„Mo­dern, ak­tu­ell, lus­tig“lau­tet der span­nen­de Ti­tel

Schü­ler­zei­tung der Re­gel­schu­le Herms­dorf

Ostthüringer Zeitung (Stadtroda) - - Freizeit - Von Emil Mer­ker

Was für ein be­we­gen­der Mo­ment muss das vor 100 Jah­ren für die Frauen in Deutsch­land ge­we­sen sein, als ih­nen zäh­ne­knir­schend das Recht zu­ge­bil­ligt wur­de, ih­re Stim­me bei Wah­len ab­zu­ge­ben. In­zwi­schen ist man in vie­len Be­rei­chen der Gleich­be­rech­ti­gung so weit ge­kom­men, dass man­che Män­ner gar nicht mehr rich­tig wis­sen, was sie ei­gent­lich sind. „Wie­so ist die Kü­che noch nicht ge­wischt, das Mit­tag vor­be­rei­tet und die Wä­sche auf­ge­hängt!“Ent­schul­di­gung mein Schatz, ich muss­te mir rasch ei­ne neue Kit­tel­schür­ze kau­fen, die al­te ist mir von der vie­len Haus­ar­beit in Fet­zen vom Leib ge­fal­len... „Quatsch nicht, klotz ran!“

Ge­wen­det hat sich vor 29 Jah­ren auch das Le­ben in der da­ma­li­gen DDR. Mann, was war das doch für ei­ne Zeit! Nach­dem die al­ten SED-Ka­der und die Horch-und-Guck-Trup­pe von Erich Miel­ke sa­hen, dass ih­re Fel­le da­von schwim­men, konn­te man in der Noch-DDR ma­chen, was man woll­te. Al­ler­dings: Hät­ten die Leu­te da­mals ge­wusst, dass sie in der so­zia­len Mark­wirt­schaft der Bun­des­re­pu­blik all­jähr­lich ab Sep­tem­ber mit Pfef­fer­ku­chen, Mar­zi­pan­stol­len und an­de­rem weih­nacht­li­chen Ge­bäck in den Su­per­märk­ten und beim Bä­cker ty­ran­ni­siert wer­den, wer weiß, ob es die fried­li­che Re­vo­lu­ti­on so im Os­ten ge­ge­ben hät­te. Die Bück­wa­re kurz vor Weih­nach­ten war da­mals viel le­cke­rer. „Drei Stol­len ge­gen ei­ne Bohr­ma­schi­ne? Wir sind im Ge­schäft!“Viel­leicht liegt es aber auch am Kli­ma­wan­del, dass Weih­nachts­ge­bäck ab dem Som­mer zu ha­ben ist. Pilz­samm­ler trau­en in die­sen Ta­gen je­den­falls ih­ren Au­gen nicht: An­fang No­vem­ber kann man St­ein­pil­ze, Ma­ro­nen und Rot­kap­pen in den Wäl­dern im Saa­le-Holz­land fin­den. Man stel­le sich vor, es wür­de heu­te noch die Ost­block­staa­ten ge­ben: Mit den ver­rot­te­ten Wer­ken, in de­nen ton­nen­wei­se Koh­le ver­feu­ert wur­de, hät­te man es be­stimmt ge­schafft, den CO2-Aus­stoß glo­bal so auf die Spit­ze zu trei­ben, dass ei­ne Art Süd­seeF­lair in der DDR und an­ders­wo Ein­zug ge­hal­ten hät­te. Ja­woll! Sü­ßes Weih­nachts-Ge­bäck hät­te man gleich ein­ge­spart. Wä­re ja so­wie­so in der Hit­ze schlecht ge­wor­den. Herms­dorf. „Mo­dern, ak­tu­ell, lus­tig“, kurz MAL 45 – die Zahl steht für ei­ne Un­ter­richts­stun­de – lau­tet der Ti­tel der Schü­ler­zei­tung, die es an der Herms­dor­fer Re­gel­schu­le „Am Herms­dor­fer Kreuz“seit 2005 gibt. Pro Quar­tal er­scheint ei­ne Aus­ga­be, die zwi­schen 30 bis 35 Sei­ten um­fasst.

Und das In­ter­es­se, ei­ne Schü­ler­zei­tung in die Hand zu be­kom­men, ist bei Schü­lern und Leh­rern groß. Bis zu 150 Ex­em­pla­re wer­den ver­kauft. Kein Wun­der, ist doch die Schü­ler­zei­tung schon mehr­fach prä­miert wor­den. So un­ter an­de­rem für das „Bes­te In­ter­view“im Jahr 2015/16, als „Bes­te Zei­tung“oder „Gu­te Thü­rin­ger Zei­tung“.

Das Team der Schü­ler­zei­tungs­re­dak­teu­re, zu dem der Au­tor die­ses Bei­tra­ges ge­hört, um­fasst der­zeit 18 Schü­ler der Klas­sen­stu­fen sie­ben bis zehn. 2016 wa­ren es nur 12 Re­dak­teu­re.

Chef­re­dak­teur ist Eli­as Meis­ter aus der ach­ten Klas­se.

In die­ser Wo­che hat der Au­tor im Rah­men des ob­li­ga­to­ri­schen Schul­prak­ti­kums, ei­ne Wo­che lang ein Prak­ti­kum in der OTZLo­kal­re­dak­ti­on Stadt­ro­da/ Herms­dorf ab­sol­viert. Ein­blick über das Ent­ste­hen ei­ner Aus­ga­be, den Auf­bau und den In­halt zu er­hal­ten, war das Ziel. Und na­tür­lich um Tipps zu er­hal­ten, die man auch in der Schü­ler­zei­tung an­wen­den kön­ne, meint Emil Mer­ker.

Die Schü­ler­zei­tung wird im Un­ter­richt in Form ei­nes Wahl­fa­ches an­ge­bo­ten. Leh­re­rin Ca­ro­la Ba­chem, sie ist auch Grün­de­rin der Zei­tung, über­nimmt die Be­treu­ung. Ge­glie­dert ist die Zei­tung in drei The­men. Sie greift Ak­tu­el­les aus der Re­gi­on und aus dem Welt­ge­sche­hen auf. Die kom­plet­te Zei­tung ent­steht in völ­li­ger Ei­gen­pro­duk­ti­on. So zum Bei­spiel wer­den al­le Blät­ter seit An­fang des Jah­res selbst ge­druckt und auch selbst ge­hef­tet. Die nächs­te Aus­ga­be dreht sich rund um das The­ma Weih­nach­ten, in der es un­ter an­de­rem weih­nacht­li­che Re­zep­te ge­ben wird und viel Spaß zum In­halt hat.

Emil Mer­ker wäh­rend des Prak­ti­kums bei der Ost­thü­rin­ger Zei­tung. Fo­to: Andre­as Schott

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.