Kunst­pau­se aus Thü­rin­gen

Ly­ri­sche Vi­deo­in­stal­la­ti­on adelt Ge­mein­schafts­stand auf der heu­te be­gin­nen­den Frank­fur­ter Buch­mes­se

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Kultur & Freizeit - FO­TO: REIN­HARD FRANZ Von Micha­el Hel­bing

Er­furt.

Ma­rio Os­ter­lands poe­ti­scher Zug fährt ei­gent­lich in die falsche Rich­tung: Er­furt–Leip­zig in 44 Mi­nu­ten, „wie im Tief­flug über auf­ge­klär­tes Ge­biet“. So heißt es in ei­nem Ge­dicht, das er auf der Buch­mes­se vor­trägt, oh­ne selbst an­we­send zu sein.

Es ist nicht je­ne in Leip­zig, die im Früh­jahr ver­gleichs­wei­se ein gro­ßes Fest der Li­te­ra­tur fei­ert, son­dern die in Frank­furt, wo es im Herbst ums gro­ße Ge­schäft mit dem Buch geht. Dort, in Hal­le 3.1, ist Thü­rin­gen 156 Qua­drat­me­ter groß und, um sich mal sehr frei bei Os­ter­land zu be­die­nen, „ein Test­ge­län­de für den Ernst­fall“.

Der Ernst­fall heißt Li­te­ra­tur, Ly­rik so­gar, das Test­ge­län­de heißt „Thü­rin­gen-Lounge“: ein Ge­mein­schafts­stand, den die Lan­des­ent­wick­lungs­ge­sell­schaft seit 2011 im Auf­trag des Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums be­treibt. Das kos­tet ins­ge­samt 160.000 Eu­ro.

Da­mit ha­be man die Zahl der Aus­stel­ler aus Thü­rin­gen in Frank­furt/ Main ver­drei­fa­chen kön­nen, heißt es. Thü­rin­gen zeig­te sich als ers­tes Bun­des­land der­art auf der Buch­mes­se. Sach­sen, Sach­sen-An­halt, Hes­sen, Rhein­land-Pfalz Ba­den-Würt­tem­berg und Bay­ern zo­gen nach.

Doch nur in „Thü­rin­gen“gibt es, seit 2016, die „Kunst­pau­se: Poe­sie“. Die hoch­for­ma­ti­ge Vi­deo­in­stal­la­ti­on ver­sam­melt in die­sem Jahr nun bin­nen ei­ner hal­ben St­un­de drei­zehn Dich­te­rin­nen und Dich­ter.

Deutsch­land­weit be­kann­te sind da­bei, wie Nan­cy Hün­ger (Er­furt), Da­nie­la Danz (Kra­nich­feld) oder Pe­ter Ne­u­mann (Wei­mar/Je­na), Neu­ent­de­ckun­gen wie San­dra Blu­me (Ei­se­nach) und Gorch Malt­zen (Wei­mar), auch Aus­wär­ti­ge mit Ver­bin­dung zu Thü­rin­ger Dich­tern, wie Crauss (Sie­gen) oder Öz­lem Öz­gül Dündar (Leip­zig/So­lin­gen). Und eben Ma­rio Os­ter­land aus Mühl­hau­sen, in Er­furt le­bend, der mit „Tief­flug“ei­nen eher un­ty­pi­schen Text aus­wähl­te, weil er sei­ne Ly­rik nur sel­ten kon­kret ver­or­tet und al­les an­de­re als ein Land­schafts­dich­ter ist. „Ich dach­te“, teilt er aber mit, „das wä­re ein gu­ter Text, um am Buch­mes­sen­Stand des Lan­des Thü­rin­gen auch im Vor­bei­ge­hen zu funk­tio­nie­ren.“

Os­ter­land ist zu­gleich Co-Ku­ra­tor von und Rat­ge­ber für die „Kunst­pau­se: Poe­sie“. So be­schreibt ihn der Künst­ler Rein­hard Franz aus Er­furt, der an Wei­mars Bau­haus-Uni lehrt. Franz hat­te die Idee zur In­stal­la­ti­on, als dem Stand zwei­er­lei fehl­te: ein künst­le­ri­scher Bei­trag und ein Ort für Ly­rik, die nicht nur ge­le­sen, die auch ge­spro­chen wer­den will.

Mit sei­nem „Op­to­pho­ne­ti­schen In­sti­tut Wei­mar“schuf er Ab­hil­fe. Es funk­tio­niert. Nicht nur ver­weist die In­stal­la­ti­on pars pro to­to dar­auf, „wie viel schrift­stel­le­ri­sches Po­ten­zi­al in Thü­rin­gen steckt“, wie Os­ter­land oft er­staunt fest­stellt. Zu­dem „neh­men das die Mes­se­be­su­cher tat­säch­lich und im Wort­sin­ne als will­kom­me­ne Pau­se im Mes­se­tru­bel an“, be­rich­tet er von Er­fah­run­gen, als er für den Ge­mein­schafts­stand Le­sun­gen or­ga­ni­sier­te und mo­de­rier­te.

Die „Thü­rin­gen-Lounge“als Ver­an­stal­tungs­ort ist ei­ner der Plus­punk­te für be­tei­lig­te Ver­la­ge. Bus­sert & Sta­de­ler aus Je­na zum Bei­spiel prä­sen­tie­ren dies­mal Uta Hey­ders Band „Born in the GDR – an­ge­kom­men in Deutsch­land“, mit drei­ßig Le­bens­be­rich­ten aus Thü­rin­gen, Sach­sen und Sach­sen-An­halt. Das ist ei­ne von fünf­zehn Ver­an­stal­tun­gen am Stand.

Die­ser bringt Ver­le­ger Hel­mut Sta­de­ler auch sonst „ei­nen un­heim­li­chen Fo­kus, weil die Hal­le 3.1. ein gro­ßes Pu­bli­kums­auf­kom­men hat“. Die Prä­sen­ta­ti­on dort sei nun ein­mal „auf­merk­sam­keits­er­re­gen­der“als in der En­ge un­ter Klein- und Kleinst­ver­la­gen „in ih­ren Buch­ten“in Hal­le 4. „Dort fehlt die Wei­te für das schö­ne Buch.“In der „Thü­rin­gen-Lounge“kön­ne man sich mal hin­set­zen und mit po­ten­zi­el­len Au­to­ren und Kol­le­gen ins Ge­spräch kom­men und ge­ra­de in­ter­na­tio­na­le Kon­tak­te pfle­gen. Bus­sert & Sta­de­ler wol­len ak­tu­ell Li­zen­zen nach Chi­na ver­kau­fen.

Ver­sam­melt sind am Thü­rin­gen­Stand dies­mal al­les in al­lem sieb­zehn Aus­stel­ler, die Hälf­te da­von sind Ver­la­ge. Wei­te­re sechs Aus­stel­ler sind, eben­so vom Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um ge­för­dert wie die an­de­ren, mit ei­ge­nen Stän­den ver­tre­ten.

Da­nie­la Danz ist in Frank­furt ei­ne von drei­zehn Dich­tern in der Vi­deo­in­stal­la­ti­on „Kunst­pau­se: Poe­sie“von Rein­hard Franz und Ma­rio Os­ter­land.

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