, schert sich nicht um die Ein­hal­tung der ei­ge­nen Ge­set­ze. Scheu­er steht da in ei­ner Rei­he mit sei­nen bei­den Amts­vor­gän­gern Alex­an­der Do­brindt und Pe­ter Ram­sau­er. Seit 2009, al­so seit fast zehn Jah­ren, darf die bay­ri­sche Par­tei die deut­sche Ver­kehrs­po­li­tik maß­geb­lich be­stim­men. Ne­ben an­de­rem mit dem Er­geb­nis, dass es gro­ße Pro­ble­me im zi­vi­len deut­schen Luf­t­raum gibt, weil viel zu we­nig Flug­lot­sen vor­han­den sind. War­um wur­de da durch die CSU nicht vor­aus­schau­end ge­plant und ge­gen­ge­steu­ert? Und was ist ei­gent­lich aus der dö­si­gen Pkw-Maut ge­wor­den, mit der wir uns auf bay­ri­schen Wunsch jah­re­lang be­schäf­ti­gen muss­ten?

Da sind Bay­erns Wäh­ler zu be­nei­den. Zu­min­dest in ih­rem Bun­des­land dür­fen sie die CSU ab­stra­fen. Die Res­te im Wel­tall müs­sen sich noch ge­dul­den.

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