Haupt­the­men der Äl­te­ren ver­hau­en

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Thüringen -

Zum Bei­trag „Gr­und­fra­gen zur Stra­te­gie stel­len“(OTZ, 2.9.2019).

Wenn Herr Bartsch nicht ver­ste­hen kann, war­um der Lin­ken im „ost­deut­schen Kern­land“die Wäh­ler da­von­lau­fen, kann ich ihm vi­el­leicht sei­nen Ho­ri­zont er­hel­len. An die­ser Stel­le soll mal Men­gen­leh­re und Wel­t­an­schau­ung an und un­ter his­to­risch bri­san­ten Schnitt­men­gen und -punk­ten neu ge­wich­tet wer­den. Nicht die Mas­se der Angestellt­en und Füh­rungs­kräf­te der ehe­ma­li­gen DDR wa­ren „Bal­lon­fah­rer“oder durch­trai­nier­te „Aus­dau­er­schwim­mer“, son­dern in der Mehr­heit be­schei­de­ne und engagierte Kämp­fer in ih­rer Ar­beits­welt. Vie­le von ih­nen tru­gen wil­lig, aber auch zum gro­ßen Teil un­wil­lig das Par­tei­ab­zei­chen. Es war eben so. Hel­den sind in vie­len Köp­fen de­rer, die das DDRRe­gime nicht am ei­ge­nen Le­ben er­fah­ren brauch­ten oder es aus gut nach­voll­zieh­ba­ren bür­ger­li­chen Grün­den ab­lehn­ten, heu­te die „Bal­lon­fah­rer“und spek­ta­ku­lä­ren Grenz­gän­ger.

Ehe­ma­li­ge Sys­tem­trä­ger sa­hen in der Lin­ken ih­re In­ter­es­sen­ver­tre­te­rin, die seit der Wen­de als ein­zi­ge de­mo­kra­ti­sche Par­tei de­ren Le­bens­leis­tun­gen voll an­er­kann­te. Ei­ne gro­ße Men­ge der ge­bur­ten­star­ken Jahr­gän­ge 1952 bis 1964 hat sich auch seit 1990 un­ter heu­ti­gen Ver­hält­nis­sen be­ruf­lich be­haup­ten kön­nen, ob­wohl in den meis­ten Fäl­len Er­werbs­bio­gra­fi­en ka­putt gin­gen und be­ruf­lich nur ein Platz in der zwei­ten Rei­he üb­rig blieb. Ge­prägt von zwei Be­rufs­le­ben in zwei to­tal ver­schie­de­nen po­li­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Sys­te­men, tritt für die­se Men­schen im­mer mehr die Al­ters­ren­te in den Fo­kus.

Rent­ner wäh­len in der Mehr­heit kon­ser­va­tiv hü­ben wie drü­ben. Ei­nen In­ter­es­sen­ver­tre­ter in Gestalt ei­ner Par­tei für die Ar­beits­welt be­darf es nicht mehr. Aus mei­ner Sicht ha­ben auch al­le an­de­ren west­deut­schen do­mi­nie­ren­den Po­li­ti­ker das Wahl­the­ma ver­hau­en.

Nicht Kli­ma­schutz und Mi­gra­ti­on steht für die­se Ge­ne­ra­ti­on, die auch de­ren Kin­der welt­an­schau­lich prägt, an ers­ter Stel­le, son­dern ein Al­tern in Wür­de und bei vie­len auch das The­ma „Grund­ren­te“. Die Grü­nen pro­fi­tie­ren mo­men­tan nur da­von, dass sie als die wei­che­re Al­ter­na­ti­ve zur AfD er­schei­nen.

Frank Däg­ling, Je­na

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.