Mal­ta

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Politik - Von Tim Brau­ne, Kers­tin Müns­ter­mann und Phil­ipp Ne­u­mann

Mal­ta ist ein Staat im zen­tra­len Mit­tel­meer, be­ste­hend aus den be­wohn­ten In­seln Mal­ta, Go­zo und Co­mi­no so­wie meh­re­ren un­be­wohn­ten Klein­st­in­seln. Mit rund 438.000 Ein­woh­nern (2017) auf 316 Qua­drat­ki­lo­me­ter Flä­che gilt Mal­ta als der Staat mit der fünft­höchs­ten Be­völ­ke­rungs­dich­te welt­weit. Des­halb lehnt es Mal­ta ab, noch mehr afri­ka­ni­sche Mi­gran­ten auf­zu­neh­men. Dank sei­ner stra­te­gi­schen La­ge war es be­reits früh be­sie­delt und dann von Kartha­gern, Rö­mern, By­zan­ti­nern, Ara­bern, Kreuz­rit­tern und Bri­ten er­obert wor­den. 1964 wur­de Mal­ta un­ab­hän­gig, 2004 trat das Land der EU bei. Mal­te­sisch ist ne­ben der ehe­ma­li­gen Ko­lo­ni­al­spra­che Eng­lisch Staats­spra­che. (zrb)

Ber­lin. Ber­lin.

Es ist ein Satz, der viel über die Kanz­le­rin und ih­ren Po­li­tik­stil sagt: „Po­li­tik ist das, was mög­lich ist“, sagt An­ge­la Mer­kel am Frei­tag, als sie das Kli­ma­pa­ket der gro­ßen Ko­ali­ti­on vor­stellt. Mit dem Satz will sie er­klä­ren, war­um die Be­ra­tun­gen zum Kli­ma­schutz so spät ka­men, so lan­ge dau­er­ten und so weit hin­ter den Er­war­tun­gen von Wis­sen­schaft­lern und Kli­maak­ti­vis­ten zu­rück­blie­ben. Mer­kel ver­sucht, die Kri­tik an den Be­schlüs­sen der Ko­ali­ti­on im Vor­aus zu kon­tern: „Das un­ter­schei­det Po­li­tik von Wis­sen­schaft und auch von un­ge­dul­di­gen jun­gen Men­schen.“

Tat­säch­lich ist das Echo auf das Kli­ma­pa­ket über­wie­gend ne­ga­tiv. Zwar fin­det die Mehr­heit der Deut­schen laut ei­ner ers­ten Um­fra­ge die meis­ten Maß­nah­men rich­tig. Dass das Pa­ket ge­gen den Kli­ma­wan­del hilft, glaubt aber nur ein Drit­tel der Be­frag­ten. Um­welt­ver­bän­de und Wis­sen­schaft­ler sind schwer ent­täuscht: Mer­kels ei­ge­ner Be­ra­ter für Kli­ma­f­ra­gen, Ott­mar Eden­ho­fer, der das Pots­dam-In­sti­tut für Kli­ma­fol­gen­for­schung lei­tet, nennt das 22 Sei­ten lan­ge Be­schluss­pa­pier ein „Do­ku­ment der Mut­lo­sig­keit“. An­de­re Ex­per­ten se­hen das ähn­lich.

In der Po­li­tik fah­ren vor al­lem die Grü­nen schwe­res po­li­ti­sches Ge­schütz ge­gen die Gro­Ko auf. Par­tei­chef Ro­bert Ha­beck sagt, er sei „ent­setzt“von der „Kalt­her­zig­keit“, mit der sich die Bun­des­re­gie­rung der kli­ma­po­li­ti­schen Wen­de ver­wei­ge­re. CoVor­sit­zen­de An­na­le­na Ba­er­bock em­pört sich: „Die Bun­des­re­gie­rung ist an der Mensch­heits­auf­ga­be Kli­ma­schutz ge­schei­tert.“Zu­sam­men mit der Che­fin der Grü­nen-Bun­des­tags­frak­ti­on, Ka­trin Gö­rin­gEckardt, kün­digt Ba­er­bock an, dass die Grü­nen jetzt da­für kämp­fen wür­den, das Kli­ma­pa­ket im Bun­des­rat nach­träg­lich zu ver­schär­fen.

Aus­ge­rech­net die Grü­nen al­so, die im Bun­des­tag die kleins­te Op­po­si­ti­ons­frak­ti­on stel­len, wol­len der Kanz­le­rin zei­gen, wie man das Kli­ma wirk­lich schützt. Die Par­tei, die in Um­fra­gen seit Mo­na­ten wie ei­ne Volks­par­tei be­wer­tet wird, will be­wei­sen, dass sie die­se Zu­stim­mung ver­dient. Das könn­te ein span­nen­der Pe­ter Alt­mai­er (CDU), Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter

Ver­such wer­den, den ei­ge­nen po­li­ti­schen An­spruch und die Wirk­lich­keit in Ein­klang zu brin­gen.

Tat­säch­lich müs­sen Tei­le des Kli­ma­pa­kets nicht nur vom Bun­des­tag, son­dern auch vom Bun­des­rat be­schlos­sen wer­den. Da­zu ge­hö­ren bei­spiels­wei­se die Re­geln für den Aus­bau der Wind­kraft, die För­de­rung des Nah­ver­kehrs oder Än­de­run­gen im Miet­recht. Die Grü­nen sind in neun von 16 Bun­des­län­dern an der Lan­des­re­gie­rung be­tei­ligt. Je nach Aus­gang der Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen in Bran­den­burg und Sach­sen könn­ten es so­gar bald elf Re­gie­run­gen sein. Die Öko­par­tei hat ein ge­hö­ri­ges Wort mit­zu­re­den. Glei­ches gilt üb­ri­gens auch für die FDP und die Lin­ke, die in ei­ni­gen Län­dern mit­re­gie­ren.

Die Ber­li­ner Ko­ali­ti­ons­part­ner Uni­on und SPD da­ge­gen, die das Kli­ma­pa­ket ver­han­delt ha­ben, füh­ren zwar noch im­mer die meis­ten Lan­des­re­gie­run­gen an. In der Län­der­kam­mer brin­gen sie aber nur noch zwölf si­che­re Stim­men auf die Waa­ge. Die Mehr­heit im Bun­des­rat liegt bei 35 Stim­men.

Dass Po­li­tik – wie Mer­kel es sagt – nur all­zu oft das ist, was mög­lich ist, dürf­ten auch die Grü­nen wis­sen. In der Par­tei er­in­nern sich man­che noch gut an die Ja­mai­ka-Ver­hand­lun­gen nach der Bun­des­tags­wahl 2017. Da­mals wa­ren die Grü­nen be­reit, auch in der Kli­ma­po­li­tik sym­bo­li­sche For­de­run­gen auf­zu­ge­ben, um end­lich wie­der mit­re­gie­ren zu kön­nen. Da­zu zähl­ten die kon­kre­ten End­da­ten für den Koh­le­aus­stieg und für das En­de des Ver­bren­nungs­mo­tors bei Au­tos. Cem Öz­de­mir, der da­mals als Par­tei­chef da­bei war und jetzt Bun­des­tags­frak­ti­ons­chef wer­den will, sagt heu­te: „Ich wä­re froh, die Re­gie­rung wür­de beim Kli­ma­schutz mehr von uns ab­schrei­ben.“Zwi­schen dem drin­gend Not­wen­di­gen und dem, was die Bun­des­re­gie­rung da „zu­sam­men­gefri­ckelt“ha­be, sagt Öz­de­mir, „klafft ei­ne Rie­sen­lü­cke“.

Wie groß die­se Lü­cke wirk­lich ist, kön­nen die Grü­nen in Sach­sen selbst er­fah­ren, wo sie ge­ra­de mit CDU und SPD über ei­ne Ko­ali­ti­on ver­han­deln. Mi­nis­ter­prä­si­dent Micha­el Kret­sch­mer je­den­falls hat sei­ne Sicht auf die Ber­li­ner Kli­ma­be­schlüs­se mit ähn­li­cher Deut­lich­keit zu Pro­to­koll ge­ge­ben wie die Grü­nen ih­re Kri­tik dar­an: „Das sind sehr ra­bia­te Maß­nah­men, die ei­nen brei­ten ge­sell­schaft­li­chen Dia­log er­for­dert hät­ten“, fin­det Kret­sch­mer. Ein gro­ßer Teil der Men­schen sei mit den Ent­schei­dun­gen „über­for­dert“. Ei­ne künst­li­che Ver­teue­rung von Ben­zin, Die­sel und Heiz­öl sei schwer zu er­klä­ren, sagt der CDU-Po­li­ti­ker, der sich im Land­tags­wahl­kampf nur mit Mü­he ge­gen die AfD durch­set­zen konn­te. Es brin­ge nichts, Bahn­ti­ckets güns­ti­ger zu ma­chen, wenn die Fahrt von Dres­den nach Düsseldorf noch im­mer sechs St­un­den daue­re.

Mer­kel weiß auch um den Druck der Stra­ße

Mer­kel weiß, dass die Par­tei­ba­sis den Schwenk noch nicht ganz nach­voll­zo­gen hat. Sie weiß aber auch um den Druck der Stra­ße: Die welt­wei­ten De­mons­tra­tio­nen für mehr Kli­ma­schutz am Frei­tag wa­ren ein deut­li­ches Si­gnal. Des­we­gen hat sie ih­rer Par­tei auch in der Kli­ma­po­li­tik ei­nen „Pa­ra­dig­men­wech­sel“zu­ge­mu­tet, wie sie es selbst for­mu­liert. Da­zu ge­hört, dass der Aus­stoß von CO2 erst­mals mit ei­nem Preis ver­se­hen wird und dass die Ar­beit der Bun­des­re­gie­rung in die­sem Be­reich re­gel­mä­ßig von Ex­per­ten über­prüft – und ge­ge­be­nen­falls nach­ge­bes­sert wird. CDU und CSU wer­den erst all­mäh­lich be­grei­fen, was ih­nen ih­re Kanz­le­rin im Herbst ih­rer Amts­zeit da – wie­der ein­mal – zu­ge­mu­tet hat

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