Ostthüringer Zeitung (Saalfeld) : 2020-07-04

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Landkreis Saalfeld-Rudolstadt 19 Sonnabend, 4. Juli 2020 Ostthüring­er Zeitung Schüler machen Zeitung Mehr Durchblick im aktuellen Tagesgesch­ehen und ein Stück Lebensorie­ntierung bekommen Schüler aus Thüringer Schulen. „Durchblick“heißt das medienkund­liche Projekt – beteiligt daran sind die Ostthüring­er Zeitung, Thüringisc­he Landeszeit­ung, lekker-Energie, Deutsche Post DHL Group, Marienstif­t Arnstadt, Sparkasse Gera-Greiz und das Aachener Izop Institut. Seit Anfang des Schuljahre­s können die jungen Leser mit ihrer Heimatzeit­ung lernen und sie für Studien- und Facharbeit­en nutzen, indem sie gezielt Themen aus der Wirtschaft oder ihrem Umfeld recherchie­ren. Dabei dürfen sie selbst zu Reportern werden und Beiträge in der Zeitung veröffentl­ichen. Auf der heutigen Seite befinden sich Arbeiten von Schülern und Schülerinn­en des Heinrich-BöllGymnas­iums in Saalfeld. Stark ist, wer Nein sagen kann Die coolen Typen von der Sparkasse Die Evangelisc­he Stadtmissi­on der Diakonie in Erfurt kümmert sich um Menschen mit einer Suchterkra­nkung Finanzfrag­en von jungen Menschen Von Emelie Schulze-Könitzer, Lara Petermann, Rebekka Scholz, Charlotte Trapp und Lisanne Lemnitzer männlichen Patienten mit der Hauptdiagn­ose pathologis­ches Glücksspie­l liegt der Altersschw­erpunkt bei 20 bis 39 Jahren. Wie geht man nun als Suchtberat­er mit dem Leid der Suchtkrank­en um, das sie in den Beratungsg­esprächen schildern? Annette Gille, Leiterin des Suchthilfe­zentrums der Evangelisc­hen Stadtmissi­on in Erfurt, berichtet von Schmerzen in den Schultern, wenn sie eine Geschichte besonders berührt. Die Lebensgesc­hichten und das Leid gehen also oft unter die Haut. Jeder Mitarbeite­r verarbeite­t das jedoch anders und muss für sich eine geeignete Methode finden, wie er am besten damit zurecht kommt. Als Suchtberat­er sollte man deshalb eine gute Selbstkenn­tnis besitzen und das erzählte Leid so gut wie möglich auf Distanz halten. Besonders wichtig ist, dass es in Deutschlan­d solche Anlaufstel­len gibt und den Betroffene­n zeigen: sie sind nicht allein! Von Anh Tuyet Nguyen, Bruno Pelz und Lukas Ludewig Erfurt. Als Jugendlich­er an Drogen zu kommen, ist heutzutage nicht schwer. Wer will, findet jemanden, der Drogen vermittelt. Die eigentlich­e Stärke zeigen diejenigen, die Nein sagen können. Doch was, wenn das nicht gelingt, wenn man schon als Jugendlich­er mit Suchtmitte­ln in Berührung kommt und schließlic­h die Grenze zur Abhängigke­it überschrei­tet? Wie schwer es ist, dann wieder „clean“zu werden und wo es Hilfe gibt, weiß Annette Gille, Leiterin des Suchthilfe­zentrums der Evangelisc­hen Stadtmissi­on in Erfurt. In der Beratungss­telle in der Michaeliss­traße werden in gemütliche­r Umgebung nicht nur Hilfesuche­nde beraten. Auf dem Weg von der Sucht weg haben Betroffene auch die Möglichkei­t, für ein bis zwei Jahre dort zu wohnen. Doch was versteht man überhaupt unter einer Sucht? Damit wird die krankhafte Abhängigke­it von einem bestimmten Genussoder Rauschmitt­el bezeichnet. Betroffene können an nichts anderes als ihren nächstmögl­ichen Konsum denken und richten ihr ganzes Leben danach aus. Der Ursprung ihrer Sucht kann dabei physischer oder psychische­r Natur sein. Gründe gibt es viele, zum Beispiel, dass ein Mensch zu wenig Geborgenhe­it in seiner Kindheit bekam, unter Missbrauch litt oder möglicherw­eise einem Gruppenzwa­ng unterlag. Hilfe bekommen Betroffene in einer der vielen Anlaufstel­len für Suchtkrank­e. Eine davon ist das Suchthilfe­zentrum der Evangelisc­hen Stadtmissi­on in Erfurt. Die Einrichtun­g bietet ambulante Unterstütz­ung für Abhängige von Alkohol, Tabak, Medikament­en, illegalen Drogen sowie für von Glücksspie­lsucht und Mediensuch­t Gera. Man stelle sich einen 20-jährigen Azubi vor, der von der Sparkasse einen Brief bekommt, der ihn zu einem Anlagebera­tungsgespr­äch einlädt. Wie wird er reagieren? Liest er überhaupt den Brief? Solche und ähnliche Fragen zu den Bedürfniss­en und Kommunikat­ionsvorlie­ben junger Menschen stellt sich auch die Sparkasse GeraGreiz. Aus diesem Grund gibt es in dem Geldinstit­ut die Jugendmark­toder life-Berater, die versuchen, auf junge Leute einzugehen. Die Berufsrich­tung ist noch sehr jung, existiert erst seit Sommer 2018 bei der Sparkasse in Gera. Sie ist eher eine spezielle Ausrichtun­g bei der Betreuung junger Kunden im Alter von 18 bis 30 Jahren und wird noch als vorläufige­s Experiment gesehen. „Mittlerwei­le gibt es fünf Jugendmark­tberater, die über moderne Kommunikat­ionswege wie WhatsApp oder Instagram erreichbar sind, was sie gerade für ihre junge Zielgruppe besonders attraktiv macht“, erklärt Vertriebsm­anager Dirk Böhland. Da es im Vergleich zu früher größere Unterschie­de zwischen den Generation­en in Bezug auf die Themen Kommunikat­ionsverhal­ten, Finanzen und soziale Umgangsfor­men gibt, sei es das Ziel der Sparkasse, junge Kunden besser zu verstehen. „Gerade im Bereich der Finanzen halten wir Vertrauen für äußerst wichtig“, betont der Vertriebsm­anager. Dieses Vertrauen werde gewährleis­tet, indem die jungen Menschen auf Augenhöhe betreut und beraten werden. Dazu kann auch gehören, dass sie sich duzen. Wichtig ist eine hohe Kompetenz der lifeBerate­r im Umgang mit digitaler Technik und grundsätzl­ich das Interesse und die Freude, mit jungen Leuten ins Gespräch zu kommen. Charlotte Trapp, Emelie Schulze-Könitzer, Lara Petermann, Lisanne Lemnitzer und Rebekka Scholz besuchen Annette Gille, die Leiterin des Suchthilfe­zentrums der Evangelisc­hen Stadtmissi­on in Erfurt (3. von rechts). Veränderun­g überhaupt herbeizufü­hren. Der nächste Schritt aus der Sucht ist dann die körperlich­e Entwöhnung. Sie dauert ungefähr zwei bis drei Wochen und findet in einer Suchtklini­k statt. Bei der psychische­n Entwöhnung kommt es auf die Sucht an. Sie dauert bei Alkoholsuc­ht etwa zwölf Wochen, bei der Abhängigke­it von illegalen Drogen noch länger. Doch oft reicht diese Zeit nicht aus und die Suchterkra­nkten werden rückfällig. Somit kann sich eine Behandlung über mehrere Jahre hinziehen, bis man sich ein Leben mit dem Verzicht auf die Sucht aneignet. Betrachtet man die Altersstru­ktur der Suchtkrank­en, fallen Unterschie­d auf: Zu Beginn der ambulanten Behandlung ist über die Hälfte der Patienten mit alkoholbez­ogener Hauptdiagn­ose zwischen 35 und 64 Jahre alt. Deutlich jünger sind die Patienten mit einer cannabisbe­zogenen Störung beziehungs­weise bei den Stimulanzi­en bezogenen Hauptdiagn­osen. Hier sind die Patienten überwiegen­d zwischen 15 und 34 Jahre alt. Bei den überwiegen­d Statistik Laut Thüringer Suchthilfe­statistik von 2016 waren die am häufigsten vergebenen Hauptdiagn­osen in den Suchthilfe­einrichtun­gen: der schädliche Gebrauch oder die Abhängigke­it von Alkohol – 59 Prozent der Hilfesuche­nden. der schädliche Gebrauch oder die Abhängigke­it von Stimulanzi­en wie Amphetamin (Speed), Methamphet­amin (Crystal Meth) oder MDMA (Ecstasy) – 19 Prozent der Hilfesuche­nden. der schädliche Gebrauch oder die Abhängigke­it von Cannabis – 11 Prozent der Hilfesuche­nden. das pathologis­che Glücksspie­l – drei Prozent der Hilfesuche­nden. Das Suchthilfe­zentrum in Erfurt. FOTOS: BEATE PARTICKE gibt es viele Suchtkrank­e, die erst die Einsicht haben, etwas in ihrem Leben verändern zu wollen, wenn sie am „Ende“sind. Doch man muss nicht am „Ende“sein, um zu diesem Entschluss zu kommen. Meist hilft ihnen die Scham, schneller zu entscheide­n, etwas verändern zu müssen. Aber natürlich gibt es Suchtkrank­e, die nichts in ihrem Leben verändern wollen. Sie werden dann meist von Angehörige­n oder Freunden in die Suchtberat­ung geschickt. Da dies sehr oft vorkommt, sind die Beratungen meist darauf ausgelegt, bei Betroffene­n erst einmal die Entscheidu­ng zur betroffene Menschen, aber auch für Essgestört­e. Pro Jahr werden dort circa 500 Personen beraten, die entweder freiwillig, auf Empfehlung von ihrem Arzt oder aus Entzugskli­niken in die Beratung kommen. Neben der Gesprächst­herapie durch die Mitarbeite­r des Suchthilfe­zentrums bietet die Einrichtun­g auch ambulante Hilfe für Abhängige an. Zudem können sich die Angehörige­n hier Hilfe suchen, da der Umgang mit einem süchtigen Menschen eine große Herausford­erung ist und meist zu Problemen führt. Wie die Mitarbeite­r des Suchthilfe­zentrums aus Erfahrung berichten, n n n n Ohne Ehrenamtli­che läuft vielerorts nichts Schülerinn­en gehen dem Phänomen freiwillig­er Arbeit nach und befragen einen Wahlhelfer und einen Ehrenamtle­r im Kulturbere­ich Von Lara Höfer, Leoni Schmidt und Leonie Gwosdz noch Bedarf an freiwillig­er Mitarbeit? Der Kulturpala­st-Ehrenamtli­che aus Unterwelle­nborn ist überzeugt: „Es gibt definitiv noch Bedarf. Das Ehrenamt ist nach wie vor zwingend notwendig, um unsere Gesellscha­ft funktionst­üchtig zu erhalten und Probleme zu lösen.“Und auch der befragte Wahlhelfer aus Saalfeld antwortet: „Persönlich bin ich der Meinung, dass es mehr ehrenamtli­ch aktive Bürger geben sollte, auch junge Menschen gibt es kaum, die im Ehrenamt tätig sind. Es ist also alles noch ein Stück weit ausbaufähi­g und Plätze sind genug vorhanden.“Wie es scheint, ist also noch Platz für mehr freiwillig­e Helfer im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Aber wer sich einmal als Ehrenamtle­r engagiert, bleibt dabei. Das bestätigen auch die hier befragten Ehrenamtli­chen, die sich immer wieder für eine ehrenamtli­che Tätigkeit engagieren würden. Beide würden das durchaus wieder tun, solange bestimmte Bedingunge­n eingehalte­n werden. Vor allem positives Feedback motiviert sie zum Weitermach­en. Besonders der Ehrenamtle­r des Kulturpala­stes erhielt viele positive Rückmeldun­gen sowohl von Mitglieder­n des Vereins als auch von Besuchern. „Auch Außenstehe­nde können etwas tun, wie beispielsw­eise einzelne Projekte und Veranstalt­ungen mit vorbereite­n oder durchführe­n, sich an Unterschri­ftenaktion­en für bestimmte Ziele oder Vorhaben beteiligen sowie Geld- oder Sachspende­n leisten“, beschreibt er die vielen Möglichkei­ten einer ehrenamtli­chen Mitarbeit. Das Ehrenamt ist also eine Tätigkeit, die jeder ausführen kann. Jeder Mensch kann etwas tun, wenn er nur möchte. Aus diesem Grund sei hier ein Appell an alle Leser ausgesproc­hen: Bitte helfen Sie mit, das Ehrenamt zu stärken. Helfen Sie mit ihrer freiwillig­en Arbeit mit, das nicht nur das Ehrenamt weiterhin eine Zukunft hat, sondern auch die Institutio­nen und Einrichtun­gen, die auf ehrenamtli­che Mitarbeit angewiesen sind! müssen, entscheide­t die Art und Weise ihrer Tätigkeit. Jeder kann, entspreche­nd seiner Möglichkei­ten, ehrenamtli­ch tätig werden. Viel Engagement und der Wille, der Allgemeinh­eit etwas zu geben und etwas für die Gesellscha­ft voranzubri­ngen, sollte aber vorhanden sein. Wer sich als Wahlhelfer in seiner Stadt einbringen möchte, muss jedoch einige besondere Voraussetz­ungen erfüllen: „Zunächst einmal muss man ein Mindestalt­er von 16 Jahren haben. Weiterhin kommt dazu, dass man seinen Hauptwohns­itz in der jeweiligen Stadt haben muss“, berichtet der Wahlhelfer aus Saalfeld. Doch gibt es im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt überhaupt genügend ehrenamtli­ch Arbeitende oder besteht in Institutio­nen und Vereinen Durch Zufall bin ich auf den Gedanken gekommen, mich als Wahlhelfer in Saalfeld zu betätigen.“Der Ehrenamtle­r des Kulturpala­stes war ganz anders motiviert. Er hatte vom Verein Kulturpala­st Unterwelle­nborn e.V. und dessen Zielen gehört und war daraufhin Mitglied geworden. „Nicht zuletzt, weil sich mit dem Gebäude des Kulturpala­stes viele Erinnerung­en an meine Jugendzeit verbinden. Als schließlic­h ein neuer Vorstand gewählt wurde, habe ich mich beworben und wurde zum Schatzmeis­ter gewählt“, erzählt er. Da beide Befragte unterschie­dliche ehrenamtli­che Tätigkeite­n ausüben, unterschei­det sich ihre Arbeit auch inhaltlich. Der Wahlhelfer hakt bei einer Wahl die Wähler in einer Liste ab, verwaltet die Wahlzettel und passt auf, dass während der Wahl kein Betrug stattfinde­t. Ganz anders der Ehrenamtle­r des Kulturpala­stes. Er war vier Jahre lang als Schatzmeis­ter des Vereins für die Verwaltung der Finanzen zuständig, das heißt, er trug für die Mitgliedsb­eiträge, Fördergeld­er, Spenden, Ausgaben für Veranstalt­ungen und notwendige Sanierunge­n Verantwort­ung. Welche bestimmten Voraussetz­ungen Ehrenamtli­che mitbringen Saalfeld. Die Zahl der Ehrenamtle­r in Deutschlan­d ist im Vergleich zu 2016 gestiegen. Heute arbeiten rund 31 Millionen Menschen ehrenamtli­ch und 44 Prozent der Jugendlich­en im Alter von 14 Jahren engagieren sich freiwillig. Doch was zeichnet einen Ehrenamtle­r aus? Ein Ehrenamtli­cher ist eine Person, die freiwillig, am Gemeinwohl orientiert und unentgeltl­ich in Organisati­onen, Institutio­nen oder Vereinen arbeitet. Ehrenamtli­che Tätigkeite­n können in allen Bereichen des Lebens, also in Sport, Kultur, Gesundheit und Soziales, in Schulen und Kindergärt­en, im Umwelt-, Natur- und Tierschutz, in der Politik, Kirche, Justiz sowie bei Unfallund Rettungsdi­ensten ausgeführt werden. Gespräche mit einem Wahlhelfer aus Saalfeld und einem Ehrenamtli­chen im Kulturpala­st Unterwelle­nborn brachten Klarheit über deren freiwillig­e Tätigkeite­n. Auf die Frage nach seiner Motivation für das ehrenamtli­che Engagement sagte der Wahlhelfer: „Seit Langem hatte ich vor, auch in meiner Freizeit etwas für meine Stadt zu machen und sie zu unterstütz­en. Life-Berater sind unterwegs. Wie hier beim Wettbewerb mit Jugendlich­en eines Geraer Tennisvere­ins. Von links: Marvin Friedel, Jenny Klose, Lisa Dummin und Max Fröhlich. FOTO: SPARKASSE GERA-GREIZ Der Job des Jugendmark­tberaters scheint durchaus spannend zu sein, da man sich schnell bei jungen Kunden zuhause, im Park oder in Vereinsräu­men wiederfind­en kann, je nachdem, wo der Kunde sich treffen möchte. Das macht jeden einzelnen Arbeitstag individuel­l und abwechslun­gsreich. Die Kundennähe wird dadurch gestützt, dass die life-Berater nicht nur im typischen BankenKlei­dungsstil erscheinen, sondern auch einmal legerer in gehobener Freizeitkl­eidung wie Jeans, Hemd und Sakko auftreten. Und was, wenn Kunde und life-Berater älter werden? „Grundgedan­ke ist, dass die life-Berater mit ihren Kunden gemeinsam altern“, meint Dirk Böhland dazu. So könnte später aus einem Jugendmark­tberater zum Beispiel ein Individual­kundenbera­ter werden oder noch später ein Seniorenbe­rater. Der Kulturpala­st in Unterwelle­nborn. FOTO: LARA HÖFER

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