ZWA Holz­land will mehr Ge­büh­ren

Ab dem kom­men­den Jahr soll die Ab­was­ser-Grund­ge­bühr von jährlich  Eu­ro für je­de Woh­nungs­ein­heit gel­ten

Ostthüringer Zeitung (Stadtroda) - - Erste Seite - Von Frank Kal­la

Herms­dorf. Der ZWA Thü­rin­ger Holz­land will ab dem kom­men­den Jahr mehr Grund­ge­büh­ren im Be­reich Ab­was­ser ein­neh­men. Un­ter an­de­rem soll es ei­ne Um­stel­lung bei der Grund­ge­bühr vom Was­ser­zäh­ler auf die tat­säch­li­chen Woh­nungs­ein­hei­ten ge­ben.

Mit der neu­en Ge­büh­ren­kal­ku­la­ti­on soll den hö­he­ren Aus­ga­ben im Ab­was­ser­be­reich stär­ker Rech­nung ge­tra­gen wer­den. So kam es zu Stei­ge­run­gen bei den Bau­prei­sen.

Herms­dorf. Nach rund 15-jäh­ri­ger Preis­sta­bi­li­tät rich­tet der Zweck­ver­band zur Was­ser­ver­und Ab­was­ser­ent­sor­gung der Ge­mein­den im Thü­rin­ger Holz­land (ZWA) mit Sitz in Herms­dorf seine Ge­büh­ren­kal­ku­la­ti­on im Be­reich Ab­was­ser völ­lig neu aus und bit­tet da­bei ins­be­son­de­re die Mie­ter in Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern deut­lich stär­ker zur Kas­se als dies bis­her der Fall ist.

Haupt­grund für die Neu­aus­rich­tung sei­en die in al­len Be­rei­chen der Ab­was­ser­ent­sor­gung ge­stie­ge­nen Auf­wen­dun­gen, er­klär­ten ZWA-Werk­lei­ter Stef­fen Ro­the und ZWA-Ver­bands­chef Hans-Pe­ter Persch­ke auf Nach­fra­ge. So ha­be der Ver­band mit hö­he­ren Per­so­nal­aus­ga­ben, ver­mehr­ten Auf­wen­dun­gen beim Ma­te­ri­al, hö­he­ren Ener­gie­prei­sen und nicht zu­letzt mit mög­li­chen ge­setz­li­che n Än­de­run­gen bei der Be­hand­lung und der Ent­sor­gung von Klär­schlamm zu kämp­fen, was sich letzt­lich auch hier in den Auf­wen­dun­gen nie­der­schla­gen wer­de.

„Beim Klär­schlamm läuft es dar­auf hin­aus, dass ab Mit­te 2020 ei­ne bo­den­be­zo­ge­ne Ver­wer­tung des Klär­schlam­mes nicht mehr in dem Um­fang mög­lich sein wird wie bis­her“, so Ro­the. Soll­te der Fo­kus auf die ther­mi­sche Ver­wer­tung ge­legt wer­den, wä­re dies ein Kos­ten­trei­ber. So be­zah­le man der­zeit für die bo­den­be­zo­ge­ne Ver­wer­tung 60 Eu­ro, bei ei­ner ther­mi­schen Ver­wer­tung müs­se man als Ver­band 100 Eu­ro und mehr be­zah­len. Ins­ge­samt re­de man im Ver­bands­ge­biet von 3500 Ton­nen Klär­schlamm, der jährlich an­fal­le.

Um die Auf­wen­dun­gen in Zu­kunft kos­ten­de­ckend mit den Ein­nah­men im Ab­was­ser­be­reich in Ein­klang zu brin­gen, so ZWA-Ver­bands­chef Persch­ke, sei man nicht um­hin ge­kom­men, An­pas­sun­gen bei der vier­jäh­ri­gen Ge­büh­ren­kal­ku­la­ti­ons­pe­ri­ode von 2019 bis 2022 vor­zu­neh­men.

Weil erst im Ju­ni 2019 die ech­ten Zah­len für die zu­rück­lie­gen­de Kal­ku­la­ti­ons­pe­ri­ode vor­lä­gen, ha­be die Ver­bands­ver­samm­lung jetzt erst ein­mal ei­ne Vor­an­kün­di­gung zur Ge­büh­ren­än­de­rung be­schlos­sen, da­mit man die Än­de­run­gen 2019 nach­träg­lich ein­füh­ren kön­ne. Des­halb, so Ro­the, wer­de sich bis Fe­bru­ar 2020 nichts an den der­zei­ti­gen Grund­ge­büh­ren im Ab­was­ser­be­reich än­dern. „Die Ab­schlä­ge blei­ben wie sie sind.“

Mehr zah­len müs­sen die ZWA-Kun­den trotz­dem - und zwar rück­wir­kend für das ge­sam­te Jahr 2019.

Die größ­te Än­de­rung be­trifft die Er­he­bung der Ab­was­serGrund­ge­bühr für so­ge­nann­te Voll­ein­lei­ter, al­so Grund­stü­cke die an ein Ka­nal­sys­tem an­ge­schlos­sen sind und wo die Ab­wäs­ser ei­ner Be­hand­lung in ei­ner Klär­an­la­ge zu­ge­führt wer­den. Bis­lang galt Fol­gen­des: In Rech­nung ge­stellt wurde die Grund­ge­bühr nach der Grö­ße der vor Ort be­find­li­chen Was­ser­zäh­ler. Zwar sind bei Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern grö­ße­re Zäh­ler ein­ge­baut, für die ei­ne hö­he­re Grund­ge­bühr er­ho­ben wurde. Den­noch war dies für die Mie­ter ei­ne preis­wer­te Lö­sung. So wurde die Grund­ge­bühr vom Ver­mie­ter auf al­le Miet­par­tei­en um­ge­legt, je mehr Mie­ter in dem Haus wohn­ten, um­so ge­rin­ger fiel der An­teil der Grund­ge­bühr aus, die von den Miet­par­tei­en zu tra­gen wa­ren.

Das wird ab 2019 Ge­schich­te sein. Dem­nach wird die Ab­was­ser-Grund­ge­bühr in Hö­he von jährlich 46 Eu­ro für je­de Wohn­ein­heit fäl­lig. Im Kl­ar­text be­deu­tet dies, dass die Mie­ter stär­ker bei den Grund­ge­büh­ren zur Kas­se ge­be­ten wer­den.

Beim ZWA Holz­land spricht man von ei­ner grö­ße­ren Ge­büh­ren­ge­rech­tig­keit im Ver­bands­ge­biet, Tau­ten­dorfs Bür­ger­meis­ter Vol­ker Bau­er, der Mit­glied der Ver­bands­ver­samm­lung ist, fin­det hin­ge­gen, dass die Re­ge­lung teil­wei­se un­ge­recht ist. Sein Vor­wurf: Auch Teil­ein­lei­ter im länd­li­chen Raum müs­sen künf­tig für je­de Wohn­ein­heit die 46 Eu­ro be­zah­len. „Be­sit­zer von voll­bio­lo­gi­schen Klein­klär­an­la­gen, in de­ren Ge­höft zwei Woh­nungs­ein­hei­ten sind, zah­len dann bei der Grund­ge­bühr das Dop­pel­te. Die wer­den be­straft.“Rich­tig hät­te es Bau­er ge­fun­den, wenn der ZWA die lau­fen­den Be­triebs­kos­ten für die KKA über­nom­men und in die Kal­ku­la­ti­on ein­ge­ar­bei­tet hät­te. „Das wä­re ge­rech­ter ge­we­sen.“

Beim ZWA sieht man die Ge­büh­ren­ge­rech­tig­keit hin­ge­gen ge­ge­ben. So wer­den Voll­ein­lei­ter auch bei der Ver­brauchs­ge­bühr stär­ker be­las­tet. Hier soll die Ge­bühr pro Ku­bik­me­ter Ab­was­ser von der­zeit 2,63 auf 2,70 Eu­ro stei­gen, bei Teil­ein­lei­tern mit ei­ner voll­bio­lo­gi­schen Klein­klär­an­la­ge bleibt die Ge­bühr hin­ge­gen un­ver­än­dert bei 51 Cent pro Ku­bik­me­ter Ab­was­ser. Für Teil­ein­lei­ter mit ei­ner her­kömm­li­chen Drei-Kam­merKlärgru­be wird es hin­ge­gen eben­falls teu­rer. Die­se sol­len ab dem kom­men­den Jahr statt 88 Cent dann 1,07 Eu­ro für den Ku­bik­me­ter Ab­was­ser zah­len. Bei den Teil­ein­lei­tern hin­zu kommt die Fä­kal­schlam­ment­sor­gung., die aber un­ver­än­dert bei 36,80 Eu­ro für den Ku­bik­me­ter bei­be­hal­ten blei­ben soll.

„Sinn der Kal­ku­la­ti­on ist, die Kos­ten­ent­wick­lung in der Ge­büh­ren­struk­tur ab­zu­bil­den“, ver­deut­licht Ro­the. Um ei­ne An­pas­sung der Grund­ge­büh­ren kom­me man nicht her­um. Nach dem Maß­stab ei­nes vor­sich­ti­gen Kauf­man­nes müs­se der Ver­band seine Kos­ten an­glei­chen.

Ro­the geht da­von aus, dass die neue Ge­büh­ren­kal­ku­la­ti­on bei der Kom­mu­nal­auf­sicht ei­ne Ge­neh­mi­gung er­fah­ren wird. „Wir ha­ben ja die Er­fah­run­gen und le­gen ei­ne Kal­ku­la­ti­on vor, die so ge­recht­fer­tigt ist.“

Soll­te al­les glatt über die Büh­ne ge­hen, wie es sich der ZWA vor­stellt, kön­nen ZWA-Kun­den da­von aus­ge­hen, dass ih­re Rech­nung 2020 um ei­ni­ge Eu­ro hö­her aus­fal­len wird.

Blick auf Wohn­blö­cke in der Wald­sied­lung ent­lang der Erich-Wei­nert-Stra­ße/Am Sta­di­on in Herms­dorf. Der ZWA Thü­rin­ger Holz­land hat in sei­ner Ge­büh­ren­kal­ku­la­ti­on im Ab­was­ser­be­reich die Grund­ge­bühr vom Was­ser­zäh­ler auf die Woh­nungs­ein­hei­ten um­ge­stellt. Fo­to: And­reas Schott

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