Wo das Un­ten zum Oben wird

Künst­ler­ge­sprä­che mit Ein­bli­cken in Ar­beits­wei­se, Vor­ha­ben und Le­bens­weg. Of­fe­nes Ate­lier beim Ma­ler Ant­ho­ny Lo­we in Zürchau

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Aus Der Region -

Noch be­vor die Gäs­te durch den Gar­ten ins Ate­lier­haus von Ant­ho­ny Lo­we ge­lang­ten, kün­dig­te der Ber­ner Sen­nen­hund des Ma­lers sie freu­dig bel­lend und mit we­deln­der, weiß be­fleck­ter Ru­te an. Wie es sich für ei­nen Mal­er­hund ge­hört, be­kommt er ab und zu auch ei­nen Öl­far­ben­klecks ab und trägt ihn ganz of­fen­bar mit Stolz. Dann aber ge­hör­te die Zeit des Künst­lers ganz al­lein den In­ter­es­sier­ten. Groß und Klein ka­men hin­ter­ein­an­der, manch­mal auch mit­ein­an­der in das klei­ne Dorf, um zum Tag des of­fe­nen Ate­liers die Ge­le­gen­heit des Ge­sprächs mit Ant­ho­ny Lo­we zu nut­zen. Lo­we war der ein­zi­ge Künst­ler, der sei­ne Tü­ren im Al­ten­bur­ger Land am Sonn­tag ge­öff­net hat­te. „Lei­der“, wie die­ser be­kann­te. Es sei wün­schens­wert, wenn mehr Kol­le­gen die­se Ak­ti­on des Ver­ban­des der bil­den­den Künst­ler in Thü­rin­gen nut­zen wür­den. In­ter­es­sier­te an Kunst und an der in­ti­men Ar­beits­at­mo­sphä­re ge­be es ge­nug und könn­te es noch mehr ge­ben. „Nicht je­der traut sich, in ein Ate­lier zu ge­hen, oder den Künst­ler persönlich nach der Mög­lich­keit ei­nes Be­su­ches zu fra­gen. Da­bei ist das für bei­de Sei­ten von Vor­teil.“

Ant­ho­ny Lo­we, der En­g­län­der, der seit 30 Jah­ren in Deutsch­land lebt, be­kam in die­sem Jahr die deut­sche Staats­bür­ger­schaft – nach Ein­bür­ge­rungs­und Deutsch­test. Seit Jah­ren nimmt er am Tag des of­fe­nen Ate­liers teil. Dies­mal zeig­te er ne­ben groß­for­ma­ti­gen Ge­mäl­den mit In­te­ri­eur sei­nes Ate­liers und des Hau­ses, Stadt­an­sich­ten von Al­ten­burg, Greiz, Chem­nitz, Zürchau und Bristol auch Skiz­zen, die ihn zu den Öl­bil­dern füh­ren. Da­durch konn­ten Be­su­cher die un­ter­schied­li­chen Ar­beits­stu­fen nach­voll­zie­hen, er­fuh­ren, dass er jetzt mit Fo­to­gra­fi­en als Vor­la­gen ar­bei­tet.

Wäh­rend frü­her Zeich­nun­gen an­ge­fer­tigt wur­den, über­nimmt die ers­te An­nä­he­rung zum Ob­jekt, der Stadt, nun die Ka­me­ra. „Das spart viel Zeit“, ant­wor­te­te Lo­we auf die Fra­ge nach dem Vor­ge­hen von Nor­bert St­ein aus Groß­kreuz bei Pots­dam. „Frü­her hät­te ich für ein Lon­don­bild vier Ta­ge Zeit ge­braucht, um die not­wen­di­gen Skiz­zen vor Ort zu ma­chen, jetzt schaf­fe ich das an ei­nem Tag. Das ist ein­deu­tig bes­ser.“

Beim Pro­zess des Fo­to­gra­fie­rens ent­steht die ers­te Idee der Kom­po­si­ti­on des Bil­des, die dann per Holz­koh­le auf die Lein­wand auf­ge­bracht wird. Erst dann kön­ne Lo­we se­hen, ob sei­ne Kom­po­si­ti­on für das neue Ge­mäl­de trägt. Die end­gül­ti­ge Skiz­ze wird mit Was­ser­far­ben auf­ge­tra­gen, Kor­rek­tu­ren sind mög­lich. Erst, wenn ihn die­se Ar­beit zu­frie­den­stel­le, be­gin­ne die Ar­beit mit Öl­far­be, die der Ma­ler sehr klein­tei­lig auf­bringt.

Wie lan­ge er an ei­nem Bild ar­bei­te, war die Fra­ge, die vie­le der mehr als 40 Be­su­cher stell­ten. Et­wa drei Mo­na­te sei­en es, je­doch ar­bei­te Lo­we im­mer gleich­zei­tig an meh­re­ren Bil­dern. „Die Öl­far­be braucht ei­ni­ge Zeit, um zu trock­nen, be­vor ich die nächs­te Schicht auf­brin­gen kann“, er­klär­te er.

Das be­vor­zug­te Su­jet des Künst­lers ist die Stadt, da­bei bie­tet er neue Bli­cke an – ob Vo­gel­per­spek­ti­ve, tan­zen­de Ge­bäu­de oder das Un­ten, das zum Oben wird. Am Sonn­tag ver­such­ten die Gäs­te, Stra­ßen wie­der­zu­ent­de­cken, be­kann­te Ge­bäu­de auf den Bil­dern zu ver­or­ten. Schwie­ri­ger war das na­tür­lich auf den Skiz­zen. So dach­te Fa­mi­lie Zeh­misch aus Zürchau über den Na­men ei­nes ge­zeich­ne­ten Stra­ßen­zu­ges nach, um dann doch noch die Ru­dol­fB­reit­scheid-Stra­ße in Al­ten­burg mit Freu­de zu er­ken­nen. Und auch der Blick auf an­de­re Stadt­an­sich­ten brach­te Er­kennt­nis­se. So er­läu­ter­te Lo­we sein Ge­mäl­de der eng­li­schen Stadt Bristol, in der er vor sei­nem Lon­do­ner Stu­di­um am Roy­al Col­le­ge stu­dier­te. Bristol be­geis­tert ihn heu­te noch, nicht nur we­gen der Er­in­ne­rung an ei­ne be­weg­te Stu­di­en­zeit. Die Stadt hat mit ih­rer Pi­ra­ten­ver­gan­gen­heit auch amü­san­te De­tails preis­zu­ge­ben.

Na­tür­lich in­ter­es­sier­te auch der Le­bens­weg des nun deut­scheng­li­schen Ma­lers. Wie und wann war er ins Al­ten­bur­ger Land ge­kom­men? 1988 kam Ant­ho­ny Lo­we über das Aus­tausch­pro­gramm Bri­tish Coun­cil in die da­ma­li­ge DDR und konn­te bei Bern­hard Hei­sig an der Hoch­schu­le für Gra­fik und Buch­kunst ar­bei­ten. 1990 über­sie­del­te er zu­nächst nach Leip­zig und seit 2000 wohnt er in Zürchau. Die Ver­bin­dung zu die­sem Land­strich sei sehr groß, sag­te Lo­we. Er füh­le sich hier zu Hau­se. Für sei­ne Mit­be­woh­ner schuf er 2013 das Pan­ora­ma, das Land­schaf­ten und Städ­te von Ei­se­nach bis zur Säch­si­schen Schweiz wie ei­ne Per­len­ket­te auf­ge­fä­delt zeigt. Im Fla­schen­turm des Al­ten­bur­ger Schlos­ses ist das 20 Me­ter run­de und sechs Me­ter ho­he Pan­ora­ma zu se­hen. „Da­für ha­be ich üb­ri­gens rund 18.000 Fotos be­ar­bei­tet. Zwei Jah­re hat die­se Ar­beit ge­dau­ert“, ver­riet er am Sonn­tag im Ate­lier­ge­spräch.

Die nun be­gon­ne­nen Ge­mäl­de wer­den London und Al­ten­burg zei­gen. Die Ge­mäl­de von der na­he­ge­le­ge­nen Stadt fin­den im­mer ein in­ter­es­sier­tes Pu­bli­kum. Und London? Erst vor Kur­zem ist Ant­ho­ny Lo­we von ei­ner En­g­land­rei­se zu­rück­ge­kehrt und war über­rascht, was sich al­les in der bri­ti­schen Haupt­stadt ver­än­dert hat, seit er sein letz­tes Bild von London im Jah­re 2013 ge­malt hat. Die Zeit ver­än­dert das Werk des Künst­lers und doch ist es zeit­los. (red)

Das Pan­ora­ma „Von Ei­se­nach bis zur Säch­si­schen Schweiz“ist täg­lich au­ßer mon­tags im Fla­schen­turm des Al­ten­bur­ger Schlos­ses von  bis  Uhr zu se­hen.

Für bei­de Sei­ten von Vor­teil

FOTOS: PE­TRA LO­WE

Ins­ge­samt mehr als  Kun­st­in­ter­es­sier­te be­such­ten am Sonn­tag das Ate­lier von Ant­ho­ny Lo­we in Zürchau.

Ant­ho­ny Lo­we (l.) im Ge­spräch mit ei­nem Be­su­cher.

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