Obers­te Rich­ter ret­ten drei Bir­ken

Ein Mann stört sich an den Bäu­men sei­nes Nach­barn – und be­schäf­tigt seit drei­ein­halb Jah­ren die Jus­tiz

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Aus Aller Welt - FO­TO: DPA

Karls­ru­he.

Laub und Pol­len von Nach­bars Bir­ke auf dem Grund­stück? Ein Mann aus Ba­denWürt­tem­berg är­gert sich seit Jah­ren, dass er die Blät­ter weg­fe­gen muss – und zog vor Ge­richt. Nun muss­te sich so­gar die höchs­te In­stanz, der Bun­des­ge­richts­hof, mit den Bäu­men be­fas­sen – und ent­schied: Die Bir­ken sind zu­mut­bar und müs­sen nicht ge­fällt wer­den. Das Land­ge­richt Karls­ru­he hat­te zu­vor noch die Be­sei­ti­gung der Bir­ken ver­langt. Be­reits drei­ein­halb Jah­re be­schäf­tigt der Mann die Jus­tiz.

Drei Bir­ken, die auf dem Grund­stück sei­nes Nach­barn ste­hen, sind dem Klä­ger – ei­nem Grund­stücks­ei­gen­tü­mer – schon lan­ge ein Dorn im Au­ge: 18 Me­ter hoch sind die Ex­em­pla­re. Sie sind ge­sund und wer­fen – ganz ty­pisch für Bir­ken – ei­ni­ges ab: Blät­ter, Pol­len, Zap­fen und Sa­men. All das lan­det re­gel­mä­ßig auf dem Grund­stück des Klä­gers, so des­sen An­walt Micha­el Schultz. Er sei es leid, stän­dig fe­gen und sau­ber ma­chen zu müs­sen. Das sei un­zu­mut­bar. Stän­dig sei­en die Blät­ter zu ihm hin­über­ge­weht wor­den, die nicht nur im Gar­ten lie­gen ge­blie­ben sei­en, son­dern in den Dach­bo­den ein­ge­drun­gen sei­en.

Auch die Dach­rin­nen sei­en stän­dig durch den Bir­ken-Ab­fall ver­stopft. „Der Rei­ni­gungs­auf­wand ist be­trächt­lich“, so Rechts­an­walt Schultz. Für den Klä­ger gab es nur zwei We­ge: Die Bäu­me müs­sen weg. Wenn das nicht pas­sie­re, soll­te ihm der Nach­bar von Ju­ni bis No­vem­ber 230 Eu­ro mo­nat­lich für die Rei­ni­gung sei­nes Grund­stücks zah­len. Für den Nach­barn war das kei­ne Op­ti­on. Er lehn­te dan­kend ab.

Wenn von Bäu­men aus Nach­bars Gar­ten Grün­zeug her­über­weht, ist das in der Re­gel kein Grund, das Ab­sä­gen zu ver­lan­gen, be­stärk­te ihn nun der BGH. Nach­barn müss­ten na­tür­li­che Im­mis­sio­nen hin­neh­men, wenn der vom Lan­des­recht vor­ge­ge­be­ne Min­dest­ab­stand der Bäu­me ein­ge­hal­ten wird.

Im ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Heims­heim war genau das der Fall. Hiel­ten Bäu­me den ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen Ab­stand zur Grund­stücks­gren­ze ein, wür­den Zwei­ge auch nicht über die Gren­ze wach­sen und sei das so zu ak­zep­tie­ren. We­der könn­ten das Fäl­len der Bäu­me noch Rei­ni­gungs­kos­ten ver­langt wer­den.

In an­de­ren Fäl­len hat­te der BGH ähn­lich ge­ur­teilt: Auch wenn ein kran­ker Baum um­stürzt, der aber ge­sund aus­sieht, oder wenn In­sek­ten von ei­nem Grund­stück auf ein an­de­res ge­lan­gen, könn­te kei­ner ver­lan­gen, dass die Bäu­me ent­fernt wer­den. An­ders kön­ne die Sa­che nur in be­son­de­ren Aus­nah­me­fäl­len lie­gen. Wel­che das sein könn­ten, wur­de bei Ge­richt nicht an­ge­spro­chen. Ei­ne Pol­len­all­er­gie zum Bei­spiel rei­che al­ler­dings nicht, um das Fäl­len von Bir­ken zu ver­lan­gen.

Klei­ner Trost für den Klä­ger

Im ent­schie­de­nen Fall sei­en die Be­ein­träch­ti­gun­gen zwar er­heb­lich, aber nicht der­art schwer, dass sie nicht mehr hin­zu­neh­men sei­en.

Klei­ner Trost: So­bald Äs­te, über die Grund­stücks­gren­ze wach­sen, hat der Nach­bar das Recht, die­se ab­zu­schnei­den, wenn sie die Be­nut­zung des Grund­stücks be­ein­träch­ti­gen – und er ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist zur Be­sei­ti­gung ge­setzt hat.

St­ein des An­sto­ßes in Heims­heim: Drei Bir­ken zwi­schen zwei Grund­stü­cken.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.