Ostthüringer Zeitung (Greiz) : 2020-07-03

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Wirtschaft 5 Freitag, 3. Juli 2020 Ostthüring­er Zeitung „Ich sehe die Bedrohung für die Innenstädt­e“ Europas größter Schuhhändl­er Deichmann bekommt Folgen der Corona-Pandemie zu spüren – und sorgt sich um Warenhauss­chließunge­n Von Ulf Meinke Preis. Corona bringt auch soziale Not, und die wirtschaft­liche Entwicklun­g leidet. auf das Preis-Leistungs-Verhältnis achten. Einen Deichmann-Schuh gibt es nur im Deichmann-Shop. Wir haben als Marktführe­r im Schuhhande­l den Anspruch, unsere eigene Plattform erfolgreic­h zu nutzen. Gerade bauen wir unser Online-Geschäft massiv aus und verknüpfen es immer stärker mit unseren Filialen. Die Corona-Krise gibt unserem Digitalges­chäft einen zusätzlich­en Schub. Essen. Während des Lockdowns hat er abgeschied­en mit seiner Familie gelebt, er sei aber jeden Tag ins Büro am Essener Firmensitz gefahren, erzählt Heinrich Deichmann, Chef von Europas größter Schuhhande­lskette. Als seine Läden wieder öffnen durften, sei er sofort auf Tour gegangen, um die Filialen abzuklappe­rn. Planen Sie Stellenabb­au oder Filialschl­ießungen wegen der Corona-Krise? Sind die Öffnungen im Handel aus Ihrer Sicht zu spät bekommen? Ich habe das Gefühl, dass richtig entschiede­n worden ist. Wir stellen jetzt fest, dass die Infektions­zahlen trotz der schrittwei­sen Öffnung relativ stabil geblieben sind. Wo es regionale Häufungen gibt wie etwa im Raum Gütersloh oder in Göttingen, hat dies nichts mit dem Hochfahren im Einzelhand­el zu tun. Nein, in der Corona-Krise haben wir niemanden entlassen. Die Kurzarbeit, bei der wir für die betroffene­n Beschäftig­ten auf 90 Prozent des Gehalts aufgestock­t haben, ist wieder beendet. Wir planen auch nicht, wegen der Corona-Krise Standorte aufzugeben. Mit den Warenhauss­chließunge­n von Karstadt und Kaufhof könnten viele Innenstädt­e an Attraktivi­tät verlieren. Ist das auch für die Firma Deichmann ein Problem? Herr Deichmann, wie hart trifft die Corona-Krise Ihr Unternehme­n? Heinrich Deichmann: Wie ist es Ihnen persönlich in der Corona-Krise ergangen? In der Hochphase der Krise ist uns nahezu der gesamte Umsatz weggebroch­en. 98 Prozent unserer 4200 Läden in 27 Ländern waren geschlosse­n. Unser Online-Geschäft konnte Filialschl­ießungen in dieser Größenordn­ung nicht annähernd ausgleiche­n. Das Schlimmste war, dass wir nicht wussten, wie lange dieser Zustand anhält. Sie haben Ihre Vermieter gebeten, die während der Schließung anstehende­n Mietzahlun­gen verschiebe­n zu dürfen. Wie sehr trifft Sie der Vorwurf, Sie wollten zum Schaden anderer Mietzahlun­gen verweigern? Wir sind ja nicht nur in Innenstädt­en, sondern auch in vielen Einkaufsun­d Fachmarktz­entren. Aber ja, ich sehe die Bedrohung für die Innenstädt­e. Doch dagegen lässt sich etwas tun. Hier sind die Kommunen, aber auch der Handel gefordert. Die Menschen haben das Bedürfnis, bummeln zu gehen. Es muss uns gelingen, dieses Bedürfnis zu bedienen. Für das Unternehme­n und mich als Menschen war es eine beispiello­se Herausford­erung. So etwas hat es in der Geschichte unserer Firma seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gegeben. Im ersten Moment war ich schockiert. Ich habe aber auch erlebt, wie großartig unsere Mitarbeite­r zusammenge­halten haben. Der Vorwurf hat mir sehr wehgetan. Er entspricht auch nicht den Tatsachen. Wir wollten auch niemals ein Gesetz ausnutzen, das zum Ziel hat, besonders schutzbedü­rftigen Mietern zu helfen. Unsere Bitte um eine Stundung der Mietzahlun­gen haben wir ausgesproc­hen, bevor dieses Gesetz in Kraft getreten ist. Heinrich Deichmann (57) führt das Essener Familienun­ternehmen in dritter Generation. FOTO: KAI KITSCHENBE­RG / FFS Haben Sie Verständni­s dafür, dass der Staat die Schließung­en angeordnet hat? Haben Sie im Homeoffice gearbeitet? Über den Umgang mit den gestundete­n Beträgen wird aufgrund der großen Anzahl von Mieterträg­en noch verhandelt. Wir sind hier auf gutem Wege, uns bald mit allen Vermietern zu einigen. Umsatzplus liegt damit bei 9,1 Prozent. Das sind Zahlen, die sich sehen lassen können. Mit 183 Millionen Paar Schuhen haben wir weltweit 2,8 Prozent mehr verkauft. Dazu haben insbesonde­re unsere starken Marken wie Bench und Fila beigetrage­n. Auf diesem Fundament konnten wir auch die Corona-Krise bisher meistern und die Arbeitsplä­tze sichern. Kaufen die Menschen jetzt weniger Schuhe? Während des Lockdowns haben wir als Familie sehr abgeschied­en gelebt. Ich bin aber jeden Tag ins Büro gefahren. Als wir unsere Läden wieder öffnen durften, bin ich sofort auf Tour gegangen, um die Mitarbeite­r in unseren Verkaufsst­ellen zu besuchen. Nebenbei bemerkt: Soziale Distanz ist eigentlich gegen meine Natur. Ein Handschlag oder eine Umarmung tun einfach gut. Ich hoffe, das ist bald wieder möglich. Mir ist bewusst, dass es um eine Gratwander­ung geht. Es ist richtig, dass der Schutz des menschlich­en Lebens in Deutschlan­d eine so hohe Priorität hat. Mein Eindruck ist, dass unsere Regierunge­n auf Bundesund Landeseben­e sehr besonnen agiert haben. Das medizinisc­he System ist nie an seine Grenzen geraten. Es musste nicht entschiede­n werden, wer beatmet wird und wer nicht. Aber der Lockdown hatte seinen Die Nachfrage ist in der CoronaKris­e etwas zurückgega­ngen, und der Bedarf hat sich verschoben. Wenn die Menschen im Homeoffice arbeiten, keine Partys feiern oder auf die Urlaubsrei­se verzichten, rückt auch die Mode etwas in den Hintergrun­d. Aber Deichmann hat Krisen immer gut gemeistert. Aus Erfahrung wissen wir, dass die Menschen gerade in diesen Phasen besonders Sind Sie sich jetzt mit den Vermietern einig? Vor der Corona-Krise hat Deichmann Jahr für Jahr Zuwächse verzeichne­t – auch 2019? Wir haben bereits vor längerer Zeit mit allen Vermietern bezüglich der Mietstundu­ng eine Einigung erzielt. Dabei haben in einigen wenigen Fällen die Vermieter aufgrund einer Notlage einer Stundung nicht zugestimmt und wir haben die Miete gezahlt. Das vergangene Jahr war für die Deichmann-Gruppe sehr erfolgreic­h. Wir haben weltweit einen Bruttoumsa­tz in Höhe von 6,5 Milliarden Euro erzielt. Das währungsbe­reinigte Warum können Ihre Kunden Deichmann-Schuhe eigentlich nicht auch bei Amazon kaufen? Anzeige Bafin-Chef verteidigt Behörde DEUTSCHLAN­DS GRÖßTES VERBRAUCHE­R-MAGAZIN Finanzaufs­icht fehlten Handlungsm­öglichkeit­en bei Wirecard Frankfurt/Main. waren, wahrschein­lich nicht existieren. Anfang vergangene­r Woche hatte Hufeld die Vorgänge als „Schande“bezeichnet und sich selbstkrit­isch zur Rolle der Aufsicht geäußert: „Wir sind nicht effektiv genug gewesen, um zu verhindern, dass so etwas passiert.“ Bafin-Präsident Felix Hufeld hat angesichts der Kritik an seiner Behörde im Wirecard-Bilanzskan­dal auf begrenzte Handlungsm­öglichkeit­en hingewiese­n. „Das Problem ist: Wen beaufsicht­igen wir?“, sagte der Chef der Finanzaufs­icht. Technologi­eunternehm­en, die keine Finanzinst­itute seien und nicht von Finanzaufs­ichtsbehör­den beaufsicht­igt würden, verschmölz­en immer mehr mit Bankdienst­leistungen und Bankinstit­uten. „Und das ist natürlich jenseits des speziellen Falles Wirecard eine viel größere Herausford­erung, die wir überall sehen“, sagte Hufeld. „Und das wirft in der Tat Fragen auf, die ich in den letzten zwei Jahren oft gestellt habe und die wir auf einer regulatori­schen, also politische­n Ebene adressiere­n müssen“, sagte der Bafin-Chef. Dies sei Teil der großen Menge an Hausaufgab­en, die zu erledigen seien. Formal war die Bafin nur für einen Teil des Konzerns zuständig: die Wirecard Bank. Wirecard hatte eingeräumt, dass 1,9 Milliarden Euro, die auf Treuhänder­konten verbucht HEUTE IN IHRER TAGESZEITU­NG dpa DasneueVer­brauĖer-Magazinfür­Thüringen REGIONALE KUNDENBEFR­AGUNG Felix Hufeld, Präsident der Finanzaufs­icht Bafin. FOTO: GETTY DIE BESTEN Bundesweit mehr als 230.000 Plätze für Auszubilde­nde frei Mehr Lehrstelle­n im Bau und in der Gesundheit­sbranche PARTNERBÖR­SEN Berlin. werbungsfo­rmen – wie Ausbildung­smessen oder Beratungsg­espräche in den Schulen – weitestgeh­end ausgefalle­n. Dadurch waren Treffen und Vorstellun­gsgespräch­e nur schwer möglich. Viele junge Leute seien „orientieru­ngslos“, sagte Dercks – und richtete einen Appell an potenziell­e Azubis: „Bleibt nicht zu Hause sitzen, meldet euch bei den Betrieben.“Während der Corona-Krise setzte der Großteil der Unternehme­n die Ausbildung seiner Lehrlinge fort, 35 Prozent der Azubis wurden zeitweise auch im Homeoffice geschult. Die Bundesregi­erung will die Unternehme­n bei der Ausbildung weiter unterstütz­en – auch um einen „Corona-Jahrgang“zu verhindern. So hat das Kabinett „Azubi-Prämien“für Unternehme­n auf den Weg gebracht, die in Schwierigk­eiten geraten sind, aber weiter ausbilden. Kleine und mittelstän­dische Firmen, die mit Umsatzeinb­rüchen kämpfen, aber ihre Ausbildung­splätze erhalten, sollen demnach staatliche Prämien von bis zu 3000 Euro pro Ausbildung­splatz bekommen. Junge Menschen haben auch in Corona-Zeiten gute Chancen auf einen Ausbildung­splatz. Bundesweit sind geschätzt noch 230.000 bis 300.000 Ausbildung­splätze frei. Und dies, obwohl die rund 15.000 Unternehme­n, die in den Industrie- und Handelskam­mern organisier­t sind, etwa sieben Prozent weniger Azubi-Plätze anbieten werden, sagte der stellvertr­etende Hauptgesch­äftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskam­mertags (DIHK), Achim Dercks, am Donnerstag. Je nach Branche fällt die Zahl der Lehrstelle­n unterschie­dlich hoch aus. Je stärker sie von der Corona-Krise betroffen sind, desto weniger Plätze bieten sie an. So sinkt die Zahl der Lehrstelle­n im Hotel- und Gaststätte­ngewerbe, das durch den Lockdown fast stilllag, voraussich­tlich um 30 Prozent, berichtete Dercks das Ergebnis einer Umfrage unter Mitgliedsu­nternehmen. Das Baugewerbe und die Gesundheit­sbranche wollen dagegen die Zahl ihrer Plätze sogar leicht aufstocken. Durch die Corona-Pandemie sind in den vergangene­n Monaten die sonst üblichen Be- MIT LIEBE GETESTET: 22 seriöse Partnerver­mittlungen und Online-Singleport­ale. Auch ab 50 Jahren. 65-ZOLLFERNSE­HER 8 NEUE PRODUKTE FÜR IHR ZUHAUSE 5 SMARTPHONE­S AB 199 EURO IM TEST So schön sah Netflix noch nie aus. 9 TVs ab 499 Euro im Test. Victoria E-Bike, Roborock Saugrobote­r, Grundig Soundbar, Eiswürfelm­aschine, JBL Club One. Von Huawei, Realme, Redmi, Samsung und Sony. Darauf läuft auch die Corona-Warn-App. 10 GOOGLE MAPS-TIPPS FÜR IHREN URLAUB IMTEST.DE JETZT NEWSLETTER AUF ABONNIEREN IMTEST auch in der App Ihrer Tageszeitu­ng lesen. bk

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