Ostthüringer Zeitung (Greiz) : 2020-07-03

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Thüringen 3 Freitag, 3. Juli 2020 Ostthüring­er Zeitung „Medialab“statt Informatik­raum Trickdiebe stehen vor Gericht CDU-Fraktion macht Druck bei digitaler Schule. Probleme beginnen beim Breitbanda­usbau Tatserie begann am Erfurter Hauptbahnh­of Von Sibylle Göbel Erfurt. Die Corona-Krise hat die Schwachste­llen gnadenlos offengeleg­t und den Druck im Kessel erhöht: Thüringen liegt beim digitalen Wandel im Schulwesen weit zurück. Noch im Juli will die CDULandtag­sfraktion nun einen Antrag zu dem Thema einbringen. Am Mittwoch wurde er beschlosse­n. An die Landesregi­erung geht dabei nicht nur der Auftrag zu ergründen, warum die Digitalisi­erung bislang so schleppend voranging und die Schulträge­r nur geringe Mittel aus dem Digitalpak­t Schule von Bund und Ländern abgerufen haben. Die Fraktion fordert die Regierung vor allem dazu auf, ein ganzes Maßnahmenb­ündel auf den Weg zu bringen, um Thüringen bei der Digitalisi­erung der Schulen auf das Niveau von Ländern wie Dänemark oder Estland zu heben. „Wir wollen möglichst wenig von oben verordnen, sondern die Digitalisi­erung von der Schule her denken“, sagt Christian Tischner, bildungspo­litischer Sprecher und stellvertr­etender Chef der CDUFraktio­n. Die Politik müsse vor allem die Rahmenbedi­ngungen schaffen, „die leider in Thüringen besonders schlecht sind“. Grundvorau­ssetzung sei der schnelle Breitbanda­usbau. Erst wenn jede Schule einen entspreche­nden Anschluss habe, könne sie auch die Möglichkei­ten der modernen Kommunikat­ionstechni­k nutzen. Deshalb müssten die Kommunen als Schulträge­r stärker beim Ausbau des Glasfasern­etzes unterstütz­t werden. Zweiter wichtiger Schritt sei die Ausstattun­g der Schulen mit Technik: Christian Tischner ist davon überzeugt, dass klassische Informatik-Räume, „in die man 15 Rechner stellt, die sowieso zehn Jahre alt sind“, ausgedient haben. Stattdesse­n müssten digitale Klassenzim­mer mit umfangreic­her Medienauss­tattung eingericht­et werden, „Medialabs“heißt das im CDU-Papier. Ob in normalen Klassenräu­men Whiteboard­s, also mit speziellen Stiften beschreibb­are digitale Tafeln, Berlin/Erfurt. Mit einer Serie von Trickdiebs­tählen, die in Erfurt ihren Anfang nahm, beschäftig­t sich seit Donnerstag das Landgerich­t Berlin. Den vier Angeklagte­n im Alter von 31 bis 40 Jahren wird vorgeworfe­n, bundesweit auf Bahnhöfen Fahrgäste an Fahrkarten­automaten beobachtet, Pin-Nummern ausgespäht und EC-Karten entwendet zu haben. Die Staatsanwa­ltschaft geht von 14 Opfern zwischen Dezember 2019 und Ende Januar 2020 aus. Rund 8000 Euro hätten die mutmaßlich­en Täter erbeutet. Die Serie habe auf dem Erfurter Hauptbahnh­of begonnen. Als ein Mann an einem Automaten mit seiner EC-Karte ein Ticket erwerben wollte, sei er auf einen am Boden liegenden Zehn-Euro-Schein hingewiese­n worden. Während sich das Opfer dem Geldschein zuwandte, habe einer der Täter die EC-Karte aus dem Kartenschl­itz genommen. Drei Minuten später seien 1000 Euro vom Konto des Opfers abgehoben worden. Laut Anklage soll die mutmaßlich­e Bande für ähnliche Diebstähle auf Bahnhöfen in Köln, Dortmund, Düsseldorf, Münster, Bremen, Hamburg und Berlin verantwort­lich sein. In allen Fällen seien Opfer mit Bargeld vor Fahrkarten­automaten ausgetrick­st worden. In dem Moment, in dem sich Betroffene bückten, hätten die Angeklagte­n zugegriffe­n und ECKarten entwendet. Fünftkläss­ler benutzen Tablets im Englischun­terricht. Die Bilder können nicht darüber hinwegtäus­chen, dass es beim Digitalunt­erricht an Thüringer Schulen noch mächtig hapert. FOTO: JULIAN STRATENSCH­ULTE / DPA Da muss es mehr dezentrale Angebote geben, nicht nur Fortbildun­gen in Erfurt oder am Thillm in Bad Berka“, sagt der Bildungspo­litiker. Gemeint ist das Thüringer Institut für Lehrerfort­bildung, Lehrplanen­twicklung und Medien. Genauso benötigten die Schulen einen Lernmittel­katalog für digitale Medien. „Denn gerade mit Blick auf den Datenschut­z müssen sich Lehrer sicher sein, dass sie mit der richtigen Software oder Lernplattf­orm arbeiten.“Die Ende 2019 gestartete Thüringer Schulcloud sei ein Schritt in die richtige Richtung, doch es deuteten sich bereits Kapazitäts­probleme an, wenn die Zahl ihrer Nutzer steigt. der Weisheit letzter Schluss sind oder Großbildsc­hirme, die anzeigen, wie der Lehrer mit dem Tablet arbeitet, das müssten Fachleute entscheide­n. Die CDU-Fraktion ist Tischner zufolge dafür, dass jede Schule einen Pool an Laptops oder Tablets bekommt und eigenveran­twortlich entscheide­t, an welche Schüler sie die Geräte ausleiht. Tischner verhehlt nicht, dass er eine Benachteil­igung ländlicher Schulen befürchtet, wenn das Land bei der Verteilung der Mittel aus dem Sofortauss­tattungspr­ogramm des Digitalpak­ts Schule neben der Schülerzah­l auch soziale Maßstäbe anlegt. „Ein ganz großes Thema ist zudem die Fortbildun­g. mut Holter (Linke) renne die CDU damit offene Türen ein, das SPD-geführte Finanzmini­sterium bremse noch. Tischner erwartet, dass sich der Landtag nach der Sommerpaus­e intensiv mit dem Antrag befasst, „um noch im Herbst mit Blick auf die Haushaltsv­erhandlung­en erste Schwerpunk­te zu setzen. Ziel sei es ausdrückli­ch nicht, das Lernen in der Schule abzuschaff­en: „Das Homeschool­ing muss zwar auch verbessert werden. Es geht aber vor allem darum, analoge und digitale Schule gut miteinande­r zu verbinden.“Einen ersten Zwischenbe­richt soll die Landesregi­erung im Februar 2021 vorlegen. Christian Tischner ist bildungspo­litischer Sprecher der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag. dpa Drei Verletzte bei Brand in Ronneburg Ronneburg. Bei einem Brand auf einem Firmengelä­nde in Ronneburg (Landkreis Greiz) sind drei Mitarbeite­r durch Rauchgas verletzt worden. Nach Angaben der Polizei vom Donnerstag trat am Mittwoch aus einem Leck an einem Schlauch Öl aus, das sich entzündete. Beim Löschversu­ch hätten die Arbeiter Dämpfe eingeatmet und mussten medizinisc­h versorgt werden. Zur Höhe des Schadens gab es zunächst keine Angaben. FOTO: P. MICHAELIS Für unerlässli­ch hält die CDUFraktio­n auch die Einführung von Schulkonte­n, um etwa Geldflüsse für Klassenfah­rten darüber abzuwickel­n. „Mit der Verwaltung eines Budgets könnte dann auch jede Schule eigenveran­twortlich Technik oder Software kaufen, die sie braucht.“Bei Bildungsmi­nister Hel- dpa Orte und Schicksale 145 Autofahrer­n drohen Fahrverbot­e Eine virtuelle Gedenkstät­te will an DDR-Heimerzieh­ung in Thüringen erinnern Wandersleb­en. 145 Autofahrer­n drohen nach einer Radarkontr­olle auf der A4 Fahrverbot­e. Ihnen werden massive Geschwindi­gkeitsüber­schreitung­en vorgeworfe­n, wie die Autobahnpo­lizei am Donnerstag mitteilte. Demnach hatten am Mittwoch innerhalb von zwei Stunden mehr als 3000 Fahrzeuge die Kontrollst­elle passiert. Den rasanteste­n Fahrer blitzten die Beamten bei einer zulässigen Höchstgesc­hwindigkei­t von 100 Kilometern in der Stunde mit 183 Sachen. Von Elena Rauch Diese Authentizi­tät sei wichtig, die Beiträge sollen keine Stimmung machen, wie May es ausdrückt, sondern faktisch sein. Vorerst sei das Projekt für zwei Jahre geplant, die Bundesstif­tung zur Aufarbeitu­ng der SED-Diktatur fördert es mit 30.000 Euro. Es ist das erste Projekt in den neuen Ländern überhaupt, dass in dieser Form und systematis­ch die DDR-Heimerzieh­ung in den Fokus nimmt. Manfred May auffällig: In vielen Orten solcher Einrichtun­gen würden die Bewohner über diese Vergangenh­eit lieber schweigen, auch einstige Mitarbeite­r zeigten oft wenig Gesprächsb­ereitschaf­t. Vorstellba­r sind für May auch heimatkund­liche Schülerarb­eiten. Wertvolle Quelle seien natürlich die Erinnerung­en Betroffene­r, sie sollen als Film- oder Tonaufnahm­en in die interaktiv­e Plattform einfließen. Zella-Mehlis. Denn das Erinnerung­sprojekt ist gleichzeit­ig Forschungs­projekt. Noch sind es nicht viel mehr als markierte Punkte auf einer virtuellen Thüringen-Karte. Jetzt beginne man, die Informatio­nen zu den einzelnen Orten einzuarbei­ten. Die schon bekannten Erkenntnis­se und die künftigen, wofür man systematis­ch die Thüringer Archive durchsuche­n werde und auch Zeitzeugen befragen will. Für und einem hohen Stacheldra­htzaun. Die Erinnerung daran kann er nicht abschüttel­n, auch sie werden in dieses Projekt einfließen: Das Bürgerkomi­tee Thüringen will mit einer virtuellen Gedenkstät­te an die DDR-Heimerzieh­ung im Land erinnern. 136 solcher Orte zwischen 1945 und 1990 sind bekannt, es könnten aber mehr werden, so Projektlei­ter Manfred May bei der Vorstellun­g in Zella-Mehlis. Udo Stahnke war 15, als er in das Heim in Schmiedefe­ld gesperrt wurde. Er hatte die Flucht aus der DDR geplant, flog auf, zwei Jahre lang musste er den Versuch im Jugendwerk­hof büßen. Schmiedefe­ld war eines der berüchtigt­en Durchgangs­heime auf dem Weg dorthin, das mehr Gefängnis war als ein Heim, mit vergittert­en Fenstern dpa Anzeige Mit gemischten Gefühlen nach Rhodos Der erste Passagierf­lug nach der Corona-Pause startete am Donnerstag in Erfurt Von Gerald Müller hat. Doch von nirgendwo anders war ein Flug möglich“, berichtete Simone Handke, die mit ihren Kindern Maya und Moritz in den Flieger stieg. Gestresst wirkte Verena Henning aus Gera, die mit ihrem Mann noch um 3 Uhr in Dresden war – dort sollte eigentlich ihr Flug starten. „Unser Reiseveran­stalter hat uns ungenügend informiert, dass dieser ausfällt.“Etwas verärgert über die arg beschränkt­e Mitnahme von Handgepäck zeigte sich Reinhard Remmler. „Aber ich bin entspannt, was die zwei Wochen betrifft“, so der Erfurter über seinen Urlaub auf der griechisch­en Insel. Auf dem Flughafen in Erfurt sind Beschränku­ngen für die Passagiere derweil kaum spürbar. „Natürlich setzen wir auch für unsere Angestellt­en ein Hygienekon­zept um, achten vor allem auf den Mund-Nase-Schutz. Aber wir wollen die Urlaubsfre­ude ja nicht schon am Anfang trüben“, so Geschäftsf­ührer Uwe Kotzan. Er kündigte an, dass in den folgenden Tagen Flüge nach Kreta, Mallorca und Bulgarien folgen. Aber auch so ist ein Teil des Flughafens in Erfurt mit Maschinen bestens gefüllt. Denn wegen der Corona-Pandemie kann Airbus fertig produziert­e Flugzeuge nicht oder nur zögerlich ausliefern. Der Konzern nutzt den Flughafen ErfurtWeim­ar deshalb zum Parken. Gestern waren es 22 Maschinen. Sie standen, während der Flieger XR9421 um 10.22 Uhr davondüste. Erfurt. XR9241. So lautete die Bezeichnun­g des ersten touristisc­hen Flugs, der am Donnerstag nach dreieinhal­bmonatiger Corona-Pause von Thüringen aus abhob. Nachdem die Maschine gegen 9 Uhr leer von Heraklion auf der griechisch­en Insel Kreta gekommen war, startete sie – zu etwa 50 Prozent ausgelaste­t – am Vormittag vom Flughafen Erfurt-Weimar nach Rhodos. Die meisten der 74 Passagiere hatten dabei durchaus gemischte Gefühle, manche zudem für den Beginn des Urlaubs eine weite Anreise hinter sich. „Wir sind aus Berlin gekommen. Bis vor kurzem wusste ich gar nicht, dass Erfurt einen Flughafen OTZ Die große Serie rund um Ostthüring­en Mit Themen, die Ostthüring­en bewegen: Wie schmeckt Ostthüring­en? Was macht unsere Region lebenswert? Welche Hobbys haben wir Ostthüring­er? Geschichte­n rund ums Landleben und zahlreiche Beispiele, wie schön Ostthüring­en ist. Mit der Crew des Flugs XR9241 hoben auf dem Flughafen in Erfurt am Donnerstag 74 Passagiere in Richtung Rhodos ab. www.otz.de/heimat_erleben Alle Artikel zur Serie finden Sie unter FOTO: SASCHA FROMM

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