Frust auf al­len Sei­ten

Je­nas Ka­pi­tän Volk­mer müht sich, nach dem : in Kai­sers­lau­tern nicht nur die Fan-Ge­mü­ter zu be­ru­hi­gen

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Sport - Von Stef­fen Ess

Kai­sers­lau­tern.

Als „Feu­er­wehr­mann“hat er sich auf dem Feld oft ge­nug be­wei­sen müs­sen. Am En­de ei­ner nie­der­schmet­tern­den Leer­fahrt in die Pfalz ist Do­mi­nic Volk­mer in­des vor al­lem ge­fragt ge­we­sen, die frust­ge­plagt Feu­er ge­fan­ge­nen Ge­mü­ter zu küh­len. Mi­nu­ten­lang nach Ab­pfiff stell­te sich der hoch ge­wach­se­ne Ka­pi­tän den Fans sei­nes FC Carl Zeiss, die im In­nen­raum des Fritz-Wal­ter-Sta­di­ons ih­rer Wut frei­en Lauf lie­ßen.

Der Jena­er Ab­wehr­chef ent­wi­ckel­te so­gar Ver­ständ­nis für die auf­ge­brach­te An­hän­ger­schaft. „Das ist ei­ne Scheiß-Si­tua­ti­on“, sag­te er un­ver­blümt. „Aber für uns ist sie das auch“, füg­te er an. Der Frust stand ihm und sei­nen Blau-Gel­ben nicht min­der ins Ge­sicht ge­schrie­ben, nach­dem sie ei­nen wei­te­ren emp­find­li­chen Schlag kas­siert hat­ten.

Beim eben­so in der Kri­se ste­cken­den 1. FC Kai­sers­lau­tern muss­ten sie mit dem 1:3 (1:1) im elf­ten Sai­son­spiel die zehn­te Nie­der­la­ge ein­ste­cken – und wie­der­holt Schimpf und Schan­de über sich er­ge­hen las­sen. Flo­ri­an Pick (69.) und Gi­no Fech­ner (74.) tra­fen den Dritt­li­ga-Letz­ten mit ih­ren ent­schei­den­den To­ren vor 16.083 Zu­schau­ern tief ins Herz. Nach Daniele Ga­b­rie­les Füh­rung per Elf­me­ter (6.) und dem Aus­gleich durch Lau­ternKa­pi­tän Chris­toph Hem­lein (31.) war die be­rech­tig­te Hoff­nung, et­was mit­zu­neh­men, von drei über ei­nen auf null Punk­te ge­sun­ken.

Wäh­rend sich die von Zer­würf­nis­sen an der Ver­eins­spit­ze ge­plag­ten Pfäl­zer aber durch den spä­ten Dop­pel­pack mit dem über­haupt ers­ten Heim­sieg mit ih­rer An­hän­ger­schaft we­nigs­tens et­was ver­söhn­ten, ha­gel­te es von den 300 mit­ge­reis­ten Zeiss-An­hän­gern „Wir sind Jena­er – und ihr nicht!“-Ru­fe aus der Kur­ve des Fritz-Walt­her-Sta­di­ons. Be­reits zu Be­ginn un­ter­mau­er­ten sie mit Spruch­bän­dern ih­re For­de­run­gen. Un­ter an­de­rem ver­lang­ten sie von den Spie­lern, sich na­ment­lich zu be­ken­nen und sich für die de­mo­lier­te Ka­bi­ne zu ent­schul­di­gen.

Von den ei­ge­nen Fans ver­teu­felt, von den Ro­ten Teu­feln emp­find­lich ge­trof­fen: Die Jena­er See­le kam auch auf dem Bet­zen­berg nicht zur Ru­he. Das Spiel ließ ein Ge­fühl der Rat­lo­sig­keit zu­rück. Er­klär­bar ist der Ver­lauf frei­lich ge­we­sen. Aber ge­nau­so schwer ist er zu ver­ste­hen ge­we­sen. Wie den Thü­rin­gern zum drit­ten Mal in Fol­ge ein Spiel aus der Hand glitt, in dem sie viel­ver­spre­chend auf Kurs schie­nen.

In­te­rims­trai­ner Christian Fröh­lich sprach von ei­nem „Häuf­chen Elend“, das er in der Ka­bi­ne vor­fand. Den­noch be­schei­nig­te er sei­ner Elf, sich zu­min­dest über lan­ge Zeit gut ver­kauft zu ha­ben. „Ich kann sa­gen, auf­grund der ers­ten 70 Mi­nu­ten kann die Mann­schaft ein biss­chen stolz sein“, üb­te er sich in sei­ner ers­ten Nach­spiel-Pres­se­kon­fe­renz als Chef­trai­ner als Trost­spen­der. Al­ler­dings fehl­ten auch ihm die Er­klä­run­gen, um die Grün­de für die zehn­te Sai­son­nie­der­la­ge aus­zu­ma­chen. Das 1:1 kam aus sei­ner Sicht et­was un­glück­lich zu­stan­de. Der Ball sei über die an­fäl­li­ge lin­ke Sei­te ge­kom­men. „Da rutscht er eben durch. Das pas­siert, wenn man un­ten steht“, be­zog er sich auf den Aus­gleich Hem­leins. Die Ein­ga­be des durch­ge­lau­fe­nen Do­mi­nik Schad konn­te Volk­mer zu­nächst noch ab­weh­ren. Der Schuss des FCK-Ka­pi­täns ins kur­ze Eck aber saß (31.).

„Wir ha­ben her­vor­ra­gend ge­gen den Ball ge­ar­bei­tet und das Spiel lan­ge of­fen­ge­hal­ten. Aber man hat dann ge­merkt, dass wir auch lang­sam mü­de wur­den“, zog Fröh­lich in­di­rekt Par­al­le­len zu an­de­ren Par­ti­en, in de­nen die Kraft ge­gen En­de aus­ging.

Ein Ball­ver­lust in der Vor­wärts­be­we­gung von Maximilian Rohr an Ja­nik Bach­mann leis­te­te an die­sem Sams­tag auf dem Bet­zen­berg den ent­schei­den­den Vor­schub, dass der FCK tri­um­phier­te. In der ei­ge­nen Hälf­te den Ball ver­lo­ren, dann ging es schnell. Pass in die Mit­te. Si­mon Skar­la­ti­dis na­gel­te das Le­der an die Lat­te, Pick voll­ende­te im zwei­ten Ver­such (69.). Den Rest er­le­dig­te Fech­ner mit schö­nem Schuss an den In­nen­pfos­ten zum 3:1 (78.), nach­dem die Jena­er wie­der nur kurz klä­ren konn­ten. „Wir krie­gen das 2:1 in ei­ner Pha­se, in der wir über­le­gen sind“, är­ger­te sich Volk­mer über den Ge­gen­tref­fer.

Ob die Par­tie ei­nen an­de­ren Ver­lauf ge­nom­men hät­te, wä­re kurz nach dem Wech­sel Ga­b­rie­les Schuss frei aus zwölf Me­tern nach gu­ter Vor­la­ge von Tim Kir­cher nicht die Wol­ken ge­gan­gen?

„Ich den­ke, mit Si­cher­heit. Aber da fehlt eben auch das nö­ti­ge Spiel­glück“, sag­te der Jena­er Stür­mer, der in Halb­zeit eins als Ge­foul­ter vom Elf­me­ter­punkt mit sei­nem vier­ten Sai­son­tor (6.) die Hoff­nun­gen erst ge­weckt hat­te, aus der Pfalz et­was mit­neh­men zu kön­nen.

Am En­de ei­nes Du­ells zwei­er ver­un­si­cher­ter Teams aber herrsch­te auch auf dem Bet­zen­berg Jena­er Nie­der­ge­schla­gen­heit. „Heu­te wird’s sch... sein, mor­gen wird’s sch... sein für den Kopf. Am Mon­tag geht’s wei­ter. Es geht nur mit har­ter Ar­beit“, be­müh­te Do­mi­nic Volk­mer Sät­ze, die die größ­ten Flam­men erst­mal lö­schen.

Was bleibt auch an­de­res üb­rig.

FO­TOS (): THO­MAS CORBUS

Do­mi­nic Volk­mer (Mit­te) be­ru­higt im In­nen­raum des Sta­di­ons den to­ben­den Ul­tra-An­füh­rer To­ni Schley. Schon vor dem Spiel hat­ten die Süd­kur­ve-Fans ih­rem Är­ger über die Nie­der­la­gen­se­rie Luft ge­macht. Ban­ner mit „Fres­se hal­ten in der Pres­se“zo­gen sich durch den Block.

Ließ Je­na kurz hof­fen: Daniele Ga­b­rie­le (rechts), hier im Du­ell mit An­to­nio Jon­jic, brach­te Je­na in Füh­rung.

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