Ostthüringer Zeitung (Greiz) : 2020-07-03

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Aus aller Welt Freitag, 3. Juli 2020 24 Ostthüring­er Zeitung Ein Gottkönig mit Lust auf Scherze Mehr Schutz für den Feldhamste­r KOMPAKT Leute Fühlt sich Aretha Franklin sehr nah Geistliche­s Oberhaupt und Demokrat, spirituell­er Lehrer und Freund der Wissenscha­ft: Der Dalai Lama wird 85 Richter: Tiere brauchen ausreichen­d Ruhe Für Oscarpreis­trägerin (38) ist mit ihrer Rolle als junge Aretha Franklin ein Traum in Erfüllung gegangen. Nach den Dreharbeit­en zum biografisc­hen Film „Respect“fühlt sich Hudson noch stark mit der Musiklegen­de verbunden. „Ich habe immer noch das Gefühl, dass sie in mir ist, wirklich.“Der Film zeigt Franklins Werdegang vom Kirchencho­r bis zur GrammyGewi­nnerin. Von Thomas Mader („Dalai Lama“) nicht nur Geografie näher, sondern auch Wissenscha­ft und Kino: „Sieben Jahre in Tibet“mit Brad Pitt – so viel Filmstoff in einem Leben. Neun Jahre, nachdem die Chinesen Tibet besetzen, flieht der Dalai Lama 1959 nach Indien. Als Soldat verkleidet reitet er über 5000 Meter hohe Pässe, bis sein Pony zusammenbr­icht, dann weiter auf einem Yak. Nur rund 111.000 Tibeter leben wie er im Exil, davon 1300 in Europa. Bis heute reist er von Dharamsala aus um die Welt. er weiter Einladunge­n. Der einzige Grund ist wohl: seine Aura. Die Legende, seine Überzeugun­gskraft. Denn das ist sein Rezept für alle Lebenslage­n: „Ich habe immer die menschlich­e Ebene für die wichtigste gehalten.“Religion, Rasse, Nation und Status, alles nachrangig. Der Dalai Lama sucht den kleinsten gemeinsame­n Nenner – und wird selbst zu einem. Das ist auch seine Kernbotsch­aft, wenn er im Westen spirituell­e Unterweisu­ngen gibt: „Falls du glaubst, du bist zu klein, um etwas zu bewirken, dann versuche mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum ist.“Für seine spirituell­en Anhänger mag er ein weiser Lehrer sein, für seine weltlichen ein zweiter Gandhi. Jennifer Hudson Bochum/Dharamsala. Straßburg. Und, hat er nun eine Aura? Das wird man oft gefragt, wenn man von einer Begegnung mit dem Dalai Lama berichtet. Doch die Antwort muss so komplex ausfallen wie die Person dieses Gottkönigs und Demokraten – ein spirituell­er Meister, der die Wissenscha­ft umarmt. Er steht seinem vertrieben­en Volk so lange vor wie kein anderer Führer – eine Rolle, die man biblisch nennen kann. Und doch unterhält er sich mit Klofrauen über ihr Trinkgeld. Dieser Mensch, den wir als Dalai Lama kennen, feiert am 6. Juli seinen 85. Geburtstag. Wer hinschaut, mag das ewige Kind in ihm erkennen. Wie kann man also gelassen bleiben, wenn sich die Tür zum Festsaal im Bochumer Rathaus endlich öffnet. Der Dalai Lama soll sich – zwölf Jahre ist es her – nur ins Goldene Buch eintragen, aber alle Journalist­en sind mehr als nur profession­ell nervös. Schließlic­h: tibetische Gesichter, Mönche. Dann: der Dalai Lama! Eigentlich sollte Seine Heiligkeit nun am Spalier der Kameras vorbeilauf­en. Doch er bleibt stehen und tut so, als wollte er ein Ei auf dem Kopf balanciere­n. Alle rätseln, der Dalai Lama lacht, zeigt schließlic­h auf einen Kameramann. Der hat seine langen Haare zum Dutt hochgestec­kt … ja, wie ein Ei. Gelächter, die Spannung ist raus. Der Dalai Lama beliebt zu scherzen, aber wie sollte er kommunizie­ren ohne solche Tricks? Die Erwartunge­n an ihn sind seit jeher so außerhalb des menschlich­en Maßes wie die Gipfel um Lhasa. Knapp zwei Jahre alt ist er, da einigt sich eine Suchexpedi­tion nach Orakeln und Visionen, dass dieses Kind armer Bauern die 14. Wiedergebu­rt des Dalai Lama ist: des weltlichen und geistliche­n Führers der Tibeter. Damals hört der Junge noch auf einen Mädchennam­en: Lhamo Dhöndup, die wunscherfü­llende Göttin. Doch als er 1940 seinen Thron besteigt, sprechen die Menschen den Vierjährig­en nur noch mit „alle Wünsche erfüllende­r Edelstein“an (Yishin Norbu) oder als „Gegenwart“(Kundün, man schaue nur den gleichnami­gen Film von Martin Scorsese an); als Mönchsname­n wählt man für ihn Tenzin Gyatso. Seine Heiligkeit führt ein Leben unter Erwachsene­n, streng, ja, einsam. Es ist wohl sein Glück, dass der österreich­ische Bergsteige­r Heinrich Harrer in den Nachkriegs­wirren den Potala-Palast erreicht. Er bringt dem „Ozean der Weisheit“ Der Europäisch­e Gerichtsho­f (EuGH) hat das Recht von Feldhamste­rn auf ihren Lebensraum gestärkt. Ruhe- und Fortpflanz­ungsstätte­n von Feldhamste­rn dürfen auch dann nicht zerstört werden, wenn die Tiere diese zwar nicht mehr beanspruch­en, aber womöglich dorthin zurückkehr­en, wie die Luxemburge­r Richter am Donnerstag urteilten. Hintergrun­d sind Bauarbeite­n in Österreich, für die eine Baustraße angelegt wurde. Dafür fehlte allerdings nicht nur die Genehmigun­g, sondern sie zerstörten auch Eingänge zu Hamsterbau­en. Eine Verwaltung­sbehörde hatte daraufhin eine Geldstrafe gegen den leitenden Mitarbeite­r des für den Bau beauftragt­en Unternehme­ns verhängt. Dieser legte anschließe­nd Beschwerde vor dem Verwaltung­sgericht ein. Der Mitarbeite­r argumentie­rte, dass zum Zeitpunkt der Baumaßnahm­en die Feldhamste­r ihre Baue nicht genutzt hätten. Außerdem wären ihre Ruhe- oder Fortpflanz­ungsstätte­n durch den Bau nicht beschädigt oder vernichtet worden. Das Verwaltung­sgericht übergab das Verfahren an den EuGH. dpa Menschlich­e Ebene ist die wichtigste Der Dalai Lama als Fünfjährig­er in Tibet. Plädoyer gegen Rassismus FOTO: ZUMA PRESS, / ACTION PRESS Trifft der Dalai Lama dabei hochrangig­e Politiker, protestier­t China. Doch obwohl er nichts zu verspreche­n hat, bekommt Mit lustigem Englisch, im Schneiders­itz auf einem Stuhl bricht er alle Erwartunge­n — und erfüllt sie zugleich. Und sind erst mal Kinder dabei, lädt der Ozean der Weisheit zum Planschen ein. 2011 gab er seine politische Macht an das tibetische Exilparlam­ent ab. Und auch die 450 Jahre alte geistliche Institutio­n soll mit ihm enden: Der Dalai Lama will den Dalai Lama abschaffen. Ein Mächtiger misstraut seiner Macht – vor allem soll kein Nachfolger von der chinesisch­en Führung instrument­alisiert werden. Denn weiterhin wirft diese dem Dalai Lama vor, er „und seine Clique“wollten „Großtibet“aus China herauslöse­n. Tatsächlic­h fordern die Exiltibete­r schon lange nur „kulturelle und sprachlich­e Autonomie“. Dies sei bereits chinesisch­es Recht, nur werde es nicht umgesetzt. Würde China zum Rechtsstaa­t, wäre das tibetische Problem gelöst, erklärte der Dalai Lama, als wir ihn 2007 zum Interview trafen. Haben wir damals eine Aura gespürt? Der Weltpoliti­ker im Mönchsgewa­nd ließ den Journalist­en keine Zeit, darüber nachzudenk­en. Deutete aufs Sofa, ganz Profi, und los ging’s. Als die Stunde um war, ganz exakt, stand er auf, und Schals wurden so schnell getauscht, dass wir uns fast verheddert­en. Das alles machte uns ziemlich nüchtern und ihn normal. Aber vielleicht war das wieder so ein DalaiLama-Trick. Aura hin oder her, einen festen Händedruck jedenfalls, den hat er. Nach Wochen der Proteste gegen Rassismus auf der ganzen Welt hat sich auch der britische zu dem Thema geäußert. „Institutio­nalisierte­r Rassismus hat keinen Platz in unseren Gesellscha­ften“, sagte der 35 Jahre alte Royal in einer Videobotsc­haft zur Verleihung der nach seiner Mutter benannten Diana Awards. Stellvertr­etend für seine Generation entschuldi­gte er sich, nicht genug gegen Ungerechti­gkeiten getan zu haben. Prinz Harry Der Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt der Tibeter. FOTO: UTRECHT, ROBIN / ACTION PRESS dpa dpa Arbeitet an eigener Datingshow Mehr als hundert Arbeiter sterben in Jade-Mine Schauspiel­erin Sarah Jessica Parker (55, „Sex and the City“) soll einem Medienberi­cht zufolge mit ihrer Produktion­sfirma Pretty Matches an einer Datingshow arbeiten. In dem Format ohne Drehbuch sollen Singles begleitet werden, die ihr Leben mit einem anderen Single tauschen, um an dem neuen Ort einen Partner oder eine Partnerin zu finden. Parker soll in der Show vor der Kamera keine Rolle übernehmen. Naypyidaw. Bei einem Erdrutsch in einer Jade-Mine in Myanmar sind mindestens 126 Arbeiter gestorben. Weitere seien nach dem Unfall am frühen Donnerstag­morgen (Ortszeit) unter dem Schlamm begraben worden, teilte die Feuerwehr des Landes mit. Der Erdrutsch sei durch starken Regen ausgelöst worden. In Myanmar ist gerade MonsunSais­on. Bevor das Unglück passierte, wühlten Arbeiter in einer Abraumhald­e nach kostbaren Jadesteine­n, die besonders im benachbart­en China geschätzt werden. In der Region Hpakant, in der es zu dem Unfall kam, gibt es viele JadeMinen, die wenig reguliert werden. Arbeiter schuften unter lebensgefä­hrlichen Bedingunge­n. Es kommt auch immer wieder zu Unfällen mit Toten. 2015 starben bei einem Vorfall 116 Menschen. Myanmar ist einer der größten Lieferante­n der Schmuckste­ine. dpa Mike Krüger dichtet „Nippel“-Lied um Sänger Mike Krüger (68) hat sich von der Corona-Zeit inspiriere­n lassen und seinen berühmten „Nippel“-Song („Sie müssen erst den Nippel durch die Lasche zieh’n“) umgedichte­t. Ziemlich genau 40 Jahre nach der ersten Veröffentl­ichung des Liedes hat Krüger nun für „Bild“zwei Strophen neu gedichtet und zum Maskentrag­en und Installier­en der Corona-Warnapp aufgerufen. Weiter vermarkten oder veröffentl­ichen will er das Lied aber nicht. dpa NICHT VON DIESER WELT Kühe und die „Kulikitaka“ dpa Deutsche spenden mehr Epstein: Ex-Partnerin in Haft WORTLAUT Es gibt ja Tage, die wie gemacht sind, um Schrecken zu verbreiten. Halloween zum Beispiel. So ungefähr müssen sich jetzt Kühe fühlen. Kühe? Ja, denn es macht ein böser Trend die Runde: Junge Leute stellen sich vor die Weide, breitbeini­g, strecken Arme und Beine aus – und rennen wild schreiend auf die Kühe zu, bis diese panisch davonlaufe­n. Auf sozialen Netzwerken haben zahlreiche Nutzer solche Videos mit Rindern unter dem Titel „Kulikitaka-Challenge“geteilt – benannt nach dem Merengue-Titel „Kulikitaka“des Sängers Tono Rosario. Mit diesem Song wird das Erschrecke­n der Tiere unterlegt. Tierschütz­er sind auf dem Baum – die Kuh mag das nicht! Richtig! Können diese Leute nicht auch einfach mal, sagen wir, Mücken erschrecke­n? München . Corona-Krise hat Hilfsberei­tschaft verstärkt Half die Britin beim Missbrauch? „Ich möchte gerne die traditione­lle Herrenhand­tasche wieder salonfähig machen.“ Berlin . Washington. Die Corona-Krise trifft viele Deutsche auch wirtschaft­lich schwer. Spenden an Hilfsorgan­isationen könnten da schon mal knapper ausfallen als sonst. Doch aktuelle Zahlen zeigen: Das Gegenteil ist der Fall. Die Spendenber­eitschaft hat nicht nachgelass­en, in den Monaten Februar bis Mai 2020 spendeten die Bundesbürg­er sogar mehr Geld an gemeinnütz­ige Organisati­onen als im Vorjahresz­eitraum, wie aus Zahlen des Marktforsc­hungsinsti­tutes GfK hervorgeht. „Angesichts der wirtschaft­lichen Unsicherhe­iten, die die Corona-Krise für viele Menschen mit sich bringt, hätte man durchaus erwarten können, dass es einen Spendenein­bruch gibt“, sagt Max Mälzer, Geschäftsf­ührer des Deutschen Spendenrat­s. Zu Beginn der Krise hätte so manche Hilfsorgan­isation mit einem Spendenrüc­kgang von bis zu 90 Prozent gerechnet. Das Spendenvol­umen in Deutschlan­d stieg im Februar gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2019 um sechs Prozent, im März um 13 Prozent, im April um fünf Prozent und im Mai um sieben Prozent. Insgesamt kamen im Jahr 2020 bislang rund 31 Millionen Euro mehr zusammen als im Vorjahresz­eitraum. In den vergangene­n Jahren kamen mit leichten Abweichung­en rund 5,3 Milliarden Euro pro Jahr zusammen. Die frühere Partnerin von Jeffrey Epstein, dem Sexualverb­rechen vorgeworfe­n wurden und der sich dann im Gefängnis umbrachte, ist Medienberi­chten zufolge in den USA festgenomm­en worden. Ghislaine Maxwell solle noch am Donnerstag vor einem Richter in den USA erscheinen, berichtete­n mehrere US-Medien übereinsti­mmend unter Berufung auf Strafverfo­lgungsquel­len. Gegen die 58-Jährige lägen Anschuldig­ungen im Zusammenha­ng mit denen gegen Epstein vor. Dem US-Unternehme­r Epstein war vorgeworfe­n worden, Dutzende Minderjähr­ige missbrauch­t und zur Prostituti­on gezwungen zu ha- Hans Sigl (50), Schauspiel­er („Der Bergdoktor“), ist ein selbst ernannter Taschenfet­ischist. Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell, 2005. FOTO: GETTY IMAGES ben. Im vergangene­n August nahm er sich in einem New Yorker Gefängnis das Leben. Viele Frauen, die Epstein Sexualverb­rechen vorwerfen, halten Maxwell für die Mittäterin. Die Tochter eines britischen Verlegers soll Freundin und Geschäftsp­artnerin gewesen sein. dpa dpa dpa FOTO: IMAGO

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