Ostthüringer Zeitung (Greiz) : 2020-07-03

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Kultur & Freizeit 10 Ostthüring­er Zeitung Freitag, 3. Juli 2020 TV-Star Charles Brauer wird 85 Elbphilhar­monie startet im September Hamburg. Mit der neuen Hamburger Corona-Verordnung steht auch der Start in die diesjährig­e Konzertsai­son der Elbphilhar­monie endgültig fest. Das Haus an der Elbe kann vom 1. September an wieder vor Publikum spielen. Die Konzertsai­son werde mit 620 Gästen im Großen Saal vom NDR-Elbphilhar­monie-Orchester unter Alan Gilbert eröffnet, wie der Norddeutsc­he Rundfunk mitteilte. Zum Auftakt spielt das Orchester die Sinfonie Nr. 2 von Johannes Brahms. Zudem wird das Violinkonz­ert Nr. 1 von Sergej Prokofjew zu hören sein. Die Saison startet auch in der „Elphi“unter besonderen Bedingunge­n: Die Konzerte werden etwa eine Stunde dauern, und es wird keine Pause geben. Dafür sollen die meisten Konzerte zweimal hintereina­nder gespielt werden. Auf allen Laufwegen müssen Mund-Nase-Masken getragen werden. An der Seite von Manfred Krug feierte er als singender „Tatort“-Kommissar seinen größten Triumph Von Ulrike Cordes Berliner Privatbühn­en folgten. Im Jahr 1956 wurde Brauer an das Deutsche Schauspiel­haus Hamburg verpflicht­et, wo er 20 Jahre lang im Ensemble blieb. Sein erster Intendant war der legendäre Theaterman­n Gustaf Gründgens (1899–1963). „Ich hatte das Glück, mit vielen sehr guten und unterschie­dlichen Regisseure­n arbeiten zu dürfen. Und von allen habe ich gelernt – hört ja nicht auf, das Lernen“, meint Brauer. Hamburg/Basel. Seit mehr als 70 Jahren ist er im Geschäft sowie seit gut 60 Jahren ein Fernsehsta­r. Mindestens zwei Mal hat Charles Brauer dabei TV-Geschichte geschriebe­n. Das soll dem in Berlin geborenen, unprätenti­ös wirkenden Schauspiel­er erst einmal einer nachmachen. Besonders an seine Paraderoll­e als singender Hamburger „Tatort“Kommissar Peter Brockmülle­r zwischen 1986 und 2001 erinnern sich viele Zuschauer mit Begeisteru­ng. Da ermittelte der TV-Kommissar an der Seite von Manfred Krug (1937– 2016) alias Paul Stoever. Damals gab es zum Abschluss für die beiden nicht nur eine Goldene Kamera, sondern auch eine Goldene Schallplat­te für ihre swingenden Songs aus den NDR-Krimis. Unverdross­en beruflich aktiv ist Brauer bis heute. Am heutigen Freitag feiert er in seiner Wahlheimat Schweiz bei einer Bergtour mit der Familie seinen 85. Geburtstag. Privat glücklich, aber besorgt um die Welt „Gründgens war die erste wichtige Begegnung und das, zusammen mit einem wundervoll­en Ensemble, hat mich geprägt für alles, was vor mir lag“, resümiert der Künstler. Und wie geht es ihm in CoronaZeit­en? „Verglichen mit all dem Elend, das dieser Virus für so viele Menschen auf dieser Erde brachte, geht es mir sehr gut. Ich habe viel Zeit, befriedige­nde Dinge zu tun und zu erledigen, die lange aufgeschob­en waren“, lautet die Antwort Brauers, der mit seiner dritten Ehefrau und Mutter des jüngsten Sohns, der Bühnenbild­nerin Lilot Hegi (73), seit Jahrzehnte­n in einem Dorf bei Basel lebt. Zweite Gattin und Mutter seiner Zwillinge war „Diese Drombuschs“-Star Witta Pohl (1937–2011). Sorgen macht Brauer sich um die Zukunft der Welt. „Früher war wohl wirklich auch nix besser, aber dass wir alle und die politische­n Verantwort­lichen überall es nicht schaffen, die Armut und den Hunger zu bekämpfen und zu besiegen, ist deprimiere­nd und schlimm.“ dpa Zeichentri­ckserie wird neu aufgelegt New York. Schauspiel­er Charles Brauer 2018 bei der Aufzeichnu­ng der MDR-Sendung „Weihnachte­n bei uns“. Seit 60 Jahren tritt er regelmäßig im Fernsehen auf. Die erfolgreic­he Zeichentri­ckserie „Beavis and Butt-Head“kommt zurück. Der US-Sender Comedy Central habe zwei neue Staffeln bestellt, berichtete das Branchenbl­att „Hollywood Reporter“. Außerdem solle es Ableger und Spezialsen­dungen geben. „Es hat sich wie die richtige Zeit angefühlt, wieder blöd zu werden“, sagte „Beavis and Butt-Head“-Erfinder Mike Judge. Die Zeichentri­ckserie über zwei Freunde, die hauptsächl­ich MusikVideo­s schauen, schimpfen und Unsinn reden, war ursprüngli­ch in den 1990er-Jahren beim Musiksende­r MTV gelaufen und weltweit bekannt geworden. FOTO: MONIKA SKOLIMOWSK­A / DPA „Ich schreibe weiter, Sie lesen weiter!“ „Die Wächter“(2020). „I keep writing, you keep reading!“(Ich schreibe weiter, Sie lesen weiter!) würdigte ihn der amerikanis­che Bestseller­autor in einem Brief. All das begann quasi per Zufall 1946 zwischen den Trümmern der zerbombten Hauptstadt. Auf der Straße wurde der Junge, der damals noch Charles Knetschke hieß, für eine Rolle in der Defa-Produktion „Irgendwo in Berlin“angesproch­en – es wurde der zweite deutsche Film nach dem Krieg. Weitere Leinwandau­ftritte sowie Engagement­s auf Zum Publikumsl­iebling wurde der Schauspiel­er nach seiner Ausbildung auf der Berliner Max-Reinhardt-Schule deutlich früher: zwischen 1954 und 1960 in der ersten deutschen Familiense­rie „Familie Schölerman­n“. Unter der Regie von Ruprecht Essberger gab er den älteren Sohn Heinz. Längst gelangen Brauer außerdem bedeutende Erfolge im Theater. Und auch als Vorleser sämtlicher deutscher Hörbuch-Vertonunge­n der Justiz-Thriller von John Grisham seit dem Jahr 2000 – jüngst John Grisham, US-Bestseller­autor über Charles Brauer „Mit Dankbarkei­t und all den Gefühlen, die man empfindet, einen Freund gefunden zu haben, der nun leider nicht mehr da ist“, blicke er auf seine „Tatort“-Zeit zurück, sagt Brauer. Gerade erst war er als Kanzler Bismarck im Dokudrama „Unsere Geschichte – 125 Jahre NordOstsee-Kanal“zu erleben. An der Seite von Manfred Krug ist Brauer dem Publikum als singender TV-Kommissar Peter Brockmülle­r bekannt. dpa dpa FOTO: W. LANGENSTRA­SSEN / DPA FORTSETZUN­GSROMAN – FOLGE 83 „Carlotta oder Die Lösung aller Probleme“von Klaus Jäger U flapsig als „weg vom Fenster“bezeichnet­e. Wäre Heesters Frau eine Altenpfleg­erin gewesen, man hätte auch noch andere Motive hinterfrag­en können. Doch sie war Schauspiel­erin, selbst einigermaß­en erfolgreic­h, und so kam eigentlich nur noch Liebe infrage. Wo aber kommt sie her, so eine Liebe, wenn der Altersunte­rschied doch so groß ist? Stadler wollte keine Antwort auf diese Frage einfallen, dabei war er doch offenbar nun selbst von so einer seltsamen Liebesgesc­hichte betroffen. War er das wirklich? Er trat auf den Balkon hinaus. Wieder blickte er übers Meer, das hier auf der Insel allgegenwä­rtig war. Stadler hatte einmal in München so ein Pärchen kennengele­rnt. Sie war eine junge Literaturw­issenschaf­tlerin, die sich gelegentli­ch in Buchrezens­ionen versuchte, die dann in der Feuilleton-Redaktion des landeten. scheinbar nichts anhaben konnte. War nicht Michael Douglas 25 Jahre älter als Catherine Zeta-Jones. Und waren sie nicht ungeachtet dieses Unterschie­des ein Herz und eine Seele, auch wenn sich die Medien zu Beginn der Beziehung vor Häme schier zerfetzt haben. Hubert Burda und Maria Furtwängle­r waren, so glaubte er sich zu erinnern, noch weiter auseinande­r. Und waren die nicht ein durchaus ernstzuneh­mendes, ein seriöses Paar? Ein Paar, dem man nun wirklich nicht unterstell­en konnte, nur auf Schlagzeil­en aus zu sein? Einen Sonderfall schließlic­h stellten wohl Jopie Heesters und dessen zweite Frau Simone Rethel dar. Er war schon fast 90, als die beiden heirateten, sie war noch keine 50 Jahre alt. Stadler war geneigt, den beiden Liebe zu unterstell­en. Heesters war sicherlich nicht arm – aber er galt auch nicht als einer, dessen Millionen junge Frauen in Scharen anlockten. Und mit 90 war man dann doch ein bisschen das, was man schwer fiel, und betrachtet­e sich im Spiegel. Nicht wie ein eitler Gockel, sondern eher wie ein Naturforsc­her, der beim Spaziergan­g eine seltene Art entdeckt hatte. Aber es gab keinen Zweifel: Es konnte auch nichts Körperlich­es sein, was Carlotta an ihm begehrensw­ert fand. Sicherlich, er war nicht gerade ein Ausbund an Hässlichke­it, er war groß gewachsen und stattlich, hatte kein unangenehm­es Äußeres. Doch er schleppte bestimmt 20 Kilogramm zu viel mit sich herum, er hatte weißes und dünnes Haar, man sah ihm jedes einzelne seiner 54 Jahre an, kurz, er fand nichts an sich, was eine junge Frau anziehend finden konnte. Höchstens seine Lippen, dachte er in einem Anflug von Koketterie. Sie waren groß und weich, und er glaubte, ganz passabel küssen zu können. Was also treibt eine junge Frau zu einem alten Mann? Schließlic­h, es gab prominente Paare, denen der Altersunte­rschied nd fast immer haben die älteren Herren jüngere Partnerinn­en gewählt. Oder war es vielleicht umgekehrt, haben die jungen Frauen gewählt und erlagen die älteren Männer deren Verführung­skünsten? Viele Männer machten sich dabei zu Narren, nicht nur Schauspiel­er und Sportler. Vielen der jungen Frauen sah man die Motive ihrer Wahl schon an der Nasenspitz­e an. Manchmal merkte man es auch an ihrem Intellekt. Glaubten diese Männer denn wirklich, dass die jungen Dinger sie lieben würden? Lächerlich. Die waren auf Publicity aus. Und auf Geld. Geld und Ansehen waren schon immer starke Triebkräft­e in solchen ungleichen Beziehunge­n. Ach ja, Macht kam auch noch dazu. Dann waren da noch die testostero­ngesteuert­en Reichen, die eine junge Frau an ihrer Seite brauchten wie eine edle Uhr am Handgelenk – nur zum Angeben und zum Streicheln ihres Egos. Eine Art Selbstbefr­iedigung in Anwesenhei­t des anderen Geschlecht­es. In Italien, einem Land, von dem er sich sicher war, dass es den klassische­n Playboy erfunden hat, musste man überhaupt nicht lange suchen. Bei Silvio Berlusconi, da war sich Stadler sicher, waren es genau 20 Jahre Altersunte­rschied. Und zwar bei der Ehefrau. Das Bunga-BungaMädch­en, das er sich wohl gekauft hatte, war ja selbst noch keine 18. Und Flavio Briatore erst. Ein Industriel­ler, der das Playboy-Image noch mehr pflegte als seine graue Mähne. Das Model Heidi Klum hatte ihn zwischen ihren zwei Ehen erobert, vielleicht war es auch umgekehrt, und sich von ihm schwängern lassen. Das müsste 2003 gewesen sein – Stadler war schon ein paar Jahre in Rom und der Fall machte gerade in der Boulevardp­resse richtig Schlagzeil­en. Heute ist Briatore mit der 30 Jahre jüngeren Elisabetta Gregoraci verheirate­t, die ihm im Vorjahr Söhnchen Falcone geschenkt hat. Ein geläumerkw­ürdigerwei­se terter Playboy, so wie einst Gunter Sachs, der sich in späten Jahren noch als Fotograf einen Namen gemacht hat? Wer weiß das schon? Aber wie war es bei ihm selbst, fragte er sich. Ein Playboy war er gewiss nicht, und Geld konnte es auch nicht sein, was ihn für Carlotta attraktiv machte. Was war es also? Stadler stand auf, was ihm heute Boten Fortsetzun­g folgt

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