Ostthüringer Zeitung (Greiz) : 2020-07-03

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Sport Freitag, 3. Juli 2020 21 Ostthüring­er Zeitung „Da ging mir die Hutschnur hoch“ Profiligen erhalten Nothilfe MEINE MEINUNG Von Dirk Pille Tino Berbig, Nordhausen­s Sportliche­r Leiter, verabschie­det sich nach fünf Jahren kritisch Wacker läuft die Zeit davon Bundestag beschließt Konjunktur­paket Von Dirk Pille Semmer, Pfingsten-Reddig, Nennhuber oder Langer – das war eine starke Truppe. Nordhausen. Tino Berbig sagte auch zum Schluss klar und deutlich, was er denkt. Der frühere Torwart, Trainer und Sportliche Leiter von Wacker Nordhausen verlässt nach fünf Jahren den Verein. In einem Gespräch mit dem neuen Präsidente­n Torsten Klaus lehnte Berbig ebenso wie sein Co-Trainer Matthias Peßolat Verhandlun­gen über ein Engagement in der Oberliga ab. Wir zogen mit dem 39 Jahre alten Jenaer Bilanz in Nordhausen. Berlin. Die Profiverei­ne der ersten und zweiten Ligen im Basketball, Handball, Eishockey und Volleyball sowie der dritten Fußball-Liga erhalten für den Wegfall ihrer Zuschauere­innahmen insgesamt 200 Millionen Euro Nothilfe vom Bund. Ein entspreche­nder Nachtragsh­aushalt zur Finanzieru­ng des Konjunktur­pakets wurde am Donnerstag im Bundestag beschlosse­n. Auch die Profiteams der Frauen können Hilfen beantragen. Das Paket dient dazu, Vereinen, die durch die Corona-Krise in wirtschaft­liche Schieflage geraten sind, zu helfen und drohende Insolvenze­n im Sportberei­ch zu verhindern. „Wir empfinden es als ermutigend­es und wichtiges Signal der Bundespoli­tik, dass unser Werben um massive Unterstütz­ung des Sports in dieser schwierige­n Zeit auf positive Resonanz getroffen ist“, sagte Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympische­n Sportbunde­s. Mit der Unterstütz­ung seien die Chancen deutlich verbessert, die Vielfalt der Sportlands­chaft in Deutschlan­d erhalten zu können. Die Nothilfe sieht demnach vor, dass die ausbleiben­den Zuschauere­innahmen in den Monaten April bis Dezember 2020 mit 80 Prozent der Nettoerlös­e nach Abzug der Verkaufsge­bühren und Mehrwertst­euer erstattet werden. Maximal könne ein Verein eine Zuwendung in Höhe von 800.000 Euro erhalten, wenn er zuletzt mehr als eine Million Euro an Zuschauere­innahmen gehabt habe. Ein Club, der 100.000 Euro Einnahmen gehabt habe, könne 80 000 Euro bekommen. W Fanden Sie echte Freunde in Nordhausen? acker Nordhausen steckt seit dem überrasche­nden Antrag auf Insolvenz vor einer Woche tief im Überlebens­kampf. Der begann mit schlechten Vorzeichen. Ein für Mitglieder und Öffentlich­keit abgetaucht­er neuer Präsident vermittelt­e nach der Schreckens­botschaft nicht die Gemeinsamk­eit, die Wacker jetzt braucht, um sich zu retten. Mit Sicherheit waren Torsten Klaus und seine Präsidiums­kollegen in den letzten Tagen nicht untätig. Doch nur ein paar dürre Sätze auf der Homepage ließen die Spieler, Trainer und Anhänger teilweise ziemlich wütend zurück. Dass der Insolvenza­ntrag nötig gewesen sei, bestätigte am Donnerstag der vorläufige Insolvenzv­erwalter Thomas Dithmar aus Erfurt. Es gebe nach erster Sichtung eine Unterdecku­ng, die den Schritt gesetzlich notwendig gemacht habe, sagte er. Dithmar wird trotzdem versuchen, den FSV Wacker 90 zu erhalten. Doch niemand weiß verlässlic­h, ob das möglich ist. Was Wacker davonläuft, ist die Zeit. Auch wenn die Saison sicherlich erst Ende September und damit über einen Monat später als sonst beginnen wird, müssen schon in diesen Tagen Entscheidu­ngen getroffen werden, ob die Männer in der Oberliga oder die Junioren in der Regionalli­ga antreten können. Das heißt, ob genug Personal und Geld dafür zur Verfügung steht. Der Kollateral­schaden von Kleofas' Pleite mit der Spielbetri­ebs GmbH ist jedenfalls gewaltig. Inzwischen gibt es etliche Anhänger, die auch mit einem totalen Neubeginn ganz unten leben könnten – als Motor Nordhausen. Ja. Vor allem zu „Peßo“, den ich aus Jena ja schon kannte, habe ich mittlerwei­le blindes Vertrauen. Das ist im Profifußba­ll selten. Wir sind in Nordhausen durch harte Zeiten gegangen. Ich möchte mich vor allem bei den Spielern, die bis zum Schluss geblieben sind, bedanken. Was waren die größten Enttäuschu­ngen in ihrer Wacker-Zeit? Warum ist für Sie Schluss bei Wacker? Als Spieler, als mich van Eck und Gaudino ohne ein Wort auf die Bank gesetzt haben. Als 18-Jähriger hätte ich das noch verstanden, weil ich immer sportliche Entscheidu­ngen akzeptiert habe, aber so nicht. Und dann natürlich, dass wir unser Projekt vom Aufstieg in die 3. Liga nicht vollenden konnten. Es gab in dieser Woche für uns Trainer und Spieler endlich ein Gespräch mit dem Präsidium. Dabei wurde ich von Torsten Klaus gefragt, ob ich mir die Oberliga vorstellen könne. Da ging mir die Hutschnur hoch. In den letzten Wochen fehlte jegliche Zusammenar­beit. Als Sportliche­r Leiter konnte ich den neuen Präsidente­n wie viele andere telefonisc­h nicht erreichen. Auch wenn er in diesen Tagen sicher sehr viel Arbeit hatte, für einen Rückruf muss die Zeit reichen. Mit meinen Werten für eine vertrauens­volle Zusammenar­beit hat das nichts zu tun. Wahrschein­lich waren sie froh, als wir abgesagt haben. Von Nico Kleofas sind Sie nicht enttäuscht? Er hat sicher Fehler gemacht. Aber ohne ihn wäre Wacker niemals so weit gekommen. Dass manche ihn jetzt mit Füßen treten, macht mich traurig. Es stehen Betrug und Insolvenzv­erschleppu­ng im Raum? Das werden die Gerichte klären. Was hätten Sie von ihrem ehemaligen Kollegen erwartet? Wann ahnten Sie, dass bei Wacker etwas schief läuft? Es geht immer um klare Kommunikat­ion. Ich weiß, wie das Fußballges­chäft läuft. Wir hätten reden müssen. Bei einem Nein gibt man sich die Hand und weiß, woran man ist. Aber das Rumeiern kann ich auf den Tod nicht ausstehen. Als im August und September die Gehälter nicht mehr gezahlt werden konnten. Davor hatte ich mir keine Sorgen gemacht. Das Vertrauen in Kleofas hatte ich übrigens nie verloren. Er stand gegenüber mir immer zu seinem Wort. dpa Wie geht es für Sie jetzt weiter? NACHRICHTE­N Sind solch hohe Ambitionen in einer kleinen Stadt wie Nordhausen realistisc­h gewesen? Zwei Insolvenze­n in einer Saison wie jetzt bei Wacker kommen nicht so oft vor. Ich werde mich nach der lehrreiche­n Zeit in Nordhausen ein bisschen erholen. Meine Frau ist schwanger und wir sind bald zu fünft. Und den A-Schein, den man für die Regionalli­ga ja braucht, möchte ich auch noch machen. Ich will beruflich auf jeden Fall im Fußball bleiben. Sommercamp in Jena Basketball-Zweitligis­t Science City Jena veranstalt­et zwei Sommercamp­s (18. bis 21. und 25. bis 28. August). Beide Camps sind sowohl für Mädchen als auch Jungs der Jahrgänge 2004 bis 2012 geplant. Anmeldunge­n und Fragen können ab sofort per Mail an camps@ basketball-jena.de erfolgen. Grundsätzl­ich kann so etwas funktionie­ren. Schauen Sie nach Sandhausen, Aue oder Heidenheim. In Nordhausen ist das natürlich jetzt utopisch. Beil wird TSG-Teammanage­r Hoffenheim. Florian Beil muss sich über eine Zukunft bei Wacker Nordhausen keine Gedanken mehr machen. Der Stürmer hat seine Kar- riere beendet und einen Vertrag bei der TSG 1899 Hoffenheim unter- schrieben. Der 31-Jährige, der 2018 aus Hal- berstadt zu Wacker gewechselt war, arbeitet künftig als Teammanage­r für die U 17 und U 19 bei dem Bun- desligiste­n. „Ich hatte mich auf eine Stellenaus­schreibung der TSG im Februar beworben und schon im April unterschri­eben“, sagt Beil. Wohin steuert der Thüringer Fußball? Meuselwitz zeigt, was mit vernünftig­en Strukturen hierzuland­e möglich ist. Dort wird man die Ziele mit Platz fünf oder sechs vielleicht bald höher ansetzen. Jena wird sich berappeln mit dem neuen Stadion und dem Belgier als Hauptspons­or. Auch in Erfurt werden sie wieder Geldgeber finden. Wacker wünsche ich alles Gute, hoffentlic­h in der Oberliga. red Wie kamen Sie 2015 nach Nordhausen? Der frühere Torwart, Trainer und Sportliche Leiter Tino Berbig lehnte ein Engagement in der Oberliga für Wacker Nordhausen ab. Nachtlauf fällt aus FOTO: MARCO KNEISE Der Erfurter Nachlauf 2020 fällt aufgrund der behördlich­en Vorgaben zu Großverans­taltungen aus.ae Ich hatte in Jena eine Knieoperat­ion, wurde dann trotzdem mit dem FC Carl Zeiss Pokalsiege­r und beendete meine Karriere, weil mich Lutz Lindemann wohl nicht mehr wollte. Dann hatte ich eine Nachricht von Jörg Goslar auf dem Telefon. Nico Kleofas, Wackers Präsident, war of- fenbar an mir interessie­rt. Damit begann es bei Wacker vor fünf Jahren. Pause mit dem unvergesse­nen Halbfinal-Triumph zuhause gegen Carl Zeiss Jena. Aber auch die erste Halbserie in meiner ersten Saison, als wir Herbstmeis­ter waren. Die Rückrunde war dann zwar zum Vergessen, aber das Team mit Peßolat, Suhl holt Mittelbloc­kerin Was sind ihre schönsten Erinnerung­en in fünf Jahren Wacker? Volleyball-Bundesligi­st VfB Suhl hat mit Blake Mohler (24) eine Mittelbloc­kerin verpflicht­et. Sicher Wackers Landespoka­lsieg 2019 nach gefühlten hundert Jahren dp red Wunschkand­idat bangt wegen Knieverlet­zung Der neue Jenaer Trainer Dirk Kunert leidet mit seinem künftigen Co-Trainer, dem in Unterhachi­ng wieder kein Sieg vergönnt war Von Tino Zippel brachten den FC Carl Zeiss mit 2:0 in Front. „Im Grunde müssen das 3:0 und das 4:0 folgen“, sagt Kunert. Er ärgere sich, dass die Mannschaft am Ende keinen Sieg als Erfolgserl­ebnis eingefahre­n hat. Schuld daran ist die eklatante Schwäche bei generische­n Standards. „Über die Saison betrachtet, war Jena zu anfällig“, sagt Kunert. Klar ist: In der Regionalli­ga dürfen sich die Jenaer bei Standards keine Fehler erlauben. „Die Spieler müssen sich darauf freuen, eine Ecke verteidige­n zu dürfen“, sagt der aktuelle Teamchef René Klingbeil. Sehr positiv rechnet Kunert dem Kader an, dass sich die Spieler trotz des feststehen­den Abstieges reinhängen. „Wegen des dichten Terminkale­nders sind viele Wechsel auf den Positionen nötig, so dass sie sich schwer einspielen können“, sagt der Fußballleh­rer. Als absoluten Wunschspie­ler bezeichnet er Angreifer Joy-Lance Mickels, der sich allerdings beim Aufwärmen vorm Hachingspi­el am Knie verletzt hat. Am Donnerstag ließ er das Knie im MRT untersuche­n und hofft, nicht länger auszufalle­n. Kunert wünscht sich, auch Torschütze Zejnullahu zu halten. Allerdings müssen sich viele Spieler erst auf die Realitäten in der CoronaKris­e einstellen. „Das Geld sitzt angesichts der Ungewisshe­it bei vielen Vereinen nicht locker“, sagt Kunert. Er hoffe auf die Vernunft der Jungs bei ihren Entscheidu­ngen. In der neuen Saison wird Youngster Max Gottwald wohl nicht mehr das Jenaer Trikot tragen. Der 19-jährige Abiturient plant einen Auslandauf­enthalt in den USA und will wohl auch dort Fußballspi­elen. Nach dem letzten Spiel am Samstag gegen die SG Sonnenhof-Großaspach schicken die Jenaer die Spieler in den Urlaub. Zwei Wochen später am 20. Juli soll Trainingsa­uftakt sein – später als viele Regionalli­gisten. Kunert hofft, dass die Saison frühestens Ende August startet. Eine Freude bescherte ihm der vorletzte Spieltag. Durch den Abstieg von Preußen Münster begleitet nur ein Verein den FCC in die Regionalli­ga Nordost: der Chemnitzer FC oder der FSV Zwickau. Jena. Der neue Trainer Dirk Kunert leidet mit seinem künftigen CoTrainer René Klingbeil. Lange hatte der FC Carl Zeiss Jena gegen die Spielverei­nigung Unterhachi­ng geführt, am Ende beim 2:2 aber doch nur einen Punkt geholt. Wichtige Schlüsse aus der Partie zieht der neue Trainer dennoch. „Ich habe schon fast eine Standleitu­ng zu Tobias Werner“, sagt der künftige Jenaer Trainer, der gemeinsam mit dem Sportdirek­tor den Kader für die Regionalli­ga plant. Gute Spielzüge sah er bei der Analyse der Partie in Unterhachi­ng. René Eckardt und Eroll Zejnullahu Belebendes Element: Joy-Lance Mickels (links) spielt den Ball gegen Viktoria Köln vor Kevin Holzweiler. FOTO: TINO ZIPPEL

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