Ru­hig blei­ben, Ab­stand hal­ten und pet­zen

Nach­dem ein Mann ein Mäd­chen in Ber­ga ins Au­to lo­cken woll­te, wird Kin­dern bei­ge­bracht, wie sie sich in sol­chen Si­tua­tio­nen ver­hal­ten sol­len

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Aus Der Region - Von Kat­ja Grie­ser

Ber­ga.

Am Di­ens­tag vor zwei Wo­chen ist ein Mäd­chen in Ber­ga, an der Un­ter­füh­rung, von ei­nem frem­den Mann an­ge­spro­chen wor­den. Er hat sie fest­ge­hal­ten und woll­te, dass sie mit in das wei­ße Au­to steigt, in dem ein wei­te­rer Mann ge­ses­sen ha­ben soll. Das Kind sag­te Nein und rann­te nach Hau­se.

„Das hat sich na­tür­lich wie ein Lauf­feu­er ver­brei­tet, über Whatsapp in­for­mier­ten sich die El­tern ge­gen­sei­tig“, er­zählt Ina Ga­b­ri­el. Die Lei­te­rin der Grund­schu­le Ber­ga hat na­tür­lich mit den Schü­lern über den Vor­fall ge­spro­chen, auch mit den El­tern. Die sind ver­ständ­li­cher Wei­se ängst­lich. „El­tern brin­gen jetzt ih­re Kin­der wie­der ver­stärkt zur Schu­le“, er­zählt Ga­b­ri­el. Und ob­wohl die Po­li­zei jetzt in Ber­ga öf­ter auf Strei­fe ist, sind die Müt­ter und Vä­ter der 99 Grund­schü­ler ver­un­si­chert, weiß die Di­rek­to­rin.

Des­halb hat sie kei­nen Mo­ment ge­zö­gert, als Mi­ke Wolf an­bot, die Kin­der im Um­gang mit be­droh­li­chen Si­tua­tio­nen zu schu­len. Beim Ge­walt­prä­ven­ti­ons­pro­jekt Sa­baki ler­nen Kin­der, Ge­fah­ren aus dem Weg zu ge­hen, sich oh­ne Kampf zu weh­ren und wie sie Hil­fe ho­len kön­nen. Mit­un­ter zwar ki­chernd, aber den­noch kon­zen­triert lausch­ten die Erst­kläss­ler den Wor­ten von Wolf. Und sie wa­ren bei den Übun­gen mit Ei­fer da­bei. „Dei­ne Ma­ma steht im Stau, des­halb soll ich dich nach Hau­se mit­neh­men“, sagt Mi­ke Wolf als po­ten­zi­el­ler Ent­füh­rer zu ei­nem Jun­gen nach dem Fuß­ball­trai­ning. Doch ei­ne Mut­ti-Er­laub­nis gibt es nicht. „Dann musst du zu ihm sa­gen, dass du mit der Ma­ma spre­chen willst“, er­klärt Wolf.

An­de­re Si­tua­ti­on: Ein Kind steht beim Flei­scher an der Schlan­ge, will sich Wie­ner ho­len. Plötz­lich wird es von ei­nem Mann an­ge­fasst. „Fas­sen Sie mich bit­te nicht an“, soll­te das Kind im Ide­al­fall sa­gen. Und zwar laut. Denn es ist ex­trem wich­tig, dass die Kin­der nicht nur Ru­he be­wah­ren, son­dern auch Auf­merk­sam­keit er­we­cken, an­de­re um Hil­fe bit­ten, pet­zen ge­hen. Hier gilt: Die Leu­te di­rekt an­spre­chen, al­so et­wa „Sie mit den blon­den Haa­ren, kön­nen Sie mir hel­fen?“.

Ge­tes­tet ha­ben die Erst­kläss­ler, wie laut sie schrei­en müs­sen, da­mit man sie durch ei­ne ge­schlos­se­ne Tür hört. Ganz schön laut, wie der Ver­such ge­zeigt hat. Der war al­ler­dings sehr er­folg­reich, denn ei­ne Leh­re­rin ei­ner an­de­ren Klas­se, die nichts von dem Test wuss­te, hat gleich be­sorgt nach­ge­se­hen, ob et­was pas­siert ist. Zum Kurs ge­hört auch das Be­schrei­ben von Per­so­nen. Und das kann schwie­rig sein: Da wird ei­ne 45-Jäh­ri­ge gleich mal auf 70 ge­schätzt.

Sechs Aus­bil­der sind ak­tu­ell ne­ben­be­ruf­lich bei Sa­baki tä­tig, bun­des­weit wer­den die Kur­se durch­ge­führt. Fi­nan­ziert wird das Ge­walt­prä­ven­ti­ons­pro­jekt für Kin­der über Spen­den und Zu­wei­sung von Straf­gel­dern. Ei­ni­ge El­tern von Ber­ga­er Grund­schü­lern ha­ben das Pro­jekt be­reits fi­nan­zi­ell un­ter­stützt oder ha­ben das noch vor.

Am 2. Ok­to­ber will Ina Ga­b­ri­el bei ei­nem El­tern­abend noch ein­mal über den Vor­fall spre­chen. Da­bei sind auch Er­zie­her und El­tern der Kin­der­gär­ten will­kom­men. Wie un­se­re Nach­fra­ge bei der Po­li­zei er­ge­ben hat, konn­te noch nicht er­mit­telt wer­den, wer die Män­ner sind. Auch bei dem Fall in Zeu­len­ro­da-Trie­bes, bei dem vor den Som­mer­fe­ri­en ein Kind von ei­nem Mann an­ge­spro­chen und ge­be­ten wur­de, ins Au­to zu stei­gen, gibt es bis­lang kei­nen Er­mitt­lungs­er­folg.

FO­TOS: KAT­JA GRIE­SER

Nimm Ab­stand, das wol­len die Kin­der mit die­ser Ges­te sa­gen. Bei ei­nem Kurs des Kin­der­ge­walt­prä­ven­ti­ons­pro­jekts Sa­baki ha­ben die Ber­ga­er Grund­schü­ler ge­übt, wie sie sich ver­hal­ten sol­len, wenn sie von Frem­den an­ge­spro­chen wer­den.

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