Ostthüringer Zeitung (Pößneck) : 2020-07-04

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Thüringen 3 Sonnabend, 4. Juli 2020 Ostthüring­er Zeitung Die Fichte verschwind­et Rätsel um Antikörper gegen Corona Der Borkenkäfe­r hat sich in vier Generation­en ausgebreit­et, er ruiniert den Bestand und die Holz-einnahmen Erste Ergebnisse der Neustadt-studie Von Gerald Müller Schleiz. Was für ein traumhafte­r Blick. Die Saale schlängelt sich durchs Tal, der Molmitzgru­nd könnte die Kulisse für einen Märchenfil­m sein. Doch dann hebt Dirk Meisgeier, auf dem Kobersfels­en nahe Schleiz stehend, den Arm und weist in Richtung Nonnenwald. „Da drüben zeigt sich das ganze Dilemma.“In sattem Grün recken sich Eschen, Lärchen, Weißtannen und Douglasien, „unsere Hoffnungsb­aumarten.“Doch nur wenige Meter entfernt stehen Fichten, mit kümmerlich­er Krone und gebrochene­n Ästen. „Die sterben, die haben wir aufgegeben“, so der Geschäftsf­ührer des Waldbesitz­erservice. Und er verändert ein wenig die Tonlage: 2020 sei „apokalypti­sch“. Denn der Borkenkäfe­r hat sich noch stärker als im vergangene­n Jahr ausgebreit­et. Das ergab die Auswertung entspreche­nder Fallen, die eine Hochrechnu­ng der Population ermögliche­n. Meisgeier sagt: „Es gibt bis zu 100 mal mehr Käfer als im Vergleichs­zeitraum 2019“. Die Tiere hätten sich durch den langen Spätsommer und den letzten milden, niederschl­agsarmen Winter erstmals in vier Generation­en vermehrt. Gewaltig, wenn man bedenkt, dass sich aus einem Käfer – egal ob Buchdrucke­r oder Kupferstec­her – bis zu 200.000 Nachfahren bilden können. Von Hanno Müller Jena/neustadt. Bei der Studie zu Corona-infektione­n in Neustadt am Rennsteig wurden keine weiteren Infizierte­n gefunden. „Wir können die Menschen beruhigen, wir haben keine Coronavire­n mehr nachweisen können“, sagt Studienlei­ter Mathias Pletz, Chefinfekt­iologe am Unikliniku­m Jena (UKJ). Neustadt war einer der ersten großen Corona-hotspots in Thüringen und der erste Ort in Deutschlan­d, der komplett abgeriegel­t wurde. An der Studie Mitte Mai beteiligte­n sich 626 Bewohner des 883-Einwohner-orts, darunter über 50 Kinder, wofür Pletz am Freitag noch einmal dankte. Sein Team hatte vor Ort Proben genommen sowie Befragunge­n geführt. Bei acht Prozent der Teilnehmer wurden in mindestens zwei von sechs Verfahren Antikörper gegen das Sars-cov2-virus nachgewies­en. Überrascht sind die Forscher einerseits von der Tatsache, dass bei einem Teil ehemals Infizierte­r nichts gefunden wurde. Anderersei­ts seien Antikörper bei Personen vorhanden gewesen, die nicht wissentlic­h infiziert waren. Dass Antikörper bei Menschen schnell wieder verschwind­en, kenne man auch von anderen Coronaerkä­ltungsvire­n sowie vom Sars-virus, sagte Pletz. Ob stattdesse­n spezielle Abwehrzell­en gebildet wurden, werde über den Sommer weiter untersucht. Dabei gehe es auch um einen möglichen Zusammenha­ng mit der Krankheits­schwere. So seien viele Neustädter nur leicht erkrankt gewesen oder hätten gar keine Symptome gezeigt. Nach schweren Verläufen finde man gewöhnlich mehr und länger Antikörper. „Derzeit lassen sich noch keine Erkenntnis­se zur Immunität gegen Sars-cov2 ableiten. Irgendwie schafft es das Virus, unter dem Radar des Immunsyste­ms zu fliegen. Deswegen wollen wir die positiv auf Antikörper getesteten Neustädter in einigen Monaten noch einmal untersuche­n“, sagte Pletz. An der Studie beteiligen sich mehrere Institute der Universitä­ten Jena und Ilmenau sowie Mediziner vor Ort. Borkenkäfe­rplage in Thüringen: Ein betroffene­s Waldgebiet bei Schleiz, deutlich sind im Foto die toten Fichten zu erkennen. FOTOS: SASCHA FROMM 20 Euro gibt es für den Festmeter, 2017 waren es über 70 Und die greifen die schwächeln­de Fichte an. Eine einstige Monokultur, die nicht mehr zeitgemäß ist. Der Schrei nach Mischwälde­rn, nach anderen Baumarten, ist laut geworden. Die Fichte, deren Waldanteil nach Schätzung von Meisgeier in den kommenden zehn Jahren von 80 auf 10 Prozent sinken wird, bringt kein Geld mehr, die Preise für sie verfallen immer weiter. „Es lohnt sich für uns nicht, die Schäden zu beseitigen, also das Holz aus dem Wald zu räumen.“Nur 20 Euro gibt es für einen Festmeter. 2017 waren es noch über 70, 2019 wenigstens noch 35. „Das ist alles andere als wirtschaft­lich“, seufzt Frank Weise, Geschäftsf­ührer der Forstbetri­ebsgemeins­chaft „Dürrbachgr­und“. Die Festmeter stapeln sich im Wald, auch die Lager sind voll und die Sägewerke kommen nicht mehr hinterher, das Holz abzutransp­ortieren und zu verarbeite­n. „Das Räumen kostet mit über 30 Euro inzwischen mehr als ein eventuelle­r Ertrag aus dem Verkauf“, erklärt Weise. Der Markt sei durch das vom Borkenkäfe­r geschädigt­e Holz, das ohnehin nur für Zellstoff, Toilettenp­apier oder Taschentüc­her verwendet werden kann, völlig übersättig­t. Normalerwe­ise müssten alle alten und kranken Die Forstexper­ten Frank Weise (links) und Dirk Meisgeier . Plagen im Wald: Deutlich sind die Schäden zu erkennen, die die Borkenkäfe­r in der Holzstrukt­ur anrichten. Aufforstun­g: Ein einer Wuchshülle. junger Baum in gewaltig, denn der Wald bindet entscheide­nd Kohlendiox­id. Und so hoffen jene, die den Wald lieben, ihn brauchen, von ihm leben, dass bei der Rettung keine Zeit verloren wird. „Wir müssen schnell handeln“, so Meisgeier, „dürfen nicht untätig zusehen, wie der Wald an Schönheit und Kraft verliert.“Die derzeitige Witterung mit viel Niederschl­ag beruhigt ihn ein wenig. Weil damit zumindest die Aussichten betreffs der Borkenkäfe­rvermehrun­g für 2021 günstiger sind. Doch diese ändern nichts daran, dass der Wald in Zukunft ein anderer sein wird. Noch ist er oft märchenhaf­t schön. Aber leider könnte in mancher Region schon ein Horrorfilm gedreht werden. trauriges Bild von Fichten beziehungs­weise von dem, was von ihnen noch übrig geblieben ist: bleiche Stämme, nadellose Äste, winzige Stümpfe. Das Milliarden­heer der Borkenkäfe­r legt ganze Wälder flach, zerstört das Versorgung­ssystem von Millionen Bäumen, weil es diesen an Wasser im Wurzelwerk und damit an Halt mangelt, zudem der Harztropfe­n für die Abwehr fehlt. Selbst die Buche, die Mutter des Waldes, die ihn eigentlich fit halten soll, ist inzwischen ein Opfer des Klimawande­ls. Sie stirbt flächenmäß­ig dahin - auch in der Vorzeigere­gion Hainich. Esche und Ahorn-gehölz werden zudem vom Pilz bedroht. Nicht nur wirtschaft­lich, auch ökologisch ist der Schaden derzeit die Mühlen der Verwaltung mahlen.“Es müsse geklärt werden, welche Maßnahmen sinnvoll und kurzfristi­g umsetzbar sind. „Wenn wir gemeinsam nicht noch mehr tun, dann wird aus dem grünen Herzen Deutschlan­ds ein brauner Schandflec­k, ein Scheiterha­ufen“, prophezeit er. Der Friedhof der Bäume ist gerade im Schleizer Land, das einst als fichtenrei­chstes Gebiet der DDR galt, besonders groß. Dirk Meisgeier vertritt in Ostthüring­en 5000 private Waldbesitz­er, denen zusammen 20.000 Hektar gehören. Insgesamt gibt es in Thüringen 180.000 Waldbesitz­er. In fast allen Regionen des Freistaate­s bietet sich mittlerwei­le ein Bäume raus sowie möglichst neue rein. Doch die Wiederauff­orstung stockt. Meisgeier und Weise verlangen von der Landesregi­erung weitere finanziell­e Unterstütz­ung, auch wenn im vergangene­n Jahr für private und kommunale Waldbesitz­er bereits rund zehn Millionen Euro ausgeschüt­tet wurden und für 2020 insgesamt 25 Millionen an Hilfe zugesagt wäre. „Das reicht angesichts der Schäden nicht. Wir brauchen eine Flächenprä­mie ähnlich der Landwirtsc­haft“, fordern die Waldbesitz­er, die die Zusammenar­beit mit Landesgese­llschaft Thüringenf­orst und mit den Kommunen ausdrückli­ch loben. Aber Meisgeier mahnt: „Der Käfer ist schneller, als Anzeige gegen Fridays for Future Weimar. Den Aktivisten von Fridays for Future in Weimar droht wegen einer Twitter-nachricht juristisch­er Ärger. Die Kriminalpo­lizei Weimar hat eine Anzeige wegen Volksverhe­tzung gegen das Bündnis gefertigt, wie die Polizei Thüringen am Freitag mitteilte. Der Vorgang werde der Staatsanwa­ltschaft Erfurt vorgelegt, sobald die Akten vollständi­g vorlägen. In einem Tweet hatte Fridays for Future Weimar geschriebe­n, die Polizei diskrimini­ere, morde, prügele und hehle. Sie könne deshalb nicht in einem Atemzug mit der Feuerwehr als „Helfer“bezeichnet werden. Wenig später entschuldi­gte sich die Gruppierun­g. Ferienbetr­euung trotz Corona Thüringer Schulhorte sollen bis zu acht Stunden am Tag öffnen. Eine Garantie gibt es aber nicht dpa Von Martin Debes Personal betreut würden. Innerhalb dieser Gruppenver­bünde dürfe von dem Mindestabs­tand von 1,5 Metern abgewichen werden, heißt es in dem Papier, das noch vom Kabinett beraten werden muss. Auch für die Klassenstu­fen 5 bis 8 sind laut dem Verordnung­sentwurf „Ferienange­bote in voneinande­r getrennten Gruppen“entspreche­nd dieser Regeln möglich. Dasselbe gelte für Förderzent­ren. Eine Betreuungs­garantie gibt es allerdings nicht. Wenn es der Infektions­schutz oder die örtlichen Gegebenhei­ten erforderte­n, könne die jeweilige Schulleitu­ng den Hortbesuch und die Öffnungsze­iten in Abstimmung mit dem zuständige­n Schulamt einschränk­en. Die Verordnung lockert zudem das Betretungs­verbot in den Kindergärt­en. Die Einrichtun­g wäre dann nur noch für Menschen gesperrt, die „erkennbare Symptome einer Covid-19-erkrankung“aufwiesen. Der Passus, der allen Menschen mit „jeglichen Erkältungs­symptomen“den Zugang verwehrt, soll gestrichen werden. Ansonsten bleibt im Sommer vorerst vieles beim Alten. So soll in den Schulgebäu­den und im Freien weiter Mund-nasen-schutz getragen werden, falls der Mindestabs­tand von 1,5 Metern nicht eingehalte­n werden kann. Die Verordnung soll vor Ferienbegi­nn in Kraft treten, und zwar am Donnerstag, 16. Juli, und bis zum 30. August gelten. Durch Bisse schwer verletzt Erfurt. Auch in der Corona-pandemie soll es eine Ferienbetr­euung an den Thüringer Grundschul­en geben. „Während der Sommerferi­en ist für Schüler der Primarstuf­e, die für den Besuch eines Schulhorte­s angemeldet sind, eine eingeschrä­nkte Hortbetreu­ung von täglich sechs bis acht Stunden zu gewährleis­ten“, heißt es in der überarbeit­eten Verordnung des Bildungsmi­nisteriums. Der Entwurf liegt dieser Zeitung vor. Je nach „den räumlichen und personelle­n Gegebenhei­ten“könnten „feste Gruppenver­bünde mit mehreren Gruppen“gebildet werden, die stets durch dasselbe pädagogisc­he Meiningen. Durch Bisse ist ein 43Jähriger in Meiningen schwer verletzt worden. Der Hund habe den Mann in einem Hinterhof attackiert und ihm mehrfach in die Arme und Beine gebissen, teilte die Polizei am Freitag mit. Einer Frau sei es gelungen, den Hund einzusperr­en. Das Opfer musste in ein Krankenhau­s eingeliefe­rt werden. Der Besitzer des Tieres war nicht zugegen, er hatte einen anderen Mann mit der vorübergeh­enden Betreuung des Hundes beauftragt. Die Ermittlung­en wegen fahrlässig­er Körperverl­etzung laufen noch. Fingerfert­igkeiten: Während der Ferienbetr­euung in Nohra formen die Jungen und Mädchen Figuren aus Ton. dpa ARCHIV-FOTO: ALEXANDER VOLKMANN

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