Po­li­zei­schutz wird im Kreis ab­ge­lehnt

Trotz ei­nes Vor­falls zu Sil­ves­ter  in Ei­sen­berg hal­ten die Feu­er­wehr­leu­te nichts von Po­li­zei-Un­ter­stüt­zung

Ostthüringer Zeitung (Stadtroda) - - Erste Seite - Von Jens Henning

Ei­sen­berg. Der Lan­des­vor­sit­zen­de der Feu­er­werk-Ge­werk­schaft for­dert Po­li­zei­schutz im Ein­satz­fall. Die Stadt­brand­meis­ter von Ei­sen­berg, Herms­dorf und Stadt­ro­da hal­ten von die­ser Idee nichts.

Ei­sen­berg. Ron­ny Keutsch (45) schüt­tel­te mit dem Kopf. „Nein, wir brau­chen kei­nen Ex­tra-Po­li­zei­schutz, wenn wir Sil­ves­ter aus­rü­cken soll­ten. Das ist doch gar nicht zu stem­men. Es ist doch kein Ge­heim­nis, dass auch die Po­li­zei­sta­tio­nen nicht mit Leu­ten über­be­setzt sind“, sag­te der Stadt­brand­meis­ter der Ei­sen­ber­ger Feu­er­wehr ges­tern Vor­mit­tag.

Er re­agier­te auf den Ar­ti­kel „Feu­er­wehr ver­langt Po­li­zei­schutz“in der gest­ri­gen Aus­ga­be.

Da­bei hät­te Keutsch al­len Grund, die Fra­ge nach dem zu­sätz­li­chen Po­li­zei­schutz zum Jah­res­wech­sel mit Ja zu be­ant­wor­ten. In der letz­ten Sil­ves­ter­nacht wur­den die Ka­me­ra­den aus Ei­sen­berg in der Kreis­stadt des Saa­le-Holz­land-Krei­ses kurz nach Mit­ter­nacht zu ei­nem bren­nen­den Con­tai­ner auf den zen­tra­len Bus­platz un­ter­halb des Ei­sen­ber­ger Fried­rich-Schil­ler-Gym­na­si­ums ge­ru­fen. Sie rück­ten aus. Die Ein­satz­stel­le be­fand sich knapp 200 Me­ter ent­fernt vom Feu­er­wehr­ge­rä­te­haus

Was Keutsch und Ka­me­ra­den auf ih­ren Weg zur Ein­satz­stel­le er­leb­ten, fasst der Stadt­brand­meis­ter mit den Wor­ten „bo­den­lo­se Frech­heit“zu­sam­men.

Ei­ne Grup­pe Ju­gend­li­cher, die auf der Ebert­stra­ße Ra­ke­ten zün­de­ten, Böl­ler war­fen und mög­li­cher­wei­se al­ko­ho­li­siert wa­ren, nahm plötz­lich das Ein­satz­fahr­zeug der Feu­er­wehr als Ziel. „Ich weiß nicht, was in den Köp­fen die­ser Leu­te ab­geht. Man kann doch nicht Ka­me­ra­den, die statt zu fei­ern der All­ge­mein­heit die­nen, mit Ra­ke­ten be­schie­ßen“, sag­te Keutsch. Ei­ne Ra­ke­te traf das Feu­er­wehr­fahr­zeug. Ei­ne zwei­te Ra­ke­te flog knapp über die Fah­rer­tür hin­weg.

Po­li­zei­spre­che­rin St­ef­fi Kopp aus Je­na zähl­te ges­tern ei­ne ganz Rei­he an Tat­be­stän­den auf, die auf das Er­eig­nis vor ei­nem Jahr pass­ten. Die Ver­ge­hen der jun­gen Leu­te reich­ten von „vor­sätz­li­cher Kör­per­ver­let­zung“über „Ein­griff in den Stra­ßen­ver­kehr“ bis hin zu „Sach­be­schä­di­gung“.

Keutsch sieht aber kaum Chan­cen, die­ser Stö­ren­frie­de hab­haft zu ma­chen. „Ei­ner­seits ha­ben wir gar nicht das Recht, die Leu­te fest­zu­hal­ten und auf die Po­li­zei zu war­ten. Wir sind am Neu­jahrs­mor­gen aus­ge­rückt, um den Brand zu lö­schen“, sag­te der Ver­ant­wort­li­che.

Bei den Ra­ke­ten und Böl­lern, die in Rich­tung des Feu­er­wehr­au­tos und da­mit in Rich­tung der Ka­me­ra­den flo­gen, blieb es aber nicht.

„Wir muss­ten uns so­gar noch Sprü­che an­hö­ren. Das war al­les an­de­re als an­ge­nehm. Mei­ne Leu­te sind mo­ti­viert. Sie ma­chen ih­re Feu­er­wehr-Ar­beit in ih­rer Frei­zeit und dann müs­sen sie so et­was mit­er­le­ben.“

Das war bis­her ein Ein­zel­fall, sag­te Keutsch wei­ter. Dass es so ei­nen Fall auch in Ei­sen­berg gab, sei für den Stadt­band­meis­ter äu­ßerst be­denk­lich. „Es ist aber das Spie­gel­bild für die Ge­sell­schaft, wie die Menschen heu­te mit Leu­ten um­ge­hen, die ei­ne Uni­form tra­gen. Ei­gent­lich müss­te man die­sen Menschen mit Re­spekt be­geg­nen. Das ist of­fen­bar nicht über­all und nicht im­mer der Fall.“

Bei Kars­ten Tel­ler (43), Stadt­brand­meis­ter der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr Herms­dorf, er­zeug­te die Fra­ge nach der Hil­fe von Po­li­zei­kräf­ten am Sil­ves­ter­abend ein leich­tes Schmun­zeln. „Wenn es piepst, wird je­dem ge­hol­fen.

Ron­ny Keutsch, Stadt­brand­meis­ter Ei­sen­berg

Bis­her hat­ten wir noch kei­ner­lei Pro­ble­me mit an­de­ren Leu­ten. Was halt bis heu­te im­mer noch nicht im­mer funk­tio­niert, ist das Bil­den ei­ner Ret­tungs­gas­se und das rich­ti­ge Ver­hal­ten. Wir wer­den als Herms­dor­fer Wehr oft zu Ein­sät­zen auf die Au­to­bah­nen ge­ru­fen. Das The­ma Ret­tungs­gas­se wird zwar seit Wo­chen und Mo­na­ten in den Me­di­en pu­bli­ziert. Zu 100 Pro­zent klappt das aber trotz­dem nicht. Die­se Er­fah­rung müss­ten wir ma­chen. “

Hen­drik Staps (53), seit 2014 Stadt­brand­meis­ter in Stadt­ro­da, ver­nein­te auch die Fra­ge nach dem Po­li­zei­schutz. „Bei ei­ni­gen Ein­sät­zen for­dern wir Hil­fe von den Kol­le­gen der Po­li­zei an. Die­se An­for­de­rung dient aber nur zur Ab­si­che­rung des Ein­satz­or­tes. Zum Glück muss­ten wir bis­her die Po­li­zei noch nie ru­fen, um uns bei un­se­rer Ar­beit zu schüt­zen. Dass wir auch Gaf­fer mit­er­le­ben und auch Leu­te, die ihr Han­dy zü­cken, um Fo­tos zu ma­chen, das ist wohl schon et­was Nor­ma­les“, sag­te Staps. „Lei­der.“

„Wir wur­den im Ein­satz mit Ra­ke­ten be­wor­fen und muss­ten uns auch noch Sprü­che an­hö­ren.“

Mehr Re­spekt vor Ein­satz­kräf­ten mahnt der Ei­sen­ber­ger Stadt­brand­meis­ter an. Fo­tos (): Jens Henning

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