Klaf­tern ge­hört zum Hand­werk

Am . Ok­to­ber ist Tag des Schorn­stein­fe­gers. Ein Ver­tre­ter der schwar­zen Zunft ist Rü­di­ger Speck aus Bad Lan­gen­sal­za

Ostthüringer Zeitung (Zeulenroda-Triebes) - - Wirtschaft In Ostthüringen - Von Si­byl­le Gö­bel

Bad Lan­gen­sal­za. Wenn Rü­di­ger Speck sei­ne tra­di­tio­nel­le Be­rufs­klei­dung trägt, pas­siert es ihm oft, dass er von Wild­frem­den an­ge­spro­chen, an der Schul­ter be­rührt und so­gar ge­drückt wird. Ver­ständ­lich: Schorn­stein­fe­ger gel­ten als Glücks­brin­ger – und wer ih­nen be­geg­net, hilft sei­nem Glück ganz gern mal auf die Sprün­ge. Rü­di­ger Speck hat nichts da­ge­gen: „Im Ge­gen­teil: Da ste­he ich drauf“, er­klärt der 39-Jäh­ri­ge mit ei­nem Au­gen­zwin­kern. Wer die gol­de­nen Knöp­fe sei­nes schwar­zen Kol­lers rei­ben oder gleich den gan­zen Mann um­ar­men wol­le, sol­le sich bloß kei­nen Zwang an­tun. Doch auch sonst ist Rü­di­ger Speck in sei­nem Kehr­be­zirk in Bad Lan­gen­sal­za gern ge­se­hen. Ob­wohl Haus­be­sit­zer seit der Markt­öff­nung für das Schorn­stein­fe­ger­hand­werk im Jahr 2013 in fast al­len Fäl­len selbst wäh­len kön­nen, wel­chen Schorn­stein­fe­ger sie be­auf­tra­gen, ma­chen sich die we­nigs­ten die Mü­he, je­des Jahr aufs Neue ver­schie­de­ne An­ge­bo­te ein­zu­ho­len. Die Kund­schaft bleibt Rü­di­ger Speck treu, weil sie sei­ne Ar­beit schätzt, er stets die Ter­mi­ne für das Keh­ren und Mes­sen im Blick hat und die Haus­ei­gen­tü­mer gut be­rät.

„Seit dem Weg­fall des Mo­no­pols hat sich aus mei­ner Sicht nicht viel ver­än­dert“, sagt der Schorn­stein­fe­ger, der seit 2004 sei­nen Meis­ter­brief hat. „In grö­ße­ren Städ­ten gibt es viel­leicht ein biss­chen mehr Fluk­tua­ti­on, aber hier in Thü­rin­gen sind die Leu­te froh, wenn sie wis­sen, was sie ha­ben. Da kommt es ih­nen dann auch nicht auf drei, vier Eu­ro an.“Des­halb will sich Rü­di­ger Speck auch im Fe­bru­ar 2019, wenn sein Kehr­be­zirk er­neut eu­ro­pa­weit für sie­ben Jah­re aus­ge­schrie­ben wird, wie­der dar­um be­wer­ben. So wie die al­ler­meis­ten sei­ner Kol­le­gen in Thü­rin­gen sich wie­der um ih­ren Kehr­be­zirk be­wer­ben wol­len. Bis zur Markt­öff­nung 2013 be­hiel­ten Schorn­stein­fe­ger den ih­nen ein­mal zu­ge­teil­ten Kehr­be­zirk bis zur Ren­te, so dass sie – wie bö­se Zun­gen be­haup­te­ten – stets schon am 1. Ja­nu­ar wuss­ten, was sie bis zum 31. De­zem­ber ver­dient ha­ben wür­den.

Die bes­ten Aus­sich­ten bei der Ver­ga­be von Kehr­be­zir­ken ha­ben heu­te Schorn­stein­fe­ger, die bei ih­rer Be­wer­bung punk­ten kön­nen. Punk­te gibt es un­ter an­de­rem für die Meis­ter­prü­fung oder auch für Wei­ter­bil­dun­gen, wie sie die Lan­des­in­nung an­bie­tet. Wei­ter­bil­dun­gen, die der Tat­sa­che ge­recht wer­den, dass die be­ra­ten­de Tä­tig­keit der Män­ner und Frau­en in Schwarz ei­nen im­mer grö­ße­ren Teil ih­rer Ar­beit aus­macht und Schorn­stein­fe­ger ein sehr brei­tes Fach­wis­sen ha­ben müs­sen. In Thü­rin­gen, so Rü­di­ger Speck, sind bei rund 200 Kehr­be­zir­ken 188 Schorn­stein­fe­ger In­nungs­mit­glie­der – ein ver­gleichs­wei­se ho­her Or­ga­ni­sa­ti­ons­grad, der da­für spricht, „dass die In­nung et­was bringt“.

Au­ßer mit elek­tro­ni­schen Mess­ge­rä­ten und In­spek­ti­ons­ka­me­ras sind Ka­min­keh­rer wie Rü­di­ger Speck na­tür­lich auch heu­te noch mit klas­si­schen Ge­rät­schaf­ten wie der Kehr­lei­ne und dem Stoß­be­sen un­ter­wegs. Klaf­tern, wie das Klet­tern durch ei­nen Schorn­stein in der Fach­spra­che heißt, müs­sen sie we­gen der heu­te meist deut­lich ver­klei­ner­ten Qu­er­schnit­te der Es­sen zwar nur noch sel­ten, doch Dä­cher oder Dach­bö­den er­klim­men, das tun sie nach wie vor.

Kein Job, für den sich nur Män­ner eig­nen: Im­mer häu­fi­ger ist der Schorn­stein­fe­ger ei­ne Frau, von den vier Schorn­stein­fe­gern, die al­lein Rü­di­ger Speck seit 2013 aus­ge­bil­det hat, wa­ren be­zie­hungs­wei­se sind drei weib­lich. „Frau­en sind oft lern­fä­hi­ger“, so die Er­fah­rung des 39Jäh­ri­gen, der auch häu­fig auf Aus­bil­dungs­mes­sen für sei­ne Pro­fes­si­on wirbt und bis­lang noch im­mer in­ter­es­sier­te jun­ge Leu­te ge­win­nen konn­te.

Das tut auch not: Denn auch in der schwar­zen Zunft steht in den nächs­ten Jah­ren ein Ge­ne­ra­ti­ons­wech­sel an, ge­hen vie­le er­fah­re­ne Schorn­stein­fe­ger in Ren­te: „Des­halb ist es auch so wich­tig, jetzt ge­nü­gend Ge­sel­len aus­zu­bil­den, die nach Mög­lich­keit gleich an­schlie­ßend noch ih­ren Meis­ter ma­chen“, sagt Rü­di­ger Speck. Denn dann hät­ten sie die bes­ten Chan­cen bei der Ver­ga­be der Kehr­be­zir­ke.

Sei­ne ei­ge­nen bei­den Söh­ne sind mit zehn und zwei Jah­ren zwar noch zu jung, als dass sich et­was zu ih­rer Be­rufs­wahl sa­gen lie­ße. Aber sie wach­sen da­mit auf, dass ihr Va­ter in sei­nem Be­ruf, den er selbst bei ei­nem al­ten Meis­ter ge­lernt hat, auf­geht. So­gar der klei­ne Fried­rich, er­zählt Rü­di­ger Speck schmun­zelnd, ruft beim An­blick sei­nes Pa­pas in Ar­beits­ho­se, Kol­ler und Zy­lin­der schon ganz be­geis­tert „fe­gen, fe­gen“.

Ei­nen gu­ten Aus­blick über Bad Lan­gen­sal­za hat Schorn­stein­fe­ger­meis­ter Rü­di­ger Speck. Fo­to: Arnd Hart­mann

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