Aus Gi­ro­na nach Ge­ra

Bei Roll­ho­ckey-Bun­des­li­gist SG Blue Li­ons steht Al­bert Da­ni­el Bell­i­do im Tor. Er kommt aus der spa­ni­schen Li­ga

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Sport - Von Andre­as Rabel

Ge­ra.

Das Au­to hat noch ein spa­ni­sches Kenn­zei­chen, doch Al­bert Da­ni­el Bell­i­do und sei­ne Frau Le­an­da Az­nar sind in Ge­ra ge­mel­det – die Stadt hat zwei neue Bür­ger. Der RSC Ge­ra ei­nen neu­en Tor­hü­ter. Und was für ei­nen. Al­bert Da­ni­el Bell­i­do spielt seit er drei ist Roll­ho­ckey, sei­ne Va­ter war der ers­te Trai­ner. Schon als Drei­kä­se­hoch hü­te­te er das Tor, spiel­te über Jah­re in ei­ner der stärks­ten Li­gen der Welt – in sei­ner Hei­mat, beim HC Gi­ro­na. Ber­to, wie ihn die Ge­ra­er ru­fen, hat mit sei­nem Club auch im Eu­ro­pa­cup ge­spielt, ist ein Top-Tor­hü­ter und die Bun­des­li­ga staunt, dass er sich der Spiel­ge­mein­schaft Blue Li­ons an­ge­schlos­sen hat, dem Auf­stei­ger­team Ge­ra-Chem­nitz und nicht ei­nem der Spit­zen­teams aus Nord­rhein-West­fa­len.

Seit nun bald ei­nem Jahr sind die Ge­ra­er mit ihm in Kon­takt und freu­en sich über den Coup. Der Spa­nier woll­te in die Bun­des­li­ga, hat die Ge­ra­er wie be­stimmt auch an­de­re Ver­ei­ne an­ge­schrie­ben – doch die Ge­ra­er blie­ben dran, lu­den ihn ein, zeig­ten ihm die Stadt, die Re­gi­on, lie­ßen ihn ein Pro­be­trai­ning ab­sol­vie­ren, pro­bier­ten ein Schwarz­bier mit ihm. Es pass­te. Der Spa­nier sag­te zu und hielt Wort. „Wir ha­ben den Auf­stieg auch mit der Per­so­na­lie Bell­i­do ver­knüpft. Wir brau­chen ne­ben San­d­ri­no Lutz ei­nen wei­te­ren star­ken Tor­hü­ter, um in der Bun­des­li­ga be­ste­hen zu kön­nen“, sagt Spie­ler­trai­ner En­ri­co Rhein. Zwar ha­be der Ka­ta­la­ne noch Sprach­pro­ble­me, ist da­bei, deutsch zu ler­nen, denn er sei nach Deutsch­land ge­kom­men, um zu blei­ben. „Mei­ne Frau und ich, wir ha­ben das Aben­teu­er ge­sucht, ei­ne neue Her­aus­for­de­rung“, sagt der 32-Jäh­ri­ge.

Sport­lich sind Ge­ra und die Blue Li­ons in je­dem Fall ei­ne Her­aus­for­de­rung. „Ich spie­le bei ei­nem Auf­stei­ger. Aber ich ha­be ver­folgt, dass sich das Team Stück für Stück ver­bes­sert hat, nach oben ge­kom­men ist und ei­ne sehr gu­te Nach­wuchs­ar­beit macht.“Er wol­le sich ein­brin­gen, ins Team, schau­en, wie man in Deutsch­land trai­niert, ein Spiel auf­zieht. Schließ­lich kön­ne man so oder so Roll­ho­ckey spie­len und auch die Tor­hü­ter ha­ben ih­ren ganz ei­ge­nen Stil.

In sei­ner Hei­mat ha­be er Kin­der trai­niert, wol­le im nächs­ten Som­mer auch in Ge­ra ein Camp ab­hal­ten, doch es rei­ze ihn auch, die Äl­te­ren zu coa­chen. „Kin­der zu trai­nie­ren ist ei­ne Freu­de, da siehst du die Ent­wick­lung, den Fort­schritt“, sagt er. Doch in den hö­he­ren Jahr­gän­gen wächst der Druck, et­was er­rei­chen zu müs­sen und er lie­be den Druck.

Ob er denn auch mit Nie­der­la­gen, die in der Sai­son zwangs­läu­fig kom­men wer­den, auch um­ge­hen kön­ne, wird er ge­fragt. „Ich den­ke, kei­ner ver­liert gern. Auch ich nicht. Aber ich bin ei­ner, der auch aus den Nie­der­la­gen das Po­si­ti­ve – und das gibt es im­mer – mit­neh­men kann.“

Am 21. Sep­tem­ber er­le­ben die Blue Li­ons in Iser­lohn ih­re Bun­des­li­ga-Pre­mie­re und man hofft, dass Bell­i­do und Lutz hal­ten, was es zu hal­ten gibt. Beim Trai­ning war nicht aus­zu­ma­chen, dass da ein Neu­er in Ak­ti­on ist, die Stim­mung gut, die Übun­gen schweiß­trei­bend. Ver­wun­dert ist der Spa­nier al­ler­dings, dass es in der Ge­ra­er Sport­hal­le kei­ne ho­he Ban­de gibt, das sei in sei­ner Hei­mat über­all Usus. Aber das kön­ne ja noch wer­den, die Ge­ra­er sind dran. Er freue sich, dass er in Ge­ra an­ge­kom­men ist, ei­ne Woh­nung be­zo­gen hat, ei­nen Job als La­ge­rist in Ron­ne­burg ver­mit­telt be­kom­men hat.

Ge­be es denn auch et­was, was ihm nicht so ge­fällt an Deutsch­land? „Ja“, sagt er und reibt sich die Ar­me, „kalt ist es hier“.

Bun­des­li­ga-Pre­mie­re steigt in Iser­lohn

FO­TO: RON­NY ESCHRICH

Al­bert Da­ni­el Be­dil­lo und Le­an­da Az­nar ha­ben sich für Ge­ra und die SG Blue Li­ons ent­schie­den.

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