Rechts­schutz: Für wen sich die Po­li­ce lohnt

Selbst wer ver­si­chert ist, be­kommt nicht im­mer Un­ter­stüt­zung. An­ge­bo­te der Ver­si­che­rer un­ter­schei­den sich stark. Tipps für die rich­ti­ge Wahl

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Ratgeber - Von Kath­rin Gott­hold

Ber­lin. Das Ho­tel war nicht das ver­spro­che­ne Idyll am Strand, son­dern eher ei­ne Bau­stel­le? Der Die­sel fährt mit ma­ni­pu­lier­ter Ab­gas­steue­rung? Und der Ver­mie­ter will schon wie­der mehr Geld? Al­les möch­te man sich ja nicht ge­fal­len las­sen. Ein gu­tes Ge­fühl al­so zu wis­sen, dass man im Fall ei­nes Rechts­streits ver­si­chert ist. Oder? Im­mer­hin je­der zwei­te Haus­halt hat ei­ne Rechts­schutz­ver­si­che­rung. Und die so Ver­si­cher­ten ver­trau­en im Fall ei­nes Streits auf Un­ter­stüt­zung.

Fi­nanz­tip hat nun Rechts­schutz­ver­si­che­run­gen un­ter­sucht. Gleich vor­ne­weg ge­sagt: Sie hel­fen nicht im­mer, ein Rund­um-sorg­los-Ver­spre­chen gibt es nicht. Um­so wich­ti­ger ist es, sich klar­zu­ma­chen, wel­chen Schutz man braucht und was die zur Wahl ste­hen­de Ver­si­che­rung leis­tet. Denn es gibt sehr gro­ße Un­ter­schie­de in der Leis­tungs­fä­hig­keit.

Wenn ver­si­chert, dann mög­lichst breit­ge­fä­chert. Weil man ja vor­her nicht weiß, wo­für man ei­nen An­walt braucht, hat Fi­nanz­tip un­ter­sucht, wel­che Rechts­schutz­ver­si­che­rer ei­ne mög­lichst um­fang­rei­che Leis­tung zu ei­nem gu­ten Preis an­bie­ten – wo al­so das Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis be­son­ders gut ist. Das war am En­de das wich­tigs­te Kri­te­ri­um bei der Fi­nanz­tip-Un­ter­su­chung.

Ins­ge­samt un­ter­schei­den die Ver­si­che­rer beim Schutz für Pri­vat­leu­te vier Rechts­be­rei­che: Be­ruf, Woh­nen, Ver­kehr und Pri­va­tes. Zwei Ta­ri­fe schnit­ten in der Fi­nanz­tip-Ana­ly­se in al­len Be­rei­chen gut ab: „Arag Kom­fort“und „Au­xi­lia Jur­pri­vat“. Wer be­son­de­ren Wert auf Ar­beits- und Fa­mi­li­en­recht legt, für den könn­te auch der Ta­rif „PBV Plus“von Huk24 in­ter­es­sant sein. Nur mi­ni­ma­le Ab­stri­che in der Leis­tung hat Fi­nanz­tip beim ver­gleichs­wei­se güns­ti­gen Ta­rif „Op­ti­mal“der WGVVer­si­che­rung ge­fun­den.

Wer schon ver­si­chert ist. Vor dem Ab­schluss ei­ner Rechts­schutz­ver­si­che­rung soll­te je­der prü­fen, ob er nicht be­reits über die Ge­werk­schaft oder ei­nen Ver­kehrs­club ab­ge­si­chert ist. Sol­che Mit­glied­schaf­ten ent­hal­ten oft schon ei­ne (teil­wei­se) Ab­si­che­rung in den Be­rei­chen Ar­beits­recht be­zie­hungs­wei­se Ver­kehrs­recht. Au­ßer­dem soll­ten In­ter­es­sier­te das Ri­si­ko, vor Ge­richt zu lan­den, nicht über­schät­zen.Sog­a­be­nin­ei­nerUm­fra­ge der Ro­land-Ver­si­che­rung aus dem Jahr 2018 le­dig­lich 27 Pro­zent der Be­frag­ten an, in den letz­ten zehn Jah­ren an ei­nem Ge­richts­pro­zess be­tei­ligt ge­we­sen zu sein – als Klä­ger, Be­klag­ter oder auch Zeu­ge.

Wer ei­ne Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung hat, soll­te hin­ge­gen in al­ler Re­gel auch ei­nen Rechts­schutz ab­schlie­ßen. Denn wei­gert sich die Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung zu zah­len, geht es meist um viel Geld.

Was im Schutz ein­ge­schlos­sen

ist. Auch wenn der Ver­si­che­rungs­schutz al­le vier Be­rei­che ab­deckt, al­so Pri­va­tes, Be­ruf, Woh­nen und Ver­kehr, heißt das nicht, dass al­les ab­ge­si­chert ist. Des­we­gen hier ein Über­blick, was nor­ma­ler­wei­se da­zu­ge­hört:

Leis­tungs­star­ke Ta­ri­fe zah­len in der Re­gel bei Streit rund um Rei­se-, Kauf-, Di­enst­leis­tungs­und Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge, et­wa wenn der Hand­wer­ker ge­pfuscht hat oder der Ver­si­cher­te we­gen Rei­se­män­geln Geld zu­rück­ver­langt. Streit im Job über Lohn, Ur­laub oder Kün­di­gung ist ab­ge­deckt, auch ein Streit mit dem Fi­nanz­amt.

Der Ver­si­che­rungs­schutz gilt au­ßer­dem für Ver­kehrs­de­lik­te, Ord­nungs­wid­rig­kei­ten und fahr­läs­si­ge Ver­ge­hen. Wird dem Ver­si­cher­ten vor­ge­wor­fen, er ha­be die Tat vor­sätz­lich be­gan­gen, zahlt nicht je­de Ver­si­che­rung.

Und wer zur Mie­te wohnt, kann in der Re­gel sei­ne Ver­si­che­rung in An­spruch neh­men, um zum Bei­spiel Miet­erhö­hun­gen oder Ei­gen­be­darfs­kün­di­gun­gen prü­fen zu las­sen.

Ver­si­chert ist auch, wenn man ei­nen An­spruch auf Scha­dens­er­satz hat, bei­spiels­wei­se nach ei­nem Un­fall mit dem Au­to, dem Fahr­rad oder zu Fuß. Al­ler­dings springt die Ver­si­che­rung nicht ein, um ei­nen sol­chen An­spruch ab­zu­weh­ren. Da hilft aber die Haft­pflicht­ver­si­che­rung, die den Scha­den sonst zah­len müss­te – und die soll­te je­der ha­ben.

Was nicht ein­ge­schlos­sen ist.

Es gibt noch ein paar Be­rei­che, in de­nen die Rechts­schutz­ver­si­che­run­gen üb­li­cher­wei­se nicht ein­sprin­gen: In Fra­gen von Un­ter­halt, Streit um Erb­schaft oder Sor­ge­rechts­fra­gen – ge­ra­de auch nach ei­ner Schei­dung – fi­nan­ziert die Ver­si­che­rung kei­nen Pro­zess. Schon gar nicht, wenn die Kon­tra­hen­ten ge­mein­sam ei­ne Fa­mi­li­en­ver­si­che­rung ha­ben.

Wer baut oder ei­ne Im­mo­bi­lie fi­nan­ziert, hat in die­sen Fra­gen eben­falls kei­nen Rechts­schutz. Schwie­rig wird es auch bei Aus­ein­an­der­set­zun­gen um spe­ku­la­ti­ve Ka­pi­tal­an­la­gen oder Wet­ten. Auch da zahlt kaum ei­ne Ver­si­che­rung. Wenn je­mand vor­sätz­lich ei­ne Straf­tat be­geht, so­wie­so nicht.

Kein Rechts­schutz im Nach­hin­ein. Egal, für wel­chen Ta­rif man sich ent­schei­det: Ei­ne Rechts­schutz­ver­si­che­rung springt nicht ein, wenn ein Fall bei Ab­schluss des Ver­tra­ges schon ein „Fall“war. Und wer ge­gen al­les und je­den vor­ge­hen will? Der ist sei­ne Ver­si­che­rung schnel­ler wie­der los, als er „Rechts­schutz­ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen“buch­sta­bie­ren kann. Vie­le Ver­si­che­rer neh­men sich das Recht her­aus, schon nach zwei Fäl­len in­ner­halb von zwölf Mo­na­ten kün­di­gen zu kön­nen. Und sie wer­den von die­sem Recht im Zwei­fel auch Ge­brauch ma­chen.

Be­ra­tung in al­len Fäl­len. Ver­si­cher­te kön­nen ih­ren Rechts­schutz­an­bie­ter auch als recht­li­che In­fo-Stel­le nut­zen. Denn te­le­fo­ni­sche Rechts­be­ra­tung bie­ten die meis­ten Rechts­schutz­ver­si­che­run­gen an. In gu­ten Ta­ri­fen kön­nen Ver­si­cher­te sich so­gar in al­len, auch nicht ver­si­cher­ten Rechts­ge­bie­ten ei­ne Ein­schät­zung ho­len – oh­ne Ge­fahr zu lau­fen, da­nach vom Ver­si­che­rer aus dem Ver­trag ge­wor­fen zu wer­den. Bei leis­tungs­star­ken An­bie­tern geht das so­gar rund um die Uhr.

Die­ser Bei­trag er­scheint in ei­ner Ko­ope­ra­ti­on mit fi­nanz­tip.de. Fi­nanz­tip ist ge­mein­nüt­zig und hilft Ver­brau­chern bei den täg­li­chen Fi­nan­zent­schei­dun­gen.

FO­TO: MONKEYBUSI­NESSIMAGES

Rechts­streit nach ei­nem Au­to­un­fall: Hat der Ver­si­cher­te mit Vor­satz ge­han­delt, springt nicht je­de Ver­si­che­rung ein.

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