Äp­fel & Co.: Wann frem­des Obst ge­pflückt wer­den darf

Un­ter Nach­barn gibt es im­mer wie­der Streit, wenn die Baum­zwei­ge in den an­de­ren Gar­ten hin­über­ra­gen. Wie Ge­rich­te ent­schie­den ha­ben

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Ratgeber -

Ber­lin.

Ju­ris­tisch war es bis Mit­te der 70er-Jah­re „Mund­raub“, wenn man Obst von ei­nem frem­den Baum ge­pflückt hat. Da­mals droh­te gar ei­ne Geld­stra­fe von bis zu 500 Mark. Heu­te gibt es die­se Vor­schrift nicht mehr. Was gilt aber, wenn der Obst­baum vom Nach­barn in den ei­ge­nen Gar­ten hin­über­ragt? Darf man sich ei­nen Ap­fel neh­men?

Dass der Ap­fel dem Baum­be­sit­zer ge­hört, ist ein Irr­glau­be. Rich­tig ist: Nur er darf ern­ten – al­ler­dings nur von sei­nem Grund­stück aus. Von dort kann er auch ei­nen Grei­fer ein­set­zen, um bei den über­hän­gen­den Zwei­gen die Äp­fel ein­zu­sam­meln. Möch­te er in­des auf das an­de­re Grund­stück, so be­nö­tigt er da­für ei­ne aus­drück­li­che Er­laub­nis des Grund­stücks­be­sit­zers.

Gut zu wis­sen für Mie­ter: Wer bei ei­nem Ein­fa­mi­li­en­haus laut Miet­ver­trag zur Gar­ten­nut­zung be­rech­tigt ist, darf die Obst­bäu­me auf dem Grund­stück ab­ern­ten (Amts­ge­richt Le­ver­ku­sen, Az: 28 C 277/93).

Bei her­un­ter­ge­fal­le­nen Äp­feln sieht das al­les schon wie­der an­ders aus. Im Bür­ger­li­chen Ge­setz­buch (BGB) ist das un­ter der Über­schrift „Über­fall“ge­re­gelt, und zwar im Pa­ra­gra­fen 911: „Früch­te, die von ei­nem Bau­me oder ei­nem Strau­che auf ein Nach­bar­grund­stück hin­über­fal­len, gel­ten als Früch­te die­ses Grund­stücks.“Was am Bo­den liegt, darf der Nach­bar al­so auf­he­ben und ver­put­zen. Nach­hel­fen ist al­ler­dings nicht er­laubt. Wer schüt­telt, kann sich nicht auf die „Über­fall“-Vor­schrift be­ru­fen. Das ab­sicht­lich pro­du­zier­te Fall­obst müss­te ge­nau ge­nom­men zu­rück­ge­ge­ben wer­den. Mit­un­ter lan­det im Gar­ten des Nach­barn viel mehr Obst, als ihm lieb ist. Muss er das auf Dau­er hin­neh­men? Oder kann er ver­lan­gen, dass der Baum­be­sit­zer es für ihn ein­sam­melt? Es kommt dar­auf an: Ge­gen ein paar Äp­fel oder Bir­nen lässt sich kaum was aus­rich­ten, so­lan­ge das orts­üb­lich ist. Bei ei­ner we­sent­li­chen Be­ein­träch­ti­gung in­des, wenn der Gar­ten prak­tisch von Nach­bars Obst be­gra­ben wird, dann muss der Baum­be­sit­zer han­deln. Ent­we­der er be­schnei­det den Baum (so­fern das nach den Baum­schutz­vor­schrif­ten zu­läs­sig ist). Oder er küm­mert sich dar­um, dass das Fall­obst beim Nach­barn ver­schwin­det. Un­ter­nimmt er nichts, muss er die Kos­ten für ei­nen Gar­ten­dienst be­zah­len (Amts­ge­richt Backnang, Az. s3 C35/89).

Tipp: Auf der In­ter­net­sei­te mund­raub.org sind auf ei­ner Deutsch­land­kar­te Kräu­ter, Obst­bäu­me oder Sträu­cher dar­ge­stellt, die laut An­ga­ben der Sei­ten­be­trei­ber le­gal ab­ge­ern­tet wer­den dür­fen. Dem­nach sind sie All­ge­mein­gut oder vom Ei­gen­tü­mer zur Ver­fü­gung ge­stellt wor­den. (ftx/pol)

Lan­det frem­des Obst im Gar­ten, darf man es es­sen

FO­TO: DPA PICTURE-AL­LI­AN­CE / SEM VAN DER WAL

Hän­gen die Äp­fel des Nach­barn über den Gar­ten­zaun, dür­fen sie nicht ein­fach ge­pflückt oder her­un­ter­ge­schüt­telt wer­den.

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