Un­ter­neh­mer sind nicht in Fei­er­lau­ne

Der Fei­er­tag am Welt­kin­der­tag ist in der Kri­tik – we­gen der Kos­ten, feh­len­der Tra­di­ti­on und weil es ein Al­lein­gang ist

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Politik - Von Kat­ja Grie­ser und Andre­as Bay­er

Sch­m­ölln.

Mor­gen ist in Thü­rin­gen Fei­er­tag. Zum ers­ten Mal müs­sen die Leu­te im Frei­staat am Welt­kin­der­tag nicht ar­bei­ten. Was Ar­beit­neh­mer freut, stößt bei Ar­beit­ge­ber nicht auf gro­ße Be­geis­te­rung.

„Je­der zu­sätz­li­che Fei­er­tag ist schwie­rig“, sagt Chris­ti­an Wolf. Ar­beit und Kos­ten wer­den da­durch ver­ur­sacht, so der Chef der Fir­men­grup­pe mit Sitz im baye­ri­schen Schwan­dorf, zu der die Wolf Wurst­spe­zia­li­tä­ten Gm­bH in Sch­m­ölln ge­hört. Die Pro­duk­ti­on muss her­un­ter­ge­fah­ren, die Ma­schi­nen ab­ge­stellt wer­den, denn an dem Tag wird nichts her­ge­stellt. „Es ist auch schwie­rig, wenn je­mand aus Nord­rhein-West­fa­len bei uns an­ruft und kei­nen er­reicht. Dort hat man den neu­en Thü­rin­ger Fei­er­tag ja nicht auf dem Schirm“, ist er über­zeugt. Fei­er­ta­ge, die es nur in ein­zel­nen Bun­des­län­dern gibt, fin­det er des­halb pro­ble­ma­tisch. „Aber ich bin es ge­wohnt, wir ha­ben in Bay­ern ja mit Ab­stand die meis­ten Fei­er­ta­ge“, so Chris­ti­an Wolf. Auch ein an­de­rer Bay­er sieht den neu­en Fei­er­tag zwie­späl­tig: „Per se ist es gut, dass wir uns den an­de­ren Bun­des­län­dern in der Zahl der Fei­er­ta­ge an­glei­chen“, sagt Bas­ti­an Leik­eim, Ge­schäfts­füh­rer der Al­ten­bur­ger Braue­rei. Kri­tisch sieht er hin­ge­gen, dass der neue Fei­er­tag so schnell ein­ge­führt wur­de, dass er in kei­nem Ka­len­der auf­ge­führt wird. „Vie­le mei­ner Mit­ar­bei­ter wuss­ten vor ein paar Ta­gen noch gar nicht, dass sie am Frei­tag frei ha­ben“, so Leik­eim. Zu­dem hät­te er es bes­ser ge­fun­den, wenn man sich an die an­de­ren Bun­des­län­der an­gleicht, was das Da­tum an­geht. „Da­mit wä­re man mehr auf die Le­bens­rea­li­tät der Ar­beit­neh­mer ein­ge­gan­gen und sie hät­ten viel­leicht auch mehr vom Fei­er­tag.“

„Wir ha­ben deut­li­che Nach­tei­le, weil wir im Drei-Län­derEck die ein­zi­gen sind, die am Frei­tag nicht ar­bei­ten“, sagt Phil­ipp Gr­un­wald, der ei­ne Au­to­werk­statt in Lump­zig be­treibt. Wenn man ei­nen neu­en Fei­er­tag ein­füh­re, soll­te man sich bes­ser mit den an­de­ren Bun­des­län­dern ab­spre­chen, so Gr­un­wald. „An­sons­ten freue ich mich für die Mit­ar­bei­ter, auch ich wer­de den Tag für ei­nen Aus­flug mit den Kin­dern nut­zen.“

„Wir se­hen das grund­sätz­lich sehr po­si­tiv“, sagt Son­ja Reichardt, Ge­schäfts­füh­re­rin des Ar­bei­ter-Sa­ma­ri­ter-Bun­des Al­ten­burg-Sch­m­ölln. Das „Es­sen auf Rä­dern“-An­ge­bot wer­de wie je­den Tag wei­ter­ge­führt, al­le an­de­ren ha­ben frei. Man ach­te dar­auf, dass dies am Fei­er­tag kei­ne Müt­ter von klei­nen Kin­dern ma­chen müss­ten. Die Klei­der­kam­mer und die Le­bens­mit­tel­aus­ga­be in der Fried­rich-Nau­man­nStra­ße in Sch­m­ölln wer­den da­her am Frei­tag ge­schlos­sen sein.

„To­ta­ler Quatsch“ist der neue Fei­er­tag in den Au­gen von Ste­phan Lich­ten­stein, ei­ner der Ge­schäfts­füh­rer der Bau­markt­ket­te Lei­ter­mann aus Göp­fers­dorf. Zu­nächst ein­mal na­tür­lich, weil an­die­se­mTagdieFi­lial­en­nicht öff­nen kön­nen. Aber auch des­halb: „Es hat kei­ne Tra­di­ti­on. Kei­ner ver­bin­det mit dem Kin­der­tag den 20. Sep­tem­ber.“Dar­über hin­aus füh­re es ge­ra­de in un­se­rer „Grenz­re­gi­on“zu er­heb­li­chen Ir­ri­ta­tio­nen. „Da muss der ei­ne Part­ner ar­bei­ten, der an­de­re nicht. Mei­ne Frau zum Bei­spiel muss am Frei­tag auf Ar­beit, ich bin mit den Kin­dern zu Hau­se“, sagt er. Den Nut­zen des neu­en Fei­er­tags sieht Lich­ten­stein je­den­falls nicht, fin­det, dass man in struk­tur­schwa­chen Re­gio­nen wie Thü­rin­gen in an­de­re Din­ge in­ves­tie­ren soll­te. „Ich ha­be üb­ri­gens auch den Ein­druck, dass mei­ne Mit­ar­bei­ter das ähn­lich se­hen. Sie neh­men den Tag zwar mit, aber ha­ben kein Be­dürf­nis da­nach.“

Ein Tag oh­ne Tra­di­ti­on

Der Kert­scher Hof in Glei­na er­war­tet am Fei­er­tag kei­nen An­stieg der Gäs­te­zah­len. „Wir wer­den die Öff­nungs­zei­ten nicht er­wei­tern. Wir nut­zen den Tag, da­mit un­se­re An­ge­stell­ten mit Kin­dern pro­fi­tie­ren“, sagt Rick Hoch­muth, stell­ver­tre­ten­der Ge­schäfts­füh­rer. Ge­ne­rell pro­fi­tie­re die Gas­tro­no­mieBran­che im­mer von Fei­er­ta­gen, aber der Kin­der­tag müs­se sich erst eta­blie­ren. Dann wer­de sich zei­gen, ob die Thü­rin­ger das ver­län­ger­te Wo­che­n­en­de nicht eher da­zu nut­zen, in die an­gren­zen­den Bun­des­län­der zu fah­ren. „Ge­ne­rell fin­den wir es aber gut, dass der neue Fei­er­tag in der zwei­ten Jah­res­hälf­te liegt, wo es bislang noch nicht so vie­le gibt“, so Hoch­muth.

„Man ak­zep­tiert es, aber wir sind nicht glück­lich da­mit“, sagt Ti­no Rich­ter, Pro­ku­rist von Meu­sel­witz Guss. Man freue sich für die Ar­beit­neh­mer, aber un­be­strit­ten sei, dass es ein zu­sätz­li­cher Tag sei, der zwar Kos­ten ab­for­dert, aber kei­ne Leis­tung brin­ge. Weil der Welt­kin­der­tag so kurz­fris­tig zum Fei­er­tag er­klärt wur­de, ha­be man die ent­ste­hen­den Mehr­kos­ten zu­dem nicht ein­pla­nen kön­nen.

FO­TO: AXEL HEIMKEN/DPA

Nicht nur Kin­der ha­ben gut la­chen. Am mor­gi­gen Welt­kin­der­tag ha­ben die Thü­rin­ger frei. Aber Un­ter­neh­mer se­hen das eher kri­tisch.

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