Ers­te Ho­tels vor dem Ru­in

Tho­mas-Cook-Plei­te sorgt in Ur­laubs­län­dern für Kri­se. Deut­sche Ver­an­stal­ter­toch­ter streicht al­le Rei­sen bis . Ok­to­ber

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Wirtschaft - Von Gerd Höh­ler und Ralph Schul­ze

Ber­lin.

Nach Par­ty ist den Ho­te­liers am Bal­ler­mann der­zeit nicht zu­mu­te. Statt­des­sen geht nach der In­sol­venz des bri­ti­schen Rei­se­kon­zerns Tho­mas Cook in vie­len Ur­laubs­län­dern die Angst um – nicht nur auf Mallor­ca, son­dern auch in Grie­chen­land und der Tür­kei fürch­ten Ho­te­liers, mit in die In­sol­venz ge­ris­sen zu wer­den, weil sie ih­re Bet­ten nicht mehr fül­len kön­nen.

Zu­dem sit­zen vie­le auf un­be­gli­che­nen Rech­nun­gen. Denn der welt­weit zweit­größ­te Rei­se­kon­zern hat teil­wei­se seit Mo­na­ten kei­ne Ho­tel­rech­nun­gen be­zahlt. Man­che Ur­lau­ber sind da­durch in sehr un­an­ge­neh­me Si­tua­tio­nen ge­ra­ten und wur­den von Ho­te­liers vor Ort zu Nach­zah­lun­gen ge­zwun­gen, ob­wohl sie die kom­plet­te Rei­se längst be­zahlt hat­ten. Tho­mas Cook hat dar­auf­hin am Frei­tag zu­ge­sagt, dass die Ver­si­che­rung Zu­rich ab so­fort of­fe­ne Ho­tel­rech­nun­gen über­neh­men wer­de. Gleich­zei­tig kün­dig­ten die deut­schen Ge­sell­schaf­ten von Tho­mas Cook an, dass sämt­li­che ge­buch­ten Rei­sen bis zum 31. Ok­to­ber aus­fal­len wer­den. Be­son­ders auf Mallor­ca schla­gen die Ho­te­liers Alarm. Sie fürch­ten Mil­lio­nen­ver­lus­te, die vie­le Be­trie­be in den Ru­in trei­ben könn­ten. Schät­zun­gen zu­fol­ge brach­te Tho­mas Cook 2018 rund ei­ne Mil­li­on Pau­schal­ur­lau­ber auf Mallor­ca und die ba­lea­ri­schen Nach­bar­in­seln Ibi­za, Menor­ca und Formen­te­ra. Et­li­che Ho­tels sind so eng mit Tho­mas Cook ver­bun­den, dass die Kri­se exis­tenz­be­dro­hend sein könn­te. Die Ho­te­liers rech­nen al­lein auf der In­sel mit un­be­zahl­ten Rech­nun­gen in Hö­he von 100 Mil­lio­nen Eu­ro.

Nach ganz Spa­ni­en be­för­der­te Tho­mas Cook 2018 knapp vier Mil­lio­nen Pau­schal­tou­ris­ten – al­so et­wa fünf Pro­zent der ins­ge­samt 83 Mil­lio­nen aus­län­di­schen Fe­ri­en­gäs­te. „Kurz­fris­tig wird dies in vie­len Un­ter­neh­men gro­ße fi­nan­zi­el­le Pro­ble­me ver­ur­sa­chen“, sag­te ein Spre­cher des spa­ni­schen Bran­chen­ver­ban­des Ex­cel­tur.

In Spa­ni­en trifft das En­de von Tho­mas Cook vor al­lem die Ba­lea­ren, die Ka­na­ri­schen In­seln so­wie An­da­lu­si­en, Va­len­cia und Ka­ta­lo­ni­en. Auf Mallor­ca wird nun er­war­tet, dass et­li­che Ho­tels, die bis­her mit Tho­mas Cook zu­sam­men­ar­bei­te­ten, ih­re Prei­se sen­ken, um Tau­sen­de von lee­ren Bet­ten schnells­tens an­der­wei­tig zu ver­mark­ten, hieß es sei­tens der spa­ni­schen Ho­tel­ver­ei­ni­gung Ce­hat.

Ei­ni­ge Über­nach­tungs­be­trie­be kün­dig­ten an, dass sie we­gen der Cook-Kri­se die­ses Jahr be­reits En­de Sep­tem­ber, al­so deut­lich frü­her als ge­wöhn­lich, in die Win­ter­pau­se ge­hen wol­len. Die­se Maß­nah­me ist auf den Ka­na­ri­schen In­seln kei­ne Op­ti­on. Te­ne­rif­fa, Gran Ca­na­ria, Lan­za­ro­te und Fu­er­teven­tura ha­ben ih­re Haupt­sai­son im Win­ter.

Da die Bri­ten na­he­zu ein Drit­tel der 15,6 Mil­lio­nen jähr­li­chen Tou­ris­ten stel­len, sind die Ka­na­ren noch stär­ker von der Plei­te des Rei­se­ver­an­stal­ters be­trof­fen als die Ba­lea­ren. Die ka­na­ri­schen Ho­te­liers sit­zen nach An­ga­ben ih­res Dach­ver­ban­des auf ei­nem von Cook ver­ur­sach­ten Schul­den­berg von 140 bis 160 Mil­lio­nen Eu­ro.

Auch in Grie­chen­land steht die Tou­ris­mus­bran­che vor rie­si­gen Ein­bu­ßen. Die meis­ten Ho­te­liers, die Tho­mas-Cook-Kun­den be­her­ber­gen, sind seit Mit­te Ju­ni nicht mehr be­zahlt wor­den. Der grie­chi­sche Tou­ris­tik­ver­band Se­te be­zif­fert den an­ge­rich­te­ten Scha­den be­reits auf 300 bis 500 Mil­lio­nen Eu­ro. Die­se Sum­me könn­te in­des noch stei­gen: Of­fen ist, ob die Ho­te­liers die für 2020 an Tho­mas Cook ver­mie­te­ten Kon­tin­gen­te an an­de­re ver­mark­ten kön­nen. Im ver­gan­ge­nen Jahr brach­te Tho­mas Cook et­wa je­den zehn­ten der 30 Mil­lio­nen aus­län­di­schen Ur­lau­ber nach Grie­chen­land – vor al­lem auf die In­seln Rho­dos, Kos, Kor­fu, Zakynt­hos und Kre­ta.

Bit­ter sieht es auch für die Tür­kei aus. Auf Tho­mas Cook ent­fie­len dort et­wa acht Pro­zent der bri­ti­schen und zehn Pro­zent der deut­schen Ur­lau­ber. Wel­che Be­trä­ge der Ver­an­stal­ter den Ver­trags­ho­tels in der Tür­kei schul­det, ist noch un­klar.

Os­man Ayik, Prä­si­dent der tür­ki­schen Ho­te­lier-Fö­de­ra­ti­on, sag­te, be­son­ders be­trof­fen sei­en Ho­tels in Kus­a­da­si, Da­la­man und Mar­ma­ris an der Ägä­is­küs­te so­wie Fe­thiye und An­ta­lya an der tür­ki­schen Ri­vie­ra. Ayik schätzt, dass Tho­mas Cook in die­sem Jahr et­wa 600.000 bis 700.000 Ur­lau­ber in die Tür­kei ge­bracht hät­te. Be­trof­fe­nen Ho­te­liers will die tür­ki­sche Re­gie­rung mit Über­brü­ckungs­kre­di­ten hel­fen.

Un­be­zahl­te Rech­nun­gen in Mil­lio­nen­hö­he

FO­TO: ANADOLU AGEN­CY/GET­TY

Ein Blick aus der Vo­gel­per­spek­ti­ve auf meh­re­re Ho­tel­an­la­gen im tür­ki­schen An­ta­lya.

FO­TO:IMAGO

Com­merz­bank-Chef Mar­tin Ziel­ke .

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.