We­ni­ger Fäl­le von Da­ten­klau

Geld­au­to­ma­ten wer­den si­che­rer

Ostthüringer Zeitung (Stadtroda) - - Wirtschaft - ..  , mo­natl.

, , ,  ,  ,  ,  , Alex­an­der Kirch­ner, Vor­sit­zen­der der Bahn­ge­werk­schaft EVG und zu­gleich Vi­ze­chef des BahnAuf­sichts­rats, hält we­nig von Schnell­schüs­sen. Es müs­se erst ein­mal klar wer­den, was in den 25 Jah­ren seit der ers­ten Bahn­re­form falsch lief. Der Haupt­grund für die schlech­ter wer­den­de Pünkt­lich­keit und Qua­li­tät aus sei­ner Sicht: „Das Sys­tem Schie­ne wird seit Jah­ren auf Ver­schleiß ge­fah­ren.“

Zwei Punk­te sind Kirch­ner wich­tig. Der ers­te be­trifft die Or­ga­ni­sa­ti­on des Un­ter­neh­mens Bahn. Die Struk­tu­ren müss­ten fla­cher wer­den, die Zen­tra­li­sie­rung müs­se auf­hö­ren. Zwei­tens brau­che die Bahn mehr Geld aus dem Bun­des­haus­halt. „Die Sum­men, die jetzt be­wil­ligt sind, rei­chen nicht ein­mal aus, um die Sub­stanz der In­fra­struk­tur zu er­hal­ten. Schie­nen, Wei­chen, Stell­wer­ke und Bahn­hö­fe wer­den im­mer äl­ter“, er­läu­tert der Ge­werk­schafts­chef. Der In­ves­ti­ti­ons­stau be­tra­ge 50 Mil­li­ar­den Eu­ro.

„Um ei­ne Trend­wen­de zu er­rei­chen, müs­sen im Bun­des­haus­halt je­des Jahr min­des­tens 2,5 Mil­li­ar­den Eu­ro zu­sätz­lich be­reit­ge­stellt wer­den“, sagt Kirch­ner. Schon jetzt, da sind sich die Ex­per­ten ei­nig, feh­len der Bahn aber pro Jahr mehr als zwei Mil­li­ar­den Eu­ro. Die Struk­tu­ren zu än­dern, Fehl­ent­wick­lun­gen beim Bahn­ver­kehr an­zu­ge­hen und mehr Geld aus dem Bun­des­haus­halt zu be­kom­men – für Kirch­ner be­deu­tet das ei­ne „Bahn­re­form 2“.

Mehr Geld aus der Scha­tul­le von Fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz (SPD) zu be­kom­men, dürf­te da­bei ei­ne Her­aus­for­de­rung sein. Scholz weiß, dass die Steu­er­ein­nah­men mit ei­ner schwä­cher wer­den­den Kon­junk­tur sin­ken könn­ten. Al­ler­dings kann Bahn­chef Lutz dar­auf ver­wei­sen, dass der Bund mehr Geld zu­schie­ßen muss, denn Wün­sche und Vor­ga­ben, die Uni­on und SPD mit Blick auf die Bahn in den Ko­ali­ti­ons­ver­trag ge­schrie­ben ha­ben, sind nicht im Haus­halt ein­ge­plant. Au­ßer­dem braucht die Po­li­tik die Bahn, um ih­re Kli­ma­schutz­zie­le zu er­rei­chen. Um aber stär­ker mit Staats­geld un­ter­stützt zu wer­den, so heißt es aus der Ko­ali­ti­on, müs­se die Bahn pünkt­li­cher und bes­ser wer­den.

Die Bahn könn­te auch An­tei­le an den Töch­tern Schen­ker, in­ter­na­tio­na­le Lo­gis­tik, und Ar­ri­va, in­ter­na­tio­na­les Ver­kehrs­ge­schäft, ver­kau­fen. Das aber ist um­strit­ten, vor al­lem Ar­ri­va wirft Ge­winn ab. Die Bahn mehr Schul­den ma­chen zu las­sen, gilt an­ge­sichts von mehr als 20 Mil­li­ar­den Eu­ro Ver­bind­lich­kei­ten als un­wahr­schein­lich.

Bahn­chef Lutz will den Vor­stand er­wei­tern und je ei­nen Pos­ten für den Fern­ver­kehr, den Nah­ver­kehr und das Cargo­ge­schäft be­set­zen. Im Ge­gen­zug sol­len St­abs­stel­len ge­stri­chen wer­den.

Für Ge­werk­schafts­chef Kirch­ner sind Per­so­nal­dis­kus­sio­nen we­nig hilf­reich: „Neue Köp­fe im Vor­stand lö­sen die ak­tu­el­len Pro­ble­me nicht, wenn die tief­grei­fen­den Pro­ble­me nicht an­ge­gan­gen wer­den.“Aber auch Kirch­ner weiß: Das Er­rei­chen ei­nes „ak­zep­ta­blen Zu­stands von Pünkt­lich­keit und Qua­li­tät wird noch meh­re­re Jah­re dau­ern“.

We­ni­ger Fäl­le, we­ni­ger Scha­den: Der Brut­to­scha­den durch Da­ten­klau an Geld­au­to­ma­ten in Deutsch­land ist im ver­gan­ge­nen Jahr auf das Re­kord­tief von 1,44 Mil­lio­nen Eu­ro ge­sun­ken. Die Ein­rich­tung Eu­ro-Kar­ten­sys­te­me in Frank­furt/Main er­klärt dies da­mit, dass es für Kri­mi­nel­le we­gen mo­der­ner Si­cher­heits­tech­nik im­mer schwie­ri­ger wer­de, Kar­ten­da­ten und Ge­heim­num­mern (PIN) von Bank­kun­den aus­zu­spä­hen und zu miss­brau­chen. Auch die Zahl der so­ge­nann­ten Skim­ming-Ver­su­che sinkt. Al­ler­dings nicht in Ber­lin: Dort wur­den 2018 rund 76 Pro­zent al­ler Fäl­le ge­mel­det. In Thü­rin­gen gab es kei­nen Fall.

449-mal ma­ni­pu­lier­ten Da­ten­die­be 2018 bun­des­weit Geld­au­to­ma­ten für Skim­min­gVer­su­che. Ein Jahr zu­vor hat­te es 499 Fäl­le ge­ge­ben. 2017 be­trug der Skim­ming-Scha­den ins­ge­samt 2,2 Mil­lio­nen Eu­ro, ein Jahr da­von wa­ren es 1,9 Mil­lio­nen Eu­ro.

Brenn­punkt war Ber­lin: 343mal (Vor­jahr: 287) wur­den in der Haupt­stadt Geld­au­to­ma­ten ma­ni­pu­liert. Ex­per­ten ver­mu­ten, dass Da­ten­die­be es dort vor al­lem auf Da­ten von Tou­ris­ten aus Län­dern ab­ge­se­hen ha­ben, in de­nen Be­zahl­kar­ten noch mit re­la­tiv leicht ko­pier­ba­ren Ma­gnet­strei­fen aus­ge­stat­tet sind wie in den USA.

Deutsch­land setzt seit En­de 2010 auf EMV-Tech­nik. Da­bei wer­den Be­zahl­kar­ten mit ei­ner Art Mi­ni-Com­pu­ter aus­ge­rüs­tet. Die Kar­te wird bei je­dem Ge­brauch auf Echt­heit ge­prüft. In Deutsch­land sind al­le 58.000 Geld­au­to­ma­ten, 820.000 Be­zahl­ter­mi­nals im Han­del und rund 100 Mil­lio­nen Gi­ro­cards mit EMV aus­ge­stat­tet. (dpa)

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