Tun­nel für Bahn­hof Frank­furt?

Neu­bau soll Fahrt­zeit ver­kür­zen

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Wirtschaft - Von Bea­te Kranz

Ber­lin.

Droh­nen­an­grif­fe auf die größ­te Raf­fi­ne­rie in Sau­di-Ara­bi­en ha­ben die Öl­märk­te welt­weit in Auf­ruhr ver­setzt. Der Öl­preis leg­te zu Han­dels­start am Mon­tag den größ­ten An­stieg seit dem Golf­krieg An­fang der 1990er-Jah­re hin. Die Ve­r­un­si­che­rung über die po­li­ti­sche Es­ka­la­ti­on im Na­hen Os­ten ist groß. Die USA ha­ben Iran die Schuld für die Atta­cke ge­ge­ben, der die­se je­doch zu­rück­wies. Zu dem An­griff hat­ten sich je­me­ni­ti­sche Huthi-Re­bel­len be­kannt. Wel­che Fol­gen hat der Kon­flikt für Deutsch­land?

Wie ha­ben die welt­wei­ten Märk­te auf den An­schlag re­agiert?

Die An­grif­fe in Sau­di-Ara­bi­en ha­ben zwi­schen­zeit­lich zum größ­ten Öl­preis­an­stieg seit fast 30 Jah­ren ge­führt. In den ers­ten Han­dels­mi­nu­ten leg­ten die Öl­prei­se am Mon­tag bis zu 20 Pro­zent zu, be­vor sie wie­der et­was nach­ga­ben. Ein Bar­rel (159 Li­ter) der Nord­see­sor­te Brent kos­te­te in der Spit­ze 71,95 Dol­lar. Preis für ein Bar­rel der ame­ri­ka­ni­schen Sor­te West Te­xas In­ter­me­dia­te (WTI) ver­teu­er­te sich auf 63,34 Dol­lar. Die Prei­se klet­ter­ten auf den höchs­ten Stand seit meh­re­ren Mo­na­ten. Den­noch sind sie noch weit von ih­rem Re­kord von mehr als 100 Dol­lar pro Bar­rel in den Jah­ren 2011 bis 2013 ent­fernt.

Droht ei­ne Ver­sor­gungs­knapp­heit in Deutsch­land?

„In Deutsch­land droht kein Eng­pass in der Ver­sor­gung“, sagt der Spre­cher vom Mi­ne­ral­öl­wirt­schafts­ver­band (MWV), Alex­an­der von Gers­dorff. Die Bun­des­re­pu­blik be­zieht le­dig­lich rund ein Pro­zent sei­ner Öl­im­por­te aus Sau­di-Ara­bi­en. So­mit ist Deutsch­land nicht di­rekt von ei­nem mög­li­chen Öl­ver­sor­gungs­eng­pass im ara­bi­schen Raum be­trof­fen. Zu­dem gibt es aus­rei­chend Öl auf den in­ter­na­tio­na­len Märk­ten. „Kurz­fris­tig ist mit kei­nen An­ge­bots­eng­päs­sen zu rech­nen“, sagt die Ener­gie­ex­per­tin des Deut­schen In­sti­tuts für Wirt­schafts­for­schung (DIW), Claudia Kem­fert, die­ser Re­dak­ti­on. Ent­schei­dend sei, dass der Kon­flikt rasch be­frie­det wird und kei­ne dau­er­haf­ten Eng­päs­se auf­tre­ten. Auch die In­ter­na­tio­na­le Ener­gie­agen­tur (IEA) sieht kei­ne Ver­sor­gungs­pro­ble­me.

Wo­her be­zieht Deutsch­land sein Roh­öl?

Deutsch­land be­zieht sein Roh­öl aus mehr als 30 Län­dern. Der größ­te Öl­lie­fe­rant ist Russ­land mit rund 36 Pro­zent, ge­folgt von Nor­we­gen (12 Pro­zent), Li­by­en, Ka­sachs­tan und Groß­bri­tan­ni­en mit je­weils acht Pro­zent An­teil. Die USA lie­fern 4,5 Pro­zent des deut­schen Roh­öl­be­darfs. Wei­te­re Lie­fe­ran­ten sind Ni­ge­ria, Irak, Al­ge­ri­en und Ägyp­ten. Sie al­le ex­por­tie­ren mehr Öl nach Deutsch­land als Sau­di-Ara­bi­en. Auch auf­grund die­ser viel­fäl­ti­gen Lie­fe­ran­ten­zahl gilt die Ver­sor­gung als ge­si­chert.

Wie viel Öl fehlt nun am Welt­markt?

Sau­di-Ara­bi­en ist welt­weit der größ­te Öl­lie­fe­rant. Durch die Droh­nen­an­grif­fe wur­de die größ­te Öl­raf­fi­ne­rie Sau­di-AraDer bi­ens ge­trof­fen. In­fol­ge der An­grif­fe fal­len 5,7 Mil­lio­nen Bar­rel des täg­li­chen Öl­an­ge­bots Sau­di­Ara­bi­ens aus, be­rich­ten Com­merz­bank-Ana­lys­ten – die Men­ge ent­spricht et­wa 60 Pro­zent der sau­di-ara­bi­schen Öl­pro­duk­ti­on oder fünf Pro­zent des welt­wei­ten Öl­an­ge­bots.

Soll­te man jetzt noch voll­tan­ken oder sei­ne Heiz­öl­tanks fül­len?

Der Heiz­öl­preis ist be­reits am Mon­tag deut­lich ge­stie­gen. Im bun­des­wei­ten Durch­schnitt kos­te­te der Li­ter 69 Eu­ro je 100 Li­ter bei ei­ner Ab­nah­me von 3000 Li­ter. Am Frei­tag lag der Preis noch bei 64 Eu­ro, so der Mi­ne­ral­öl­wirt­schafts­ver­band. Re­gio­nal sprang der Preis um drei bis fünf Cent nach oben, be­rich­tet der Mess­ge­rä­te-Her­stel­ler Tec­son. Pro­gno­sen zur Preis­ent­wick­lung wol­len Ex­per­ten nicht ge­ben. An den Tank­stel­len wa­ren am Mon­tag noch kei­ne si­gni­fi­kan­ten Er­hö­hun­gen zu be­mer­ken. Zwar stie­gen die Prei­se am Vor­mit­tag leicht um ein bis zwei Cent. Da die Tank­stel­len­prei­se täg­lich je­doch mehr­mals ver­än­dert wer­den, kann dies noch nicht als ein­deu­ti­ge Preis­er­hö­hung ge­wer­tet wer­den. Ob der Roh­öl­preis spür­bar und dau­er­haft Ben­zin und Die­sel ver­teu­ert, ist un­ge­wiss. Ein Groß­teil des Ben­zin­prei­ses (et­wa 63 Pro­zent) ma­chen Steu­ern aus.

Wer­den die Roh­öl­prei­se welt­weit dau­er­haft stei­gen?

„Es han­delt sich um ei­nen gra­vie­ren­den Kon­flikt, der kurz­fris­tig auf je­den Fall zu stei­gen­den Öl­prei­sen füh­ren wird“, ist die Ener­gie­ex­per­tin Kem­fert über­zeugt. „Der­zeit gibt es zwar noch aus­rei­chend Öl auf den Märk­ten, aber es wer­den mög­li­che An­ge­bots­eng­päs­se schon heu­te ein­ge­preist.“Ob der Kon­flikt an­hal­ten wird und es da­mit zu tat­säch­li­chen An­ge­bots­eng­päs­sen und zu wei­ter stei­gen­den Öl­prei­sen kom­men kann, hän­ge da­von ab, dass fos­si­le Ener­gie­krie­ge von al­len Sei­ten be­frie­det wer­den. „Lei­der ist dies der­zeit ein un­rea­lis­ti­sches Sze­na­rio“, meint Kem­fert. Da Roh­öl welt­weit ge­han­delt und der Preis sich an den welt­wei­ten Roh­öl­märk­ten bil­det, dürf­ten die­se auch in Deutsch­land spür­bar wer­den.

Wie könn­te ge­gen wei­te­re Preis­an­stie­ge ge­gen­ge­steu­ert wer­den?

Die USA ha­ben an­ge­kün­digt, die ent­stan­de­ne För­der­lü­cke bei Eng­päs­sen durch den Rück­griff auf ih­re Erd­öl-Re­ser­ven aus­zu­glei­chen. An­ders die Bun­des­re­gie­rung: Deutsch­land will ih­re Öl­re­ser­ven nicht frei­ge­ben.

Die DIW-Ener­gie­ex­per­tin Kem­fert hält un­ter­des­sen lang­fris­ti­ge Stra­te­gi­en für ziel­füh­rend, um sich vom Öl un­ab­hän­gi­ger zu ma­chen: „Die bes­te Ant­wort auf fos­si­le Ener­gie­krie­ge ist die Ener­gie­wen­de mit ge­ziel­tem Ener­gie­spa­ren im Ge­bäu­de- und dem Ein­satz al­ter­na­ti­ver Kraft­stof­fe im Ver­kehrs­sek­tor.“In der deut­schen Kli­ma­po­li­tik müs­se des­halb die Ab­kehr von fos­si­ler Ener­gie Prio­ri­tät ha­ben. „Ins­be­son­de­re die stär­ke­re För­de­rung en­er­ge­ti­scher Ge­bäu­de­sa­nie­run­gen und die Ver­kehrs­wen­de mit der För­de­rung des Schie­nen­ver­kehrs und der Elek­tro­mo­bi­li­tät muss Vor­rang ein­ge­räumt wer­den.“

Frank­furt/Main.

Für den ge­plan­ten mil­li­ar­den­schwe­ren Bau ei­nes neu­en un­ter­ir­di­schen Fern­bahn­hofs in Frank­furt will der Bund Kos­ten und Fol­gen für den Zug­ver­kehr un­ter­su­chen. Der Haupt­bahn­hof als ei­ner der wich­tigs­ten Ei­sen­bahn­kno­ten Deutsch­lands sol­le da­mit ent­las­tet wer­den, teil­ten die Deut­sche Bahn und das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um am Mon­tag in Frank­furt mit. Bis zum Früh­jahr 2021 soll ei­ne Mach­bar­keits­stu­die aus­ge­wer­tet wer­den; fer­tig sein könn­ten der meh­re­re Ki­lo­me­ter lan­ge Tun­nel und der Tief­bahn­hof frü­hes­tens 2035 oder 2036, so Ver­kehrs­staats­se­kre­tär Enak Fer­le­mann. Bis­her rech­net der Bund mit Kos­ten in Hö­he von 3,56 Mil­li­ar­den Eu­ro.

Das Kon­zept sieht den Bau ei­nes neu­en Tun­nels für den Fern­ver­kehr vor. Die­ser Tun­nel soll den Frank­fur­ter Haupt­bahn­hof von West nach Ost un­ter­que­ren und dort an vier neue, un­ter­ir­di­sche Glei­se an­schlie­ßen. Die­se sind als Er­gän­zung der vor­han­de­nen ober­ir­di­schen Glei­se ge­dacht.

Hoch­ge­schwin­dig­keits­ver­kehr und ein Kopf­bahn­hof sei­en nicht ver­ein­bar, denn da­bei müss­ten die Zü­ge nach dem Halt die Rich­tung wech­seln, sag­te Fer­le­mann. Der Frank­fur­ter Haupt­bahn­hof sei ein „ab­so­lu­ter Kris­tal­li­sa­ti­ons­punkt“im Schie­nen­netz. Laut Bahn fah­ren zwei Drit­tel al­ler Fern­zü­ge durch Frank­furt. Es sol­len auch Va­ri­an­ten für die Stre­cken­füh­rung er­ar­bei­tet wer­den. Zu­dem geht es in der Stu­die um Kos­ten und Aus­wir­kun­gen auf den Bahn­ver­kehr. Erst da­nach wer­de ent­schie­den, ob und wie das Vor­ha­ben um­ge­setzt wer­de, sag­te Fer­le­mann. Wenn sich der Fern­ver­kehr durch ei­nen Tun­nel Fahr­ten durchs Stadt­ge­biet und den Rich­tungs­wech­sel spa­ren kann, dann könn­te dies pro Zug bis zu acht Mi­nu­ten Er­spar­nis brin­gen. (dpa)

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