Das Ju­bi­lä­um 100 Jah­re Bau­haus geht in die zwei­te Run­de. Vor we­ni­gen Ta­gen öff­ne­te in Des­sau das neue Bau­haus-Mu­se­um. Jetzt folgt in Hal­le ei­ne gro­ße Schau der Mo­der­ne

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - REISE -

nter dem Leit­ge­dan­ken Ho­ri­zont­fa­brik zeigt das neue Bau­haus-Mu­se­um in Des­sau seit we­ni­gen Ta­gen in sei­ner Dau­er­aus­stel­lung, wie an der welt­be­rühm­ten Schu­le in den Jah­ren zwi­schen 1926 bis 1932 Leh­rer und Schü­ler un­ser Form­den­ken re­vo­lu­tio­niert ha­ben.

Wel­che Ho­ri­zon­te die Ide­en des Bau­hau­ses er­reich­ten, das kann man auch ab­seits der Bau­haus­stät­ten in Sach­sen-An­halt se­hen. So be­rei­tet in die­sen Ta­gen das Kunst­mu­se­um Mo­ritz­burg in Hal­le/Saa­le die Aus­stel­lung „Bau­haus. Meis­ter. Mo­der­ne. Das Come­back“vor. Es wird die zen­tra­le Kunst­aus­stel­lung Sach­sen-An­halts zum Bau­hausJu­bi­lä­ums­jahr.

Was die­ser Ti­tel ver­spricht, ist tat­säch­lich ein Come­back. Denn die Aus­stel­lung zeigt in drei Schwer­punk­ten auf ei­ner Flä­che von mehr als 1500 Qua­drat­me­tern die Re­kon­struk­ti­on sei­ner 1937 durch die Ak­ti­on „Entar­te­te Kunst“zer­stör­ten ers­ten Samm­lung mo­der­ner Kunst. Nun keh­ren knapp 40 der ver­lo­re­nen Ge­mäl­de, Aqua­rel­le und Zeich­nun­gen als Leih­ga­ben zu­rück. Wenn Mu­se­ums­di­rek­tor Tho­mas Bau­er-Fried­rich über die Vor­be­rei­tun­gen zu die­ser Schau spricht, die am 26. Sep­tem­ber er­öff­net wird, dann muss er sich im­mer wie­der selbst ver­bes­sern. In den ver­gan­ge­nen Wo­chen ha­ben zahl­rei­che Leih­ge­ber aus der gan­zen Welt ih­re Zu­sa­ge ge­ge­ben, um Ge­mäl­de nach Hal­le zu schi­cken.

Im Mit­tel­punkt dürf­ten da­bei die Ar­bei­ten der Bau­haus-Künst­ler ste­hen. Zum Bei­spiel ein Zy­klus von Lyo­nel Fei­nin­ger, der schon in Wei­mar wun­der­ba­re Land­schafts­bil­der mal­te. Als Meis­ter am Bau­haus in Des­sau sei er dann re­gel­mä­ßig nach Hal­le ge­pen­delt und ha­be im Turm der Mo­ritz­burg sein ei­ge­nes Ate­lier be­zo­gen. Bis 1931 ent­stan­den so elf Hal­le-An­sich­ten, die zu­sam­men mit 29 Koh­le­zeich­nun­gen für das Kunst­mu­se­um in der Mo­ritz­burg an­ge­kauft wur­den. Heu­te be­fin­den sich wie­der drei Ge­mäl­de hier.

Vir­tu­el­ler Be­such in der nie rea­li­sier­ten Stadt­kro­ne von Hal­le

Die­ses Ate­lier be­sich­ti­gen kann man noch nicht, führt Tho­mas Bau­er-Fried­rich im Ge­spräch mit die­ser Zei­tung aus, da­für kön­ne man die dort ent­stan­den Ge­mäl­de be­trach­ten.

Vir­tu­ell be­tre­ten kann man zu­dem ein Pro­jekt von Wal­ter Gro­pi­us für die Stadt Hal­le, das al­ler­dings nie ge­baut wur­de: die Stadt­kro­ne, ein rie­si­ges Kul­tur­zen­trum auf ei­nem Ge­län­de hoch über der Saa­le. Dank ei­ner Ko­ope­ra­ti­on mit dem Stu­di­en­gang Mul­ti­me­dia|VR-De­sign der Burg Gie­bi­chen­stein Kunst­hoch­schu­le Hal­le ist mit­tels Vir­tu­al Rea­li­ty erst­mals das Stadt­kro­nen-Ge­län­de so­wie das von Gro­pi­us ent­wor­fe­ne Kunst­mu­se­um be­geh­bar. Auch ganz un­ge­wöhn­li­che Ar­bei­ten hält die­se Aus­stel­lung be­reit: et­wa ei­ne Kaf­fee­tas­se mit Un­ter­tel­ler in ei­ner so­wje­ti­schen Aus­füh­rung von Bau­haus­meis­ter Was­si­ly Kand­ins­ky.

Ein ganz an­de­res De­sign, das vom Bau­haus in­spi­riert wur­de, kann man im Sü­den von Hal­le be­sich­ti­gen: In der Pfän­ner­hö­he 70 wur­de be­reits im Jah­re 1927 ei­ne Groß­ga­ra­ge für Au­tos nach ame­ri­ka­ni­schem Vor­bild ge­baut. Fünf Eta­gen hoch ist das Ge­bäu­de, in dem ein Auf­zug und drei Schie­be­büh­nen die Au­tos in die je­wei­li­ge Box brin­gen. Es ist ei­nes der äl­tes­ten Park­häu­ser in Deutsch­land. Und es wird – in­zwi­schen re­kon­stru­iert – noch im­mer ge­nutzt. Zum Bau­hausJu­bi­lä­um ha­ben Künst­ler dort aus 99 Bob­by-Cars ei­nen abs­trak­ten Kron­leuch­ter ge­zau­bert, der als In­stal­la­ti­on von der De­cke hängt. Die Au­to­mo­bi­le wer­den zu ei­nem „Chan­de­lier“, der lan­ge Zeit nur ein ex­klu­si­ves Lu­xus­gut war, eben­so wie ein Au­to.

Noch ein we­nig süd­li­cher emp­fängt in Mer­se­burg ei­ne Sied­lung des Ar­chi­tek­ten Fried­rich Zol­lin­ger die Be­su­cher zum Bau­haus-Jahr. In Mer­se­burg wand­te der Ar­chi­tekt erst­mals ei­ne ge­wölb­te Dach­kon­struk­ti­on an, das be­rühm­te Zol­lin­ger­dach mit sei­nem von La­mel­len ge­tra­ge­nem Ge­wöl­be. Mit ent­spre­chen­den Zer­ti­fi­ka­ten hat der ge­schäfts­tüch­ti­ge Bau­meis­ter sei­ne Häu­ser im gan­zen Land nach­bau­en las­sen, auch in Thü­rin­gen. Ab 1924 ha­ben die Jun­kers-Wer­ke in Des­sau die Kon­struk­ti­ons­prin­zi­pi­en in Stahl um­ge­setzt. Ei­ne klei­ne Aus­stel­lung im Schloss Mer­se­burg in­for­miert über das „Dach der Mo­der­ne“.

Und wer am En­de doch noch ei­ne ech­te In­spi­ra­ti­on durch das Bau­haus er­hal­ten möch­te, der kann sich das Schul­ge­bäu­de von Wal­ter Gro­pi­us noch ein­mal an­schau­en. Denn mit der Er­rich­tung des neu­en Bau­hausMu­se­ums sind die bis­her ge­nutz­ten Aus­stel­lungs­räu­me wie­der frei ge­wor­den. Als Be­su­cher kann man die­se Sä­le jetzt er­kun­den, so wie einst die Bau­haus­schü­ler.

FO­TO: JAN WOITAS/DPA

Im Kunst­mu­se­um Mo­ritz­burg in Hal­le (Sach­sen-An­halt) öf net am 28. Sep­tem­ber die Aus­stel­lung „Bau­haus. Meis­ter. Mo­der­ne“.

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