Plötz­li­ches En­de ei­nes Come­backs

His­to­ri­scher Par­tei­tag ver­läuft dra­ma­tisch: Fried­rich Merz un­ter­liegt An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er in der Stich­wahl mit  zu  Stim­men

Ostthüringer Zeitung (Zeulenroda-Triebes) - - Politik - Von Tim Brau­ne und Kers­tin Müns­ter­mann

Ham­burg. Die CDU oh­ne Mer­kel, das war fast zwei Jahr­zehn­te un­vor­stell­bar. Vie­le in der Welt und Eu­ro­pa schau­ten am Frei­tag auf Ham­burg. Nach ei­nem dra­ma­ti­schen Par­tei­tag kam es zum Fo­to­fi­nish. Die 1000 De­le­gier­ten ent­schie­den sich in ei­ner Stich­wahl mit 517:482 Stim­men für An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er und ge­gen Fried­rich Merz. So lief die Zei­ten­wen­de in der CDU ab.

10.38 Uhr:

Be­vor Mer­kel zur Er­öff­nung ein Wort sa­gen kann, sprin­gen die meis­ten der 1000 De­le­gier­ten (nur ei­ner fehl­te) auf, ap­plau­die­ren ih­rer 18-Jah­reChe­fin. „Dan­ke, Che­fin“-Schil­der ge­hen in die Luft. Mer­kel wehrt die Be­geis­te­rungs­stür­me lä­chelnd ab: „Wir ha­ben heu­te viel vor.“Die in Ham­burg ge­bo­re­ne, in der DDR auf­ge­wach­se­ne Pfar­rers­toch­ter preist den Got­tes­dienst am Mor­gen im Mi­chel, der Kraft für „die­sen ganz be­son­de­ren Par­tei­tag“der CDU ge­ge­ben ha­be.

13.51 Uhr:

das, wir wer­den das.“Sie hät­te auch drei­mal Ich sa­gen kön­nen.

14.15 Uhr:Fried­rich

wert­kon­ser­va­ti­ve See­le der Par­tei. Der Na­tio­nal­staat sei nicht über­holt, er ver­mit­te­le Iden­ti­tät und Hei­mat­ge­fühl. Deutsch­land sei welt­of­fen, to­le­rant und hilfs­be­reit: „Aber es gibt auch Gren­zen un­se­rer Mög­lich­kei­ten.“Da hört sich Merz wie Alt­bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck an. Aber Merz und Mer­kel, wür­de das ge­hen? Sie hat­te ihn 2002 als Frak­ti­ons­chef in die Wüs­te ge­schickt.

14.50 Uhr: 15.39 Uhr:

Der ers­te Wahl­gang be­ginnt, die Span­nung in der Hal­le ist zu grei­fen. Die De­le­gier­ten bau­en ih­re mo­bi­len Wahl­ka­bi­nen aus Pap­pe auf, da­mit nie­mand spi­cken kann.

16.11 Uhr:

Der Kie­ler Re­gie­rungs­chef Da­ni­el Gün­ther ver­kün­det das Er­geb­nis. AKK liegt mit 45 Pro­zent vor­ne (450 Stim­men), Merz kommt auf 39,2 Pro­zent (392), Spahn auf 15,7 Pro­zent (157). Stich­wahl AKK ge­gen Merz!

16.56 Uhr:

aus den Au­gen. Sie hat es ge­schafft, nimmt die Wahl na­tür­lich an. So­fort eilt sie zu Merz, um­armt ihn, eben­so Spahn. Dann herzt Mer­kel sie. AKK bie­tet den Ver­lie­rern Merz und Spahn an, im Team mit ihr an der neu­en CDU zu bau­en. Sie ist mo­men­tan nur ei­ne 50-Pro­zen­tVor­sit­zen­de. Wich­tigs­te Auf­ga­be für AKK bis zur Eu­ro­pa­wahl im Mai: die Spal­tung der CDU schnell über­win­den. „Ich wür­de mich sehr freu­en, wenn so­wohl Jens Spahn als auch Fried­rich Merz ge­mein­sam an die­ser Auf­ga­be mit­ar­bei­ten. Das ist das, was die Mit­glie­der er­war­ten, und für bei­de ist ein Platz in die­ser Par­tei.“

17.05 Uhr:

Merz zeigt Grö­ße in der Nie­der­la­ge. „Lie­be An­ne­gret, herz­li­chen Glück­wunsch zu dei­ner Wahl.“Er wün­sche ihr Er­folg und Got­tes Se­gen auf dem Weg, „den du jetzt vor dir hast“. Er selbst wol­le mit­hel­fen bei der Er­neue­rung der CDU. Merz ruft dann zwar die De­le­gier­ten auf, Spahn er­neut ins CDU-Prä­si­di­um zu wäh­len. Auf­fäl­lig aber ist, dass Merz selbst kei­ne Kan­di­da­tur für ei­nen Pos­ten als Par­tei-Vi­ze oder im Prä­si­di­um an­kün­digt. In der CDU rech­nen vie­le da­mit, dass Merz sich ab­seh­bar wie­der ver­stärkt um sei­ne Wirt­schafts­kon­tak­te küm­mert.

17.11 Uhr:

Spahn nimmt das An­ge­bot der neu­en Che­fin AKK so­fort an. „Wir sind ja so ein biss­chen wie ei­ne Rock­band ge­mein­sam durch Deutsch­land ge­tourt“, sagt er über die Road­show bei den Re­gio­nal­kon­fe­ren­zen. „Es hat echt Spaß ge­macht.“

20.51 Uhr:

Wolf­gang Schäu­b­le, der gro­ße Ver­lie­rer von Ham­burg, ver­sucht, sei­nen An­griff auf Mer­kel zu ka­schie­ren. Sein Mann Merz hat es nicht ge­schafft. Er ha­be AKK gra­tu­liert: „Ich bin ein gu­ter De­mo­krat!“

Fried­rich Merz hat mit sei­ner Kan­di­da­tur den Par­tei­tag span­nend ge­macht. Sei­ne Frau Char­lot­te ap­plau­diert. Fo­to: Ro­land Ma­gu­nia

Mit sei­nen , Pro­zent be­kam Jens Spahn im ers­ten Wahl­gang ein be­acht­li­ches Er­geb­nis. Fo­to: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.