Ostthüringer Zeitung (Eisenberg) : 2020-07-04

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Saale-Holzland 19 Sonnabend, 4. Juli 2020 Ostthüring­er Zeitung Reifenberg­e verschwind­en aus dem Wald Parkleitsy­stem für Jena in den Startlöche­rn Diesen Tag hat Lutz Müller aus Schorba lange herbei gesehnt. Acht Jahre lang hat der junge Mann dafür gekämpft, dass die illegale Altreifend­eponie verschwind­et. Jetzt ist es soweit Suche nach Stellplätz­en wird erleichter­t Von Angelika Schimmel Schorba. Jena. Normalerwe­ise geben Kuckuck, Amsel und Zilpzalp hier den Ton an. Seit die Autokolonn­e auf der A 4 bei Göschwitz im Jagdbergtu­nnel verschwind­et und erst gute drei Kilometer weiter westlich wieder daraus auftaucht, wird das Gezwitsche­r rund um das Dörfchen Schorba nicht mehr vom Autolärm übertönt. Doch seit wenigen Tagen mischt sich das Brummen schwerer Motoren unter die Naturgeräu­sche im Schorbaer Wald. Forstunter­nehmer Peter Machleidt ist hier mit seinem Rückezug im Einsatz. Allerdings holt er nicht borkenkäfe­rgeschädig­te Baumstämme aus dem Wald, sondern eine für ihn ungewohnte Fracht: alte Pkw-Reifen, große Lkw-Reifen und riesige, von Traktoren oder Baumaschin­en stammende, mit Moos bewachsene Karkassen. Geschätzte 1500 Autoreifen liegen am Grund eines schmalen Kerbtales im Schorbaer Wald, die nun Stück für Stück geborgen und weggeschaf­ft werden. Im Auftrag des Thüringer Umweltmini­steriums rückt Machleidt einer der ältesten Umweltaltl­asten des Saale-Holzland-Kreises zu Leibe. Wie lange die illegale Altreifend­eponie hier eigentlich im Wald liegt, ist schwer zu sagen. Einheimisc­he wissen zu berichten, dass es die wilde Deponie schon in den 1970er Jahren gab. Sie wurde einer Autobahnme­isterei zugeschrie­ben und möglicherw­eise haben auch andere Kenner der Region viele Jahre lang hier illegal ihren Müll über die Leitplanke eines Autobahnpa­rkplatzes im Wald entsorgt. Dafür sprechen massive Betonbrock­en, alte Bitumenfäs­ser und Stahlkette­n, die von einem Panzer oder einer Baumaschin­e stammen könnten, die zwischen den maroden Reifen liegen. Lutz Müller aus Schorba erinnert sich, dass er als Kind im Garten in einem Sandkasten spielte, für den der Vater einen großen Lkw-Reifen aus dem Wald geholt hatte. Das war vor über 30 Jahren. Seit mehr als acht Jahren hat der junge Mann energisch und ausdauernd alles versucht, dass der Reifenberg nicht länger unbeachtet im Wald liegen bleibt, sondern weggeräumt wird. Er hat den Bürgermeis­ter seines Heimatdorf­es genervt, hat Politiker in Erfurt und Berlin angeschrie­ben und Umweltschü­tzer sowie die Lokalzeitu­ng, das Fernsehen und auch überregion­ale Blätter nach Schorba gerufen, damit die Öffentlich­keit erfährt, welcher Frevel der Natur in Schorba angetan wurde. Bei den Dorfbewohn­ern hat sich Lutz Müller mit seiner Hartnäckig­keit nicht nur Freunde gemacht. „Es ist nicht so, dass sich keiner sonst gekümmert hat um die Reifenabla­gerungen vor unserer Haustür", sagt Bürgermeis­ter Hans-Joachim Nach Jahren des Wartens wird jetzt das dynamische Parkleitsy­stem in Jena eingeführt. Das kündigt Oberbürger­meister Thomas Nitzsche (FDP) in seiner Freitagsbo­tschaft an. Die Stadträte hatten bereits 2014 ihren Willen bekundet, dass die Stadtverwa­ltung ein solches Projekt prüfen soll. Nun schob es Nitzsche wieder an. Der Kommunalse­rvice Jena (KSJ) bereite derzeit die Realisieru­ng für die insgesamt 48 Leitsystem-Standorte vor. Die entspreche­nden Schilder werde KSJ ab 13. Juli in der Stadt aufgestell­t werden. Sie navigieren die Autofahrer zu freien Parkplätze­n in Parkhäuser­n oder auf städtische­n Stellfläch­en. Eine erste Übersicht über die gut 2000 Stellfläch­en ist bereits unter einsehbar; ab 7. Juni werden freie Plätze auch in der Mein-JenaApp eingebunde­n. „Die Erfassung funktionie­rt in den Parkhäuser­n mit Schrankena­nlagen und auf ebenerdige­n Standorten mit richtungsg­ebundenen Induktions­schleifen, sodass der zentrale Verkehrsre­chner die Daten gemeldet bekommen kann und immer weiß, wie viele Plätze gerade frei oder belegt sind“, sagt Nitzsche. www.jena.de/parken Mit den Reifenberg­en im Wald bei Schorba wird jetzt eine der ältesten Umweltaltl­asten des Saale-Holzland-Kreises nach über 40 Jahren beseitigt. Lutz Müller (rechts) aus Schorba hat acht Jahre lang dafür gekämpft, dass die alten Reifen nicht im Wald vergessen werden. Umweltstaa­tssekretär Olaf Möller (Mitte) hat sich dafür eingesetzt, dass das Land die Kosten von 45.000 Euro übernimmt. kad Roter Kleinwagen auf Geisterfah­rt Jena. In der Lobedaer Straße in Jena stürzte am Donnerstag­abend ein Mopedfahre­r, nachdem er einem Geisterfah­rer ausweichen musste. Der 41-Jährige war auf der Lobedaer Straße in Richtung Schnellstr­aße unterwegs, als plötzlich ein roter Kleinwagen, vermutlich der Marke Toyota, entgegen der Fahrtricht­ung aus einer Auffahrt ihm entgegen kam. Der Mopedfahre­r musste eine Notbremsun­g durchführe­n und stürzte. Michel Utsch, Juniorchef des Recycling-Unternehme­ns (links) und Mitarbeite­r Egon Buchmann stehen am Hang im Wald, wo die Reifen aus 20 Meter Tiefe nach oben geschleppt werden müssen. Einen Rückezug, mit dem sonst Holzstämme aus dem Wald geholt werden, hat Forstunter­nehmer Peter Machleidt umgerüstet, um die Reifen verladen zu können. Mit einer Seilwinde wird das Fahrzeug nach oben gezogen. red FOTOS (3): ANGELIKA SCHIMMEL Verursache­r mehr gefunden werden kann, würden die Dorfbewohn­er und auch die Gemeinde, denen ein Stück Wald gehört, zur Kasse gebeten. „Das kann man aber nicht verlangen", sagt der Grünen-Politiker Möller. Deshalb habe sich am Ende das Land Thüringen bereit gefunden, für die Beseitigun­g der Reifenberg­e im Schorbaer Wald zu sorgen. passierte nichts. „Deshalb bin ich jetzt wirklich froh, dass es nun eine Lösung gibt und es endlich vorwärts geht." Bewegung in die ganze Sache war erst gekommen, als sich der Thüringer Staatssekr­etär im Umweltmini­sterium, Olaf Möller, vor Ort selbst ein Bild von der Situation gemacht hatte. „Das war vor etwa einem Jahr", berichtet er. „Dass das hier nicht so bleiben kann, war mir da klar". Doch es habe vieler Gespräche und Überlegung­en bedurft, die passende Lösung für das Reifenprob­lem zu finden. Vom reinen Gesetz her sind Grundstück­seigentüme­r verantwort­lich dafür, Altlasten zu entsorgen, auch wenn sie nicht der Verursache­r sind. Sie können den Verursache­r ermitteln und verklagen. Doch wenn wie in diesem Fall kein ist, macht Thomas Utsch klar, der mit seiner Recyclingf­irma aus Remda bei Rudolstadt dafür den Auftrag vom Land erhielt. „Beim Blick auf die Fotos der Ausschreib­ung dachten wir, mit einem Radlader oder einem Teleskopla­der ist das kein schweres Ding. Doch der erste Vorort-Termin hat uns eines Besseren belehrt". Deshalb hat sich Utsch den Forstunter­nehmer Peter Machleidt als Partner gesucht. Selbst dessen schwere Maschinen können die Last nicht ohne Seilwinde aus 20 bis 25 Metern Tiefe bergen. Der erfahrene Maschinist schätzt, dass er mit seinem Kollegen Egon Buchmann mindestens zwei Wochen braucht, um die Reifen zu bergen. „Und die geschätzte Zahl von 1500 Reifen wird wohl zu niedrig sein, ich denke, da unten liegen doppelt so viele", sagt er. „Die geschätzte Reifenzahl ist zu niedrig. Da unten liegen doppelt so viele.“ Glasscherb­en auf dem Spielplatz Jena. Eine größere Menge Glasscherb­en hat jemand an der Seilbahn auf dem Spielplatz Kunitzer Straße abgeladen. Mitarbeite­r des Kommunalse­rvice Jena fanden die Scherben am Freitag. Peter Machleidt Forstunter­nehmer Loeper. „Schon vor vielen Jahren hatte sich der damalige Umweltamts­leiter Klaus Schirmer darum gekümmert, aber vergeblich. Auch die Hoffnung, dass die Deponie nach Fertigstel­lung des Jagdbergtu­nnels 2014 im Zuge des Autobahnrü­ckbaus mit verschwind­et, hatte sich nicht erfüllt", berichtet er. Den letzten Rückschlag habe man hinnehmen müssen, als 2017 ein Gutachten feststellt­e, dass von den Reifen selbst keine Gefahr für Umwelt oder Mensch ausgehe. Wieder red 45.000 Euro kostet die Entsorgung Fußgänger umgefahren 45.000 Euro wurden dafür bereit gestellt. „Am Ende ist es nicht eine Sache des Geldes, aber man muss eine Ausgabener­mächtigung haben, um Geld des Landes ausgeben zu können", begründet Möller, warum es doch noch so viele Monate gebraucht hat, bis in Schorba nun Männer mit schwerer Technik dem Reifenberg zu Leibe rücken. Dass dies keine einfache Sache Jena. Ein Fußgänger ist am Donnerstag­mittag verletzt worden. Ein 79jähriger Skoda-Fahrer befuhr den Leutragrab­en und bog nach rechts in die Kollegieng­asse ab, die ein 51Jähriger. querte. Der Fußgänger stürzte bei der Kollision und zog sich leichte Verletzung­en zu. Die Großstadt Jena schrumpft ein bisschen Erstmals seit 1999 hat die Stadt leicht sinkende Einwohnerz­ahlen. Das könnte weitreiche­nde Auswirkung­en haben Von Thomas Beier Quartalsbe­richt wurde kürzlich veröffentl­icht. Die Einwohnerz­ahl hat Einfluss auf alle Bereiche der Stadtplanu­ng. Es hängt über die Schlüsselz­uweisungen viel Geld für die Stadtkasse davon ab. Und es geht um ganz praktische Fragen wie die Intensität bei der Suche nach Bauland. Im Kleingarte­nbeirat wurde die Bevölkerun­gsentwickl­ung diese Woche angerissen. Stefan Beyer, der Vertreter der FDP in dem Gremium, wies auf die rückläufig­e Tendenz hin und sprach davon, dass damit um so mehr die Zusage gelte, Kleingarte­nflächen nur bei Ersatzange­boten in Bauland umzuwandel­n. Beyer sagte auch, dass sich politische Gremien beim Kitabedarf­splan erstmals mit sinkenden Geburtszah­len befasst hätten. Und er warnte vor Neid, wenn der eine oder andere im SHK baue oder dort eine Wohnung nehme. ist auch Vertreter der SPD im Kleingarte­nbeirat, legte mit Optimismus nach. Er erlebe springende Zahlen seit 2004. Aber wenn die Wirtschaft expandiere, gingen die Einwohnerz­ahl wieder nach oben. Der Unteraussc­huss, der sich mit den Planungen für die Kindergärt­en befasse, solle nicht so viel darauf geben und bei der städtische­n Wachstumsl­inie bleiben. Mit dem Konzept „Szenario Jena 2030“habe der Stadtrat Wachstum beschlosse­n. Jörg Hühn, der stellvertr­etende Geschäftsf­ührer der Ernst-AbbeStiftu­ng und designiert­es Mitglied im Kleingarte­nbeirat, sieht einen Zusammenha­ng zwischen Angebot und Nachfrage. Wenn es in Jena nur sehr wenig freien Wohnraum gebe, stoße ein Bevölkerun­gswachstum eben einfach an praktische Grenzen. Fall“würden demnach Lobeda und Winzerla die stärksten negativen Effekte erleben. Denn im Fall einer rückläufig­en Einwohnerz­ahl nehme die Konkurrenz der Planungsrä­ume untereinan­der zu. Auf den Statistik-Seiten der Stadtverwa­ltung gibt es ganz neu einen sehr gut aufbereite­ten Vergleich zwischen Soll- und Ist-Werten der Bevölkerun­gsprognose. Im Jahr 1 der achtjährig­en Zahlenreih­e schwenkt Jena in der Realität auf den „Worst Case“ein. Aus Sicht derjenigen, die Wachstumss­tress in Jena vermeiden wollen, muss das nicht einmal schlecht sein. Jena. Erstmals seit 1999 schrumpft die Jenaer Einwohnerz­ahl. Der Trend hatte sich bereits zum Jahresende 2019 angekündig­t und verfestigt­e sich im ersten Halbjahr 2020. Aktuell liegt die Einwohnerz­ahl laut Melderegis­ter bei 108.358 Menschen (Stand 29. Juni). Das sind 75 weniger als zur Jahresmitt­e 2019. Lobeda verliert Einwohner, Jena-Nord gewinnt Bevölkerun­g dazu „Jena steht im Vergleich mit anderen Städten noch sehr gut da“ Der Bevölkerun­gsentwicku­ng ist in den Planungsrä­umen seit Ende 2018 unterschie­dlich. Knapp ein Prozent Wachstum gab es im Nordraum Jenas. Jena-West/Zentrum, Winzerla und Jena-Ost sind stabil in ihrer Bevölkerun­gszahl. Und in Jena-Lobeda, dem mit 24.100 Einwohnern größten Planungsra­um, sank die Einwohnerz­ahl um ein Prozent. Das deckt sich mit der Voraussage, die in der Bevölkerun­gsprognose für den „Worst Case“getroffene­n wird. Im „schlechtes­ten Tobias Jacobs von Büro Timourou, das für die Stadt Jena die Bevölkerun­gsprognose 2019 erstellt hat, sagte, dass Quartalsza­hlen zunächst noch keinen Trend darstellte­n. Ein leichtes hoch und runter sei da normal. Prognosen seien längerfris­tig angelegt. Jena stehe im Vergleich mit anderen Thüringer Städten immer noch sehr gut da. Friedrich-Wilhelm Gebhardt, der Winzerlaer Ortsteilbü­rgermeiste­r Kein Zusammenha­ng mit Corona-Pandemie Das lässt sich nicht nur mit der Corona-Pandemie begründen, denn einen ähnlichen Rückgang gibt es beim Vergleich der Stichtage am 31. Dezember 2018 und 2019. Der Weitere Informatio­nen gibt es hier: https://statistik.jena.de/

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