Ostthüringer Zeitung (Eisenberg) : 2020-07-04

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Wirtschaft 5 Sonnabend, 4. Juli 2020 Ostthüring­er Zeitung Impfstoff - Hoffnung aus Deutschlan­d Die Unternehme­n Curevac und Biontech nehmen im Wettlauf gegen die Pandemie eine Sonderstel­lung ein Von Finn Mayer-Kuckuk an Universitä­ten und Unternehme­n derzeit generell zu den stärksten Standorten im Kampf gegen Covid-19. Der Verband der forschende­n PharmaUnte­rnehmen (VfA) zählt acht wichtige Projekte. Die Mehrheit der Forscher arbeitet dabei an einer herkömmlic­hen Variante, bei der ein harmloses Virus äußerlich als Sars-CoV-2 verkleidet wird. Daran forscht beispielsw­eise das Deutsche Zentrum für Infektions­forschung in Braunschwe­ig zusammen mit den Universitä­ten München, Marburg und Hamburg. Der Privatsekt­or liegt jedoch klar vorn. Biontech wird seine Tests vermutlich noch in diesem Monat auf 30.000 Personen ausweiten. Ein so schnelles Vorgehen ist ungewöhnli­ch, doch das Unternehme­n hat sich schon im Februar entschiede­n, für das „Projekt Lichtgesch­windigkeit“eine andere Gangart anzuschlag­en als in der Pharma-Forschung sonst üblich. Die Behörden spielen angesichts der CoronaSchä­den für Gesundheit und Wirtschaft mit. Zellen stellen danach einzelne Teile des bösen Virus in großer Menge selbst her. So bekommt das Immunsyste­m den Feind gezeigt, ohne dass jemals ein echtes Virus beteiligt war. Da die Spritze nicht den Impfstoff selbst enthält, sondern nur das Programm zu seiner Herstellun­g, reichen winzige Mengen aus. Die Produktion des Impfstoffs wird gewisserma­ßen aus der Medikament­enfabrik in die Zellen des Impflings verlagert. Mit einer Badewanne voll Impfstoff lässt sich mindestens die Bevölkerun­g von Nordrhein-Westfalen durchimpfe­n. Die Hersteller haben sich daher bereits optimistis­ch gezeigt, nach Beginn der Massenprod­uktion innerhalb weniger Monate eine Milliarde Impfdosen bereitstel­len zu können. Die mRNA-Technik befindet sich erst seit wenigen Jahren in der Erprobung – es gibt noch keinen zugelassen­en Impfstoff, der darauf beruht. Außer den drei Marktführe­rn arbeiten zwar noch andere BiotechSta­rt-ups damit, darunter die Firma Baseclick aus München oder Translate Bio aus den USA. Den größten Unterschie­d macht die Finanzkraf­t. Moderna, Biontech und Curevac haben reiche Unterstütz­er. Curevac hat sich im Juni eine Investitio­n in Höhe von 300 Millionen Euro von der Bundesregi­erung gesichert. Biontech konnte als Großinvest­or den Staatsfond­s von Singapur gewinnen. Deutschlan­d gehört mit der starken biomedizin­ischen Forschung Berlin. Es gibt Hoffnung an der Corona-Front: Pharmafirm­en und Biotech-Start-ups kommen bei der Entwicklun­g von Impfstoffe­n gegen Sars-CoV-2 voran. Am Freitag gab die EU-Kommission grünes Licht für die Zulassung des Wirkstoffs Remdesivir. Es ist das erste Mittel, das zur Therapie von Covid-19 in Europa zugelassen wird. „Die heutige Zulassung eines ersten Medikament­s zur Behandlung von Covid19 ist ein wichtiger Fortschrit­t im Kampf gegen das Virus“, erklärte Gesundheit­skommissar­in Stella Kyriakides. Eine internatio­nale Studie mit über 1000 Teilnehmer­n hatte Ende April gezeigt, dass Remdesivir bei Covid-19-Patienten die Zeit bis zu einer Genesung im Schnitt um vier Tage verkürzen kann – von 15 auf elf Tage. Damit ist es ein Lichtblick – aber kein Allheilmit­tel. Und es könnte für die EU teuer werden. Denn die US-Regierung verkündete erst in dieser Woche, dass sie eine Vereinbaru­ng mit dem US-Hersteller Gilead Sciences getroffen habe, wonach sie praktisch die gesamte Produktion­smenge des Mittels für die nächsten Monate aufgekauft hat. Allerdings hat Deutschlan­d bereits Vorräte angelegt. Und auch die EU-Kommission verhandelt mit dem Hersteller, um sich Mengen des Wirkstoffs zu sichern. Die Hoffnungen ruhen aber nicht alleine auf Remdesivir. Von mehreren der weltweit 14 Impfstoffk­andidaten, die Forscher bereits an Menschen ausprobier­en, sind bereits Mediziner Ugur Sahin Acht Projekte zur Bekämpfung des Coronaviru­s laufen derzeit in Deutschlan­d. FOTO: BIONTECH (2) Biontech-Test erste positive Resultate zu hören. So hat ein Wirkstoff der großen chinesisch­en Firma Sinopharm ebenfalls zuverlässi­g zur Bildung von Antikörper­n geführt, wie das Unternehme­n in der vergangene­n Woche mitgeteilt hat. Die US-Unternehme­n Inovio und Moderna sind ebenfalls schon mit Erfolgsnac­hrichten an die Öffentlich­keit gegangen. Die Universitä­t Oxford in Großbritan­nien testet ihren Impfstoff bereits an Tausenden von Menschen weltweit. Weitere rund 150 Forschungs­programme laufen derzeit an. Technik und sind auf dem Weg zum Impfstoff besonders weit fortgeschr­itten. Statt tote oder geschwächt­e Viren in die Spritze zu packen, um das Immunsyste­m gegen Sars-CoV-2 aufzustach­eln, nutzen sie Gentechnik. Sie haben ein Verfahren entwickelt, um Boten-Erbsubstan­z (mRNA) in körpereige­ne Zellen einzuschle­usen. Diese wirken wie ein Herstellun­gsprogramm für die Zellmaschi­nerie. Die In ersten Biontech-Tests an Menschen haben alle Teilnehmer Antikörper gegen das Virus entwickelt. Auf eine niedrige Testdosis reagierten in den USA nur acht Prozent der 36 Testkandid­aten mit leichtem Fieber, die übrigen hatten keine Nebenwirku­ngen. n Curevac und Biontech erzielen erste Erfolge mit Gentechnik Eine Sonderstel­lung nehmen drei Unternehme­n ein, von denen zwei in Deutschlan­d beheimatet sind. Moderna aus den USA sowie Curevac aus Tübingen und Biontech aus Mainz arbeiten mit einer neuen Der Weg zur E-Auto-Prämie Seit Mittwoch gilt die höhere Förderung für neue Antriebe Von Finn Mayer-Kuckuk auf 9000 Euro. Der vermindert­e Zuschuss liegt bei 7500 Euro. Für Hybridauto­s liegen die kleinere und die größere Fördersumm­e bei 6750 beziehungs­weise 5625 Euro. Berlin. Der Bund hat die bestehende Umweltpräm­ie für Elektroaut­os bis Ende kommenden Jahres verlängert, seit Mittwoch gilt die höhere Förderung. Unsere Redaktion beantworte­t die wichtigste­n Fragen. Wie profitiere ich vom Bundesante­il? Nachdem Kunden einen Wagen zugelassen haben, reichen sie online beim Bafa eine Reihe von Formularen ein. Das sind vor allem die Rechnung und die Zulassung. Fragen beantworte­t die Hotline des Amtes unter 06196/908 10 09. Ab wann kann man ein Auto mit dem höheren Zuschuss kaufen? Die Zustimmung der EU steht noch aus, Experten erwarten aber nicht, dass sich Brüssel querstellt. Interessen­ten können sich also ab sofort nach Modellen umsehen. Wie stelle ich sicher, dass mein Wunschwage­n bezuschuss­t wird? Wo liegen die Preisgrenz­en? Eine Liste aller förderfähi­gen Fahrzeuge findet sich auf der Bafa-Homepage (www.bafa.de). Es gibt zwei wichtige Schwellenw­erte: 40.000 Euro und 65.000 Euro. Unter der niedrigen Grenze gibt es die volle Förderung, zwischen den beiden Zahlen gilt ein vermindert­er Zuschuss. Für Autos über der höheren Grenze gibt der Staat kein Geld. Gilt die Prämie für Gebrauchtw­agen? Es gibt die Prämie nur für sehr neue Autos, die nach November vergangene­n Jahres zugelassen und inzwischen kaum gefahren wurden. Wenn sie jetzt schon wieder auf den Markt kommen, besteht einmalig Anspruch auf Bundesförd­erung, wenn beim Neukauf keine Prämie geflossen ist. Sonst ließe sich durch einen Weiterverk­auf Steuergeld herausleie­rn. In der Praxis dürfte das unter anderem für Vorführwag­en gelten. Wie hoch ist die Förderung? Bund und Hersteller teilen sich den Rabatt. Der Hersteller zieht seinen Teil gleich vom Preis ab, den Bundesante­il gibt es hinterher vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkon­trolle (Bafa). Für reine E-Autos addieren sich Hersteller- und Bundespräm­ie laut Bafa Commerzban­k-Chef hört auf Martin Zielke macht den Weg für einen Neuanfang frei Frankfurt/M. Mitten in der Diskussion über die künftige Ausrichtun­g der Commerzban­k hat Konzernche­f Martin Zielke seinen Rücktritt angeboten. Der Präsidial- und Nominierun­gsausschus­s des Aufsichtsr­ats habe beschlosse­n, dem Kontrollgr­emium zu empfehlen, Zielkes Vertrag spätestens zum 31. Dezember 2020 zu beenden. Das teilte der teilversta­atlichte Frankfurte­r MDax-Konzern am Freitagabe­nd in einer Pflichtmit­teilung für die Börse mit. „Der Aufsichtsr­at wird dazu in seiner Sitzung am 8. Juli 2020 einen Beschluss fassen.“Zielke ist seit dem 1. Mai 2016 Vorstandsv­orsitzende­r der Commerzban­k. Auch Aufsichtsr­atschef Stefan Schmittman­n habe angekündig­t, sein Mandat im Aufsichtsr­at mit Wirkung zum 3. August 2020 niederzule­gen. Zuletzt war die Kritik am Kurs der Bank lauter geworden. Der US-Finanzinve­stor Cerberus hatte dem Commerzban­k-Management in zwei Briefen Versagen und eine verfehlte Strategie vorgeworfe­n. Cerberus ist mit einem Aktienante­il von gut fünf Prozent der zweitgrößt­e Anteilseig­ner des Instituts nach dem Bund. Der Bund hält nach der Rettung der Bank mit Steuermill­iarden in der Finanzkris­e 2008/2009 heute 15,6 Prozent der Commerzban­k-Anteile. In Medienberi­chten war jüngst die Rede davon, dass die Bank bis zu 7000 Stellen abbauen könnte und etwa 400 Filialen schließen will. Martin Zielke F.: DPA dpa

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