„Fet­ter Schumm­ler“vor Ge­richt

Wel­che Fol­gen der Bau von So­lar­an­la­gen bei ei­ner Agrar­ge­nos­sen­schaft im Saa­le-Holz­land-Kreis hat

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Wirtschaft - Von Ti­no Zip­pel

Hat der ehe­ma­li­ge Ge­schäfts­füh­rer ei­ner Bau­fir­ma aus Frank­furt am Main bei acht Bau­ab­rech­nun­gen ver­sucht zu be­trü­gen oder nicht? Die­se Fra­ge muss das Schöf­fen­ge­richt am Amts­ge­richt Ge­ra klä­ren.

Zu­grun­de lie­gen dem Ver­fah­ren ver­schie­de­ne Bau­pro­jek­te bei ei­ner Agrar­ge­nos­sen­schaft im Saa­le-Holz­land-Kreis. Je­ne hat­te mit ei­nem So­lar­un­ter­neh­men ei­nen Ver­trag ab­ge­schlos­sen, wo­nach der An­bie­ter die Dä­cher von Stäl­len und Stroh­l­a­gern sa­niert und im Ge­gen­zug für 20 Jah­re miet­frei die Dach­flä­chen für Pho­to­vol­ta­ik-An­la­gen nut­zen darf. Die Dach-Sa­nie­rungs­ar­bei­ten über­nahm das Un­ter­neh­men aus Frank­furt am Main als Auf­trag­neh­mer der So­lar­fir­ma.

Im Jahr 2016 je­doch klag­te das Frank­fur­ter Un­ter­neh­men bei der Agrar­ge­nos­sen­schaft die Zah­lung von Zu­satz­leis­tun­gen über 128.292 Eu­ro ein.

Beim Pro­zess vor dem Land­ge­richt Ge­ra konn­te der Ge­schäfts­füh­rer aber kei­ne Ori­gi­nal­ver­trä­ge vor­le­gen, son­dern nur Ko­pi­en von An­ge­bo­ten, die der da­ma­li­ge Vor­stands­chef der Ge­nos­sen­schaft 2011 ab­ge­zeich­net ha­ben soll. Ein gra­pho­lo­gi­sches Gut­ach­ten er­gab aber, dass es sich mit ei­ner Wahr­schein­lich­keit von 99,99 Pro­zent in min­des­tens sie­ben der acht Fäl­le um ei­ne tech­ni­sche Re­pro­duk­ti­on han­del­te. Al­le Un­ter­schrif­ten wa­ren dem­nach ex­akt de­ckungs­gleich.

Das in­zwi­schen in­sol­ven­te Frank­fur­ter Un­ter­neh­men ver­lor den Zi­vil­pro­zess, auf den die An­zei­ge ge­gen den Ge­schäfts­füh­rer folg­te. Die Staats­an­walt­schaft Ge­ra hat ihn we­gen ver­such­ten Be­tru­ges an­ge­klagt. Trotz des Schrift­gut­ach­tens bleibt der 54-Jäh­ri­ge fel­sen­fest da­bei, dass der Vor­stand der Ge­nos­sen­schaft die Un­ter­schrif­ten ge­leis­tet ha­be. Da­für ge­be es Zeu­gen wie bei­spiels­wei­se ei­nen Dach­de­cker. Es sei aber vor­ge­kom­men, dass der Ko­pie­rer der Agrar­ge­nos­sen­schaft die­se Ver­trä­ge beim Ab­lich­ten zer­stört ha­be. War­um die Un­ter­schrif­ten auf den vor­ge­leg­ten Do­ku­men­ten ex­akt gleich sind, kann er nicht er­klä­ren.

Ge­nau­so fel­sen­fest be­strei­tet der Ex-Vor­stand, die­se Zu­satz­auf­trä­ge un­ter­schrie­ben zu ha­ben. „Wir hat­ten vie­le Dä­cher in ei­nem schlech­ten Zu­stand und hät­ten es nicht aus ei­ge­ner Kraft ge­schafft, die­se zu sa­nie­ren“, sagt der Vor­stand mit Ver­weis auf den nied­ri­gen Milch­preis. Da­her sei klar be­spro­chen ge­we­sen, dass die So­lar­fir­ma sämt­li­che Bau­leis­tun­gen zahlt. „Sonst hät­ten wir das Ge­schäft nicht ge­macht.“Er ha­be die Un­ter­schrif­ten nie ge­leis­tet. „Das ist Schwin­del hoch drei“, sagt der zu­neh­mend wü­ten­de Zeu­ge.

„Ei­ner von ih­nen bei­den ist ein fet­ter Schumm­ler“, sagt der Vor­sit­zen­de Rich­ter Sieg­fried Christ zum An­ge­klag­ten und zum Be­las­tungs­zeu­gen. Doch bei­de blei­ben bei ih­ren Po­si­tio­nen. Un­klar ist, wel­che Zu­satz­leis­tun­gen die Frank­fur­ter Fir­ma über­haupt aus­ge­führt hat.

Kom­pli­ziert wird die Re­cher­che, weil die So­lar­fir­ma schon 2012 in In­sol­venz ge­gan­gen ist. Zu­gleich be­tont das Ge­richt ge­gen­über dem An­ge­klag­ten, dass ei­ne Ver­ur­tei­lung nach ei­nem Ge­ständ­nis in der Re­gel ein nied­ri­ge­res Straf­maß nach sich zieht. Bis zum nächs­ten Ver­hand­lungs­ter­min am 19. Sep­tem­ber 2019 sol­le sich des­halb der An­ge­klag­te über­le­gen, ob er sei­ne Po­si­ti­on trotz der Wi­der­sprü­che auf­recht­er­hält. Das Ge­richt er­wägt auch ein er­neu­tes Schrift­gut­ach­ten.

Zeu­ge vor Ge­richt zu­neh­mend wü­tend

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