Staats­an­walt­schaft sieht kei­nen An­fangs­ver­dacht

Be­hör­de legt Prüf­vor­gang zur Thü­rin­ger Awo an. Bun­des­ver­band ver­schärft Trans­pa­renz­re­geln

Ostthüringer Zeitung (Schleiz) - - Erste Seite - Von An­nett Geh­ler

Er­furt. Wäh­rend die Prü­fung in Thü­rin­gen im We­ge ei­nes Auf­sichts­ver­fah­rens läuft, ver­schärft der AwoBun­des­ver­band sei­ne Re­geln. Im We­ge ei­nes Trans­pa­renz­re­gis­ters soll es künf­tig bes­ser mög­lich sein, die be­ste­hen­den Vor­schrif­ten auch durch­zu­set­zen, weil die Ma­na­ger­ge­häl­ter

– sonst gut ge­hü­te­tes Ge­heim­nis – dann ein­seh­bar sein könn­ten. In ei­nem Prüf­vor­gang hat die Er­fur­ter Staats­an­walt­schaft die Sach­ver­hal­te rund um zu ho­he Ge­häl­ter, teu­re Di­enst­wa­gen und mut­maß­li­ches Schwei­ge­geld un­ter­sucht, be­stä­tig­te ein Be­hör­den­spre­cher.

Ein straf­ba­res Ver­hal­ten des AJS-Ge­schäfts­füh­rers sei „auf­grund der vor­lie­gen­den Un­ter­la­gen nicht zu er­ken­nen“ge­we­sen, heißt es aus der Be­hör­de. Im Be­reich des Straf­rechts war für die Be­hör­de vor al­lem die Fra­ge in­ter­es­sant, ob der ge­feu­er­te Pro­ku­rist tat­säch­lich mit ei­ner ho­hen Geld­sum­me zum Schwei­gen ge­bracht wer­den soll­te. „Im Er­geb­nis ist fest­zu­stel­len, dass die Um­stän­de zum ge­gen­wär­ti­gen Zeit­punkt noch kei­ne An­knüp­fungs­punk­te für die Be­ja­hung ei­nes An­fangs­ver­dach­tes be­grün­den“, heißt es aus der Be­hör­de.

Er­furt/Wasun­gen. Das De­ba­kel bei der Thü­rin­ger Mi­nis­ter­prä­si­den­ten­wahl und das da­durch aus­ge­lös­te Po­lit-Be­ben sind ei­ne Steil­vor­la­ge für je­den Nar­ren. „In Er­furt geht es zur­zeit tol­ler zu, als in ei­ner gut ge­schmück­ten Narr­hal­la“, be­merkt der Prä­si­dent des Wa­sun­ger Car­ne­val Clubs, Martin Krieg. „Man kann das al­les gar nicht so schnell auf­grei­fen, wie sich das ent­wi­ckelt hat.“Die Kar­ne­va­lis­ten in Thü­rin­gen be­rei­ten sich der­zeit auf ih­ren Sai­son­hö­he­punkt vor, der am 22./23. Fe­bru­ar lan­des­weit mit zahl­rei­chen Um­zü­gen ge­fei­ert wird.

Beim 485. Fe­st­um­zug am 22. Fe­bru­ar in Wasun­gen wird die Wahl von Tho­mas Kem­me­rich (FDP) zum Thü­rin­ger Mi­nis­ter­prä­si­den­ten mit AfD-Stim­men mit min­des­tens ei­ner Fi­gur the­ma­ti­siert, lässt Krieg schon ein­mal durch­bli­cken. Doch mehr ver­rät er nicht, denn die Mo­ti­ve für den tra­di­tio­nel­len Fest­zug in der Kle­in­stadt sind vor­ab im­mer ein streng ge­hü­te­tes Ge­heim­nis. Das Mot­to, un­ter dem die mehr als 90 Um­zugs­bil­der in die­sem Jahr ste­hen, lau­tet: „Die Fötz honn Eg­ge“(„Die Für­ze ha­ben Ecken“).

In­wie­weit die Re­gie­rungs­kri­se und die Mi­nis­ter­prä­si­den­ten­wahl auch in an­de­ren Stra­ßen­um­zü­gen noch ein­ge­ar­bei­tet wer­den kann, ist frag­lich. „Es ist zeit­lich sehr eng“, be­kennt der Prä­si­dent des Lan­des­ver­ban­des Thü­rin­ger Kar­ne­val­ver­ei­ne, Micha­el Danz. Die Vor­be­rei­tun­gen sei­en be­reits in vol­lem Gan­ge,

und die Um­zugs­wa­gen wür­den län­ger­fris­tig ge­plant. „Ich bin selbst ge­spannt, wie das re­flek­tiert wird.“Grund­sätz­lich hät­ten die Nar­ren aber im­mer den An­spruch, sehr ak­tu­ell zu sein, sagt Danz. In den Büt­ten­re­den wer­de die Mi­nis­ter­prä­si­den­ten­wahl – die bun­des­weit ei­nen Pro­test­sturm aus­ge­löst hat­te – da­her auf je­den Fall aufs Korn ge­nom­men. Doch bei all dem po­li­ti­schen Cha­os kön­ne selbst den Nar­ren ein stück­weit das Schmun­zeln ver­ge­hen, meint Danz.

Kem­me­rich hat­te drei Ta­ge nach sei­ner Wahl zum Re­gie­rungs­chef sei­nen Rück­tritt er­klärt. Jetzt lässt er auch sei­ne Prä­si­dent­schaft bei der Ge­mein­schaft Er­fur­ter Car­ne­val (GEC) vor­erst ru­hen, wie die Kar­ne­va­lis­ten mit­teil­ten. Kem­me­rich wer­de sich „ak­tu­ell auf sei­ne be­ruf­li­che und po­li­ti­sche Zu­kunft kon­zen­trie­ren und die knapp 200 Kar­ne­va­lis­ten men­tal un­ter­stüt­zen.“Po­li­tik sei nie und sol­le auch nicht das The­ma der GEC sein, hieß es wei­ter. „Kar­ne­val ist da­für ge­macht, der Po­li­tik auf sa­ti­ri­sche Wei­se den Spie­gel vor­zu­hal­ten, dar­an hal­ten wir uns.“

Bis­her stand der 54-jäh­ri­ge Kem­me­rich als Prä­si­dent der GEC im­mer selbst mit auf dem Um­zugs­wa­gen – nun muss er für den Spott der Nar­ren her­hal­ten. So lie­fert das po­li­ti­sche Toll­haus rund um die Kem­me­rich-Wahl auch die Vor­la­ge für ei­ne Per­si­fla­ge im Köl­ner Ro­sen­mon­tags­zug. „Wir ha­ben die­ses Mo­tiv prak­tisch über Nacht ent­wor­fen“, sagt der Zuglei­ter des dor­ti­gen Ro­sen­mon­tags­zugs, Holger Kirsch. Die Skiz­ze zeigt den Thü­rin­ger Af­DFrak­ti­ons­chef Björn Hö­cke als Hund, auf des­sen Rü­cken der Af­DFrak­ti­ons­vor­sit­zen­de im Bun­des­tag, Alex­an­der Gau­land, und Kem­me­rich sit­zen. Das Mo­tiv könn­te bis Ro­sen­mon­tag auch noch an­ders ge­stal­tet wer­den, wenn ak­tu­el­le Ent­wick­lun­gen es er­for­der­ten.

„In Er­furt geht es zur­zeit tol­ler zu als in ei­ner gut ge­schmück­ten Narr­hal­la.“Martin Krieg, Prä­si­dent des Wa­sun­ger Car­ne­val Clubs

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